ASSAR: „ES WERDEN SEHR EMOTIONALE SPIELE GEGEN DÜSSELDORF“



Nach drei Jahren in der Tischtennis Bundesliga (TTBL) kehrt Omar Assar für die neue Saison zurück nach Frankreich. Vor seinem Wechsel zur GV Hennebont TT haben wir mit dem 29-Jährigen gesprochen: über seine Zeit beim SV Werder Bremen und bei Borussia Düsseldorf, über das Wiedersehen in der Champions League und über seine aktuelle Form.

Omar Assar

Im Trikot des SV Werder Bremen war Omar Assar erstmals in der TTBL zu sehen, anschließend folgten zwei Jahre bei Borussia Düsseldorf. (Foto: BeLa Sportfoto)

Mit welchen Gefühlen haben Sie die Auslosung der Champions League am Freitag verfolgt? Sie und Ihr neues Team GV Hennebont TT treffen schließlich auf Ihren Ex-Klub Borussia Düsseldorf …

Das ist natürlich ein aufregendes Los. Es werden zwei sehr spannende und emotionale Spiele gegen meine alten Teamkollegen, auch weil ich mich den Fans der Borussia sehr verbunden fühle. Vor allem unser Heimspiel in Hennebont wird daher ein ganz besonderes Spiel für mich. Trotzdem wird es aber keine Geschenke geben: Wir wollen unsere bestmögliche Leistung abrufen und werden alles geben, um in das Halbfinale einzuziehen.

Was denken Sie über den neuen Modus der Champions League mit unter anderem nur drei Mannschaften pro Gruppe?

Ich halte die Reform insgesamt für eine gute Sache. Für die einzelnen Mannschaften ist es schwieriger und herausfordernder geworden, sich zu qualifizieren und im Wettbewerb voranzuschreiten. Dadurch wird es interessanter für die Fans, die viele spannende und hochklassige Matches sehen werden. Der neue Modus ist der richtige Weg, weil er einerseits die Anzahl der Spiele für die Top-Teams reduziert und andererseits die sportliche Qualität erhöht.

Nach drei Jahren in der TTBL verlassen Sie Deutschland für die neue Saison. Wie blicken Sie zurück auf Ihre Zeit beim SV Werder Bremen und Borussia Düsseldorf?

Es war immer mein Traum, eines Tages in der TTBL spielen zu dürfen, und ich fühle mich sehr geehrt, für zwei der besten deutschen Teams gespielt zu haben. Bremen hat mich damals aus Frankreich geholt und mir die Chance gegeben, in die TTBL zu kommen. Ich bin beiden Mannschaften sehr, sehr dankbar und möchte mich bei beiden für das Vertrauen bedanken, das sie mir geschenkt haben.

Düsseldorf ist normalerweise ein Titelgarant. In den vergangenen zwei Jahren aber ging die Borussia zweimal leer aus – und damit auch Sie persönlich. Woran lag es, dass es 2019 und 2020 nicht mit weiteren Titeln geklappt hat?

Düsseldorf ist der deutsche Rekordmeister und einer der größten Klubs in Europa. Die vergangenen zwei Jahre waren daher ziemlich hart für den Verein. Natürlich habe auch ich davon geträumt, mit der Borussia einen Titel zu holen, was bekanntlich leider nicht geklappt hat. Ausschlaggebend waren dafür meines Erachtens verschiedene Gründe. Einer der größten ist möglicherweise die Reform der Weltrangliste durch die ITTF, durch welche die regelmäßige Teilnahme an internationalen Turnieren sehr wichtig geworden ist. Das ist sehr herausfordernd und hat zudem die Verletzungsgefahr erhöht.

Darüber hinaus gehört Düsseldorf zu den wenigen Teams in Deutschland, die an allen drei Wettbewerben teilnehmen: der TTBL, dem Pokal und der Champions League. Angesichts der Vielzahl der Spiele ist es sehr schwer, in jedem Match sein bestmögliches Tischtennis zu zeigen. Meiner Meinung nach gehört das zu den Hauptfaktoren dafür, dass wir in den vergangenen zwei Jahren keinen Titel gewonnen haben.

Wie gut sehen Sie die Borussia denn für die Zukunft aufgestellt?

Da bin ich sehr zuversichtlich und mir sicher, dass Düsseldorf eine starke Saison spielen wird. Es sind alles Topspieler, und insbesondere Timo Boll ist sehr stabil. Anton Källberg ist ein vielversprechendes Talent und hat sein hohes Niveau bereits in der vergangenen Saison immer wieder gezeigt. Kristian Karlsson muss nach der Ellbogenoperation zwar erst wieder fit werden. Ich wünsche ihm aber und bin mir sicher, dass er noch stärker zurückkommt. Danny Heister ist ein einmaliger Coach, der immer versucht, jeden Spieler besser zu machen. Ich gehe fest davon aus, dass Düsseldorfs nächste Saison noch erfolgreicher wird als die vergangene.

Beim Düsseldorf Masters haben Sie sich zuletzt in guter Form präsentiert. Wie haben Sie sich in den vergangenen Monaten fit gehalten, und wie fühlen Sie sich aktuell?

Das Düsseldorf Masters ist eine tolle Chance, die Übungen aus dem Training in den Wettkampf zu überführen, um etwas auszuprobieren und zu testen. In manchen Wochen etwa gebe ich im Training Vollgas, insbesondere im körperlichen Bereich, und sehe dann, wie sich das auf den Wettkampf auswirkt. In anderen Wochen versuche ich eine andere Strategie. Dafür möchte ich mich bei den Organisatoren bedanken, dass sie dieses Turnier möglich gemacht haben.

In den vergangenen Monaten habe ich mein Bestes gegeben, um möglichst aktiv und fit zu bleiben: Ich hatte mein kleines Fitnessstudio zu Hause und habe viel mit meiner Frau trainiert. Derzeit fühle ich mich sehr gut und bin froh, während dieser schwierigen Zeit meine Form und meine Einstellung so positiv gehalten zu haben. Ich sehe eine eindeutig positive Entwicklung, etwa im Vergleich zu der Situation vor einem Jahr. Dafür möchte ich insbesondere meiner Frau danken. Sie unterstützt mich immer und treibt mich an. Dafür bin ich sehr dankbar.

Für die neue Saison haben Sie bei der GV Hennebont TT unterschrieben. Was sind Ihre Erwartungen an Ihren neuen Verein und die Rückkehr nach Frankreich?

Hennebont ist ein großer Verein und nicht nur in Frankreich einer der besten, sondern auch in Europa. Viele große Namen haben hier gespielt, Ryu Seung Min etwa, Kalinikos Kreanga und viele andere. Daher fühle ich mich sehr geehrt, nun ebenfalls für Hennebont zu spielen. Neben der großen Historie verfügt der Verein auch über eine tolle Fanszene, über eine gute Tischtennis-Schule und insgesamt über großen Professionalismus im gesamten Klub. Mit Hennebont hatte ich schon immer eine gute und freundschaftliche Verbindung, bereits während meiner Zeit in Frankreich und auch während der Spiele mit Düsseldorf in der Champions League.

Ich möchte abschließend übrigens noch dem Deutschen Tischtennis-Bund und der deutschen Nationalmannschaft danken, mir die Chance gegeben zu haben, im Training mitzuwirken und mein Spiel zu verbessern. Ich habe mich sehr gut in die Gruppe integriert gefühlt. Jörg Roßkopf ist ein toller Trainer und hat in der Corona-Krise mit Lars Hielscher einen tollen Job gemacht, die Spieler beschützt und sie zugleich fit gehalten.

 

Beitragsbild oben: Omar Assar (Foto: Jörg Fuhrmann)