BORUSSIA RAUS MIT APPLAUS



Es war Werbung für den Tischtennis-Sport, aber ein Abend ohne Happy End für Borussia Düsseldorf. Der Titelverteidiger ist im Halbfinale der Champions League gegen den russischen Verein TTSC UMMC trotz einer starken Leistung und eines 3:2-Sieges ausgeschieden. Zwischenzeitlich hatte es für die Borussia, angeführt von Leader Timo Boll, richtig gut ausgesehen. Die Bürde aus dem Hinspiel (1:3 und 6:10 Sätze) wog aber letztlich zu schwer.

„Wir versuchen, den Heimvorteil auszunutzen und das Unmögliche möglich zu machen“, hatte Borussia-Manager Andreas Preuß angekündigt. Für den Titelverteidiger galt es, ein 1:3 aus dem Hinspiel mit einem schlechten 6:10-Satzverhältnis umzubiegen. Chefcoach Danny Heister setzte dementsprechend alles auf eine Karte und wählte die offensive Aufstellung mit Timo Boll an Position zwei, um früh das Spitzeneinzel gegen Fang Bo zu erzwingen und so auf einen nötigen 3:0-Erfolg zu spekulieren. Die Taktik sollte sich auszahlen. Zunächst.

Kristian Karlsson nährte anfangs die Hoffnung mit einem sehr überzeugenden 3:1-Erfolg über Jonathan Groth. Nach dem verwandelten Matchball feuerte der Schwede – Publikumsliebling in Düsseldorf – die über 1300 Zuschauer im ausverkauften ARAG CenterCourt, darunter Bundestrainer Jörg Roßkopf und DTTB-Sportdirektor Richard Prause, noch mal an.

Timo Boll schlägt Fang Bo in einem dramatischen Weltklasse-Match

Was die über 1300 Zuschauer dann zu sehen bekamen, waren nicht nur zwei Weltklasse-Athleten, sondern auch ein Weltklasse-Spiel mit Herzinfarkt-Gefahr. Timo Boll ließ Fang Bo in den ersten beiden Sätzen (11:6, 11:6) keine Chance, doch wie im Hinspiel – als Boll schon mit 2:0 geführt und noch 2:3 verloren hatte, kam Fang Bo zurück. Im vierten Durchgang wurde es dramatisch, als Boll bei 10:9 und 12:11 dem Sieg so nah war, fantastisch aufspielte, aber der Vize-Weltmeister von 2015 zweimal das bessere Ende für sich hatte. Im fünften Durchgang dürfte Boll schon ein Déjà-vu der Hinspiel-Niederlage gehabt haben, beim Stande von 8:10 sah er sich zwei Matchbällen gegenüber, die der Deutsche in starker Manier abwehrte. Bei 10:11 wehrte Boll sogar einen dritten Matchball ab, um dann seinerseits den dritten Matchball zum 13:11 zu verwandeln. Der ARAG CenterCourt bebte. „Ein episches Match, eines der besten, das wir je in der Champions League gesehen haben“, sagte der britische Kommentator beim Internet-Sender Laola1.tv, das die Partie live übertrug.

Omar Assar hatte nun das 3:0 und damit das Finale auf dem Schläger. Der Ägypter erspielte sich im ersten Satz gegen Andrej Gacina zwei Satzbälle, konnte diese aber nicht nutzen. Den zweiten Durchgang entschied Assar für sich, doch Gacina setzte sich in Satz drei und vier relativ sicher ab. Damit war eine Vorentscheidung gefallen, denn Kristian Karlsson durfte nun gegen Fang Bo keinen Satz abgeben und dazu noch wenige Punkte – denn auch das Ball-Verhältnis sprach für die Gäste. Der Schwede begann furios, gewann Satz eins mit 11:7, doch den zweiten Satz holte sich Fang Bo mit 11:6. Die UMMC-Bank sprang sofort aus, wohlwissend, dass die Mannschaft gerade ins Champions-League-Finale eingezogen ist, während Karlsson sichtlich konsterniert schon in der Satzpause seine Teamkollegen abklatschte. In dem dann bedeutungslosen weiteren Verlauf setzte sich der Chinese in fünf Sätzen durch. Das fünfte Einzel konnte Anton Källberg gegen Jonathan Groth in fünf Sätzen immerhin noch für sich entscheiden. 

Borussia-Manager Andreas Preuß in einem ersten Statement: "Die Enttäuschung ist natürlich riesengroß, wir hatten unsere Chancen und es war ein super Match. Wir hatten immer die Rechenmaschine an, wussten, dass Kristian am Ende 3:0 gewinnen und 20 Bälle aufholen musste. Letztlich haben wir das Spiel in Jekaterinburg verloren. Glückwunsch an Jekaterinburg zum Einzug in das Finale. Ab morgen läuft für uns die Mission Titelverteidigung in der Meisterschaft.“

Das Spiel in der Übersicht

Borussia Düsseldorf – TTSC UMMC 3:2 (Hinspiel 1:3, 6:10-Sätze)
Kristian Karlsson – Jonathan Groth 3:1 (11:5, 7:11, 11:5, 11:5)
Timo Boll – Fang Bo 3:2 (11:6, 11:6, 5:11, 12:14, 13:11)
Omar Assar – Andrej Gacina 1:3 (12:14, 11:8, 4:11, 8:11)
Kristian Karlsson – Fang Bo 2:3 (11:7, 6:11, 3:11, 11:5, 9:11)
Anton Källberg – Jonathan Groth 3:2 (11:9, 6:11, 7:11, 14:12, 11:9)

Beitragsbild oben: BeLa Sportfoto