BEIM TSV BAD KÖNIGSHOFEN BEWEGT SICH WAS



Mit Bastian Steger hat der TSV Bad Königshofen einen der spannendsten Transfers der neuen Saison getätigt. Der 38-Jährige soll das junge Team mit seiner Erfahrung führen – möglicherweise sogar in die Play-offs der Tischtennis Bundesliga (TTBL). Doch nicht nur sportlich bewegt sich etwas bei den Unterfranken, auch hinter den Kulissen stellt sich der Verein noch professioneller auf.

Bastian Steger

Mit Bastian Steger hat Bad Königshofen nicht nur Spielstärke, sondern auch eine Menge Erfahrung verpflichtet. (Foto: BeLa Sportfoto)

Ein bisschen wie seinerzeit mit Richard Vyborny soll es werden. Das wünschen sich die Verantwortlichen des TSV Bad Königshofen, wenn sie auf Bastian Steger angesprochen werden. Der tschechische Olympia-Teilnehmer Vyborny war 2013 im Alter von 42 Jahren zu den Unterfranken gewechselt, vier Jahre lang agierte er als Leitwolf der jungen Mannschaft des Zweitligisten. Heute, zwei Jahre nach Vyborny, soll Steger eine ähnliche Rolle einnehmen. Der 38-Jährige ist zur neuen Saison vom SV Werder Bremen nach Bad Königshofen gewechselt.

Der Mannschaft habe in der vergangenen Saison die Erfahrung einer Führungspersönlichkeit gefehlt, das analysierten der sportliche Leiter Udo Braungart und sein Team. Offensichtlichstes Zeichen dafür sei das Abschneiden in den Doppeln: Neunmal ging Bad Königshofen in der abgelaufenen Spielzeit ins Schlussdoppel, hatte dabei allerdings sechsmal das Nachsehen. Die Abgeklärtheit in den entscheidenden Situationen fehlte. Diese soll nun Steger liefern. Doch nicht nur als Führungsperson dürfte der zweimalige deutsche Einzelmeister eine Verstärkung für Bad Königshofen sein. Auch sportlich ist Steger ein Gewinn: 33 Einzel spielte er in der vergangenen Saison, kein Akteur trat häufiger an. 70 Prozent davon, nämlich 23 Einzel, gewann der 38-Jährige. Damit ist Bastian Steger der sechstbeste Spieler 2018/19. „Er ist der Spieler, der am besten zu uns passt“, stellt Braungart fest. Entsprechend seien alle Hebel in Bewegung gesetzt worden, um Steger nach Bayern zu lotsen. Mit Erfolg.

Entwicklung nötigt auch der Konkurrenz Respekt ab

Doch nicht nur mit der Verpflichtung Stegers ist Bad Königshofen ein Coup gelungen. Nicht minder außerordentlich ist die Vertragsverlängerung mit Mizuki Oikawa. Der 22-Jährige war von Borussia Düsseldorf umworben worden, entschied sich aber für eine Zukunft in Unterfranken. „Er ist bei uns Publikumsliebling, und er kann ohne Druck spielen“, sagt TSV-Manager Andy Albert. Zudem sei der Name Steger ein gewichtiges Argument gewesen: „Mizuki war wichtig, dass wir uns verstärken und uns sportlich weiterentwickeln. Und genau das wollen wir.“

Kilian Ort

Kilian Ort ist das Eigengewächs der Unterfranken – und noch lange nicht am Ende seiner Entwicklung. (Foto: Friedrich Haubner)

Oikawa war 2015 zum damaligen Zweitligisten Bad Königshofen gewechselt und schaffte mit den Unterfranken 2017 den Aufstieg in die Bundesliga. Dabei hat sich der Japaner ebenso wie der Verein äußerst positiv entwickelt: In der vergangenen Saison spielte Oikawa eine 18:9-Bilanz und war damit einer der erfolgreichsten Akteure der Liga. Stolz sind die Verantwortlichen zudem auf die Entwicklung von Kilian Ort, dem anderen vielversprechenden Talent in Reihen des TSV. Der 23-Jährige soll in der kommenden Saison im Windschatten Stegers und Oikawas den nächsten Schritt machen. Nummer vier im Team ist der 22 Jahre alte Kroate Filip Zeljko. Verlassen hat den Verein Bence Majoros. Die Entwicklung der Mannschaft nötigt auch der Konkurrenz in der TTBL Respekt ab. Mancher sieht den Vorjahresachten daher als vielversprechenden Anwärter auf die Play-offs. „Wenn sie verletzungsfrei bleiben, haben sie richtig gute Chancen“, meint etwa Grenzau-Coach Chris Pfeiffer.

Erste Mannschaft wird ausgegliedert

Doch nicht nur an der Mannschaft hat Bad Königshofen gearbeitet. Auch in der Vereinsstruktur gibt es Bewegung. Ende Juli beschlossen die Mitglieder des TSV Bad Königshofen auf einer außerordentlichen Versammlung einstimmig die Ausgliederung der ersten Tischtennis-Mannschaft – ein Modell, das etwa aus dem Profifußball bekannt ist. So wird die Gemeinnützigkeit des Gesamtvereins geschützt und die Profiabteilung auf ein solideres Fundament gestellt. Ab der Saison 2020/21 wird die erste Tischtennis-Mannschaft als GmbH geführt, an der Entscheidungsgewalt soll sich aber nichts ändern. „Der TSV beziehungsweise die Vorstandschaft ist einziger Entscheider über Abläufe innerhalb der GmbH“, wird der Vereinsvorsitzende Thorsten Eckart von der Mainpost zitiert. „Der TSV kann den Geschäftsführer ohne weitere Mitsprache einstellen und kündigen und entscheidet allein, was mit den möglichen Gewinnen aus der GmbH passiert.“

Mit verschiedenen Aktionen möchten die Verantwortlichen zudem die Bekanntheit des Klubs und die Strahlkraft des Sports insgesamt vergrößern. Etwa bei der Langen Einkaufsnacht in Bad Königshofen: Dort präsentierte sich der Verein als „Tischtennis-Familie“, wie Braungart sagt. Kilian Ort und die U-15-Mannschaft, die in diesem Jahr die deutsche Meisterschaft holte, schrieben Autogramme, zudem konnten Besucher an zwei Tischen selbst zum Schläger greifen. Eine junge Marketing-Agentur unterstützt den TSV zudem künftig bei seinem Außenauftritt.

Es bewegt sich was in Bad Königshofen, und das nicht nur am Tisch.

 

Beitragsfoto oben: Friedrich Haubner