DEUTSCHES FINALE BEIM WORLD-CUP



Dimitrij Ovtcharov sichert sich mit einem 4:2-Erfolg über Timo Boll den Titel

Dimitrij Ovtcharov gewinnt zum ersten Mal den mit 150.000 Dollar dotierten World Cup der Herren in Lüttich, als erst dritter deutscher Spieler nach Bundestrainer Jörg Roßkopf und Finalgegner Timo Boll überhaupt. Der World Team Cup gilt als das bedeutendste Turnier nach den Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften. Erstmals in der Geschichte des Weltpokals standen sich zwei deutsche Spieler im Finale gegenüber. Simon Gauzy (FRA, TTF Liebherr Ochsenhausen) unterliegt im kleinen Finale Weltmeister Ma Long bei seinem Comeback. 

Boll schlägt beide Chinesen 

Auf besonders beeindruckende Art und Weise zog Rekordeuropameister Timo Boll zum fünften Mal in seiner Karriere in ein Finale des Weltpokalturniers ein. Mit dem aktuellen Weltmeister Ma Long Boll und Shooting Star Lin Gaoyuan konnte Boll sich gegen die beiden Top-Chinesen durchsetzen. Im Viertelfinale konnte der Spieler von Borussia Düsseldorf den Weltranglistenneunten und Asia-Cup-Sieger Lin Gaoyuan nach Abwehr von sieben Matchbällen bezwingen. Im Halbfinale gelang ihm gegen Weltmeister Ma Long die Revanche für die Niederlage im Viertelfinale bei den vergangenen Weltmeisterschaften.
"Ich wollte das Spiel heute nur genießen. Deshalb hat mich auch der Rückstand gar nicht aus der Ruhe gebracht. Ich war wie im Tunnel. Das war ein wunderschöner Sieg", so Boll nach seinem Erfolg über Ma Long.

Ausgeglichenes Finale

Vier Sätze lang verlief das deutsche Finale sehr ausgeglichen, erst dann konnte sich Ovtcharov in den Sätzen fünf und sechs die entscheidenden Vorteile im Match verschaffen.  Nach dem 10:12, 11:8, 11:7, 9:11, 11:7, 11:2 konnte Dima sein Glück kaum fassen und zeigte sich als gewohnt fairer Sportsmann. "Es fühlt sich so irreal an. Das ich mich auf diesem Pokal eintrage, auf dem solch große Sportlernamen eingraviert sind, hätte ich vor ein paar Jahren kaum für möglich gehalten." Ovtcharov weiter: "Timo hatte vorher zwei unglaublich schwere Spiele gegen Lin Gaoyuan und Ma Long. Dass er ihn geschlagen hat, ist ein großartiger Erfolg. Da war meine Auslosung, das muss ich sagen, etwas leichter. Timo hätte heute den Sieg sicherlich genauso verdient gehabt wie ich." In der Tat wirkte Boll in den Entscheidungssätzen des Endspiels etwas weniger frisch als sein deutscher Nationalmannschaftskollege. Er selbst sah den Knackpunkt im verlorenen zweiten Satz: "Im Finale wäre es wichtig gewesen, mit 2:0 in Führung zu gehen, was ja durchaus möglich war. Ich denke, dann kommt Dima nicht zurück ins Spiel. Am Ende des Matches wurde es dann immer schwerer." Hinsichtlich seiner spielerischen Leistung war der Düsseldorfer mit dem Turnier sehr zufrieden: "Seit der WM und dem Spiel gegen Ma Long weiß ich erstmals so richtig nach meiner damaligen Knieverletzung, dass ich wieder auf einem sehr hohen Niveau angelangt bin und gegen jeden mithalten kann." 

Simon Gauzy

Starker Auftritt beim World Cup: Simon Gauzy (Foto: ITTF)

Ovtcharov zu stark für TTBL-Stars

Dimitrij Ovtcharov hatte auf seinem Weg in das Endspiel zwar die auf dem Papier etwas leichtere Auslosung, in der Realität entpuppten sich die Duelle jedoch als überaus harte Brocken. Im Achtelfinale setzte sich Dima gegen den Ukrainer Kou Lei (TTC Zugbrücke Grenzau) in fünf Sätzen durch. Doch sowohl im Viertel- als auch im Halbfinale musste Ovtcharov über kraftraubende sieben Sätze. Nach dem Erfolg gegen den Russen Aleksander Shibaev in der Runde der letzten Acht, wartete im Halbfinale der Franzose Simon Gauzy (TTF Liebherr Ochsenhausen), der zuvor mit Siegen über Mizutani (JAP) und Jeong Sangeun (KOR) auf sich aufmerksam machte. 

Für Omar Assar (EGY, SV Werder Bremen) war im Achtelfinale Weltmeister Ma Long noch eine Nummer zu groß.

Die Ergebnisse in der Übersicht:

Finale
Dimitrij Ovtcharov GER - Timo Boll GER 4:2 (-10,8,7,-9,7,2)

Spiel um Platz 3
Ma Long CHN - Simon Gauzy FRA 4:2 (5,-11,-6,5,7,9)

Halbfinale
Timo Boll GER - Ma Long CHN 4:3 (-6,-9,9,-9,7,5,10)
Dimitrij Ovtcharov GER - Simon Gauzy FRA 4:3 (-6,2,8,-10,-7,4,8)
Zu den Ergebnissen

Viertelfinale
Ma Long CHN - Koki Niwa JPN 4:1 (11,9,5,-9,8)
Timo Boll GER - Lin Gaoyuan CHN 4:3 (-5,-11,9,-9,9,12,11)
Jun Mizutani JPN - Simon Gauzy FRA 3:4 (-7,6,-11,11,-9,7,-8)
Dimitrij Ovtcharov GER - Aleksander Shibaev RUS 4:3 (-9,-8,10,9,7,-10,7)

Achtelfinale
Ma Long CHN - Omar Assar EGY 4:1 (5,-7,8,8,4)
Koki Niwa JPN - Lee Sangsu KOR 4:2 (5,11,-8,-2,6,9)
Lin Gaoyuan CHN - Marcos Freitas POR 4:1 (3,-10,9,5,5)
Timo Boll GER - Gustavo Tsuboi BRA 4:0 (10,8,5,11)
Jun Mizutani JPN - Quadri Aruna NGR 4:0 (6,7,6,7)
Simon Gauzy FRA - Jeong Sangeun KOR 4:1 (-9,4,11,7,9)
Chuang Chih-Yuan TPE - Aleksander Shibaev RUS 2:4 (-10,9,-9,-9,5,-5)
Dimitrij Ovtcharov GER - Kou Lei UKR 4:1 (4,5,11,-10,6)