DIE SILBERMEDAILLE ALS ‚BOOST‘



Kilian Ort gewann bei den Deutschen Meisterschaften in Berlin am Wochenende hinter Timo Boll überraschend Silber und ist nun Deutscher Vizemeister. Nach einer schwierigen Saison in der Tischtennis Bundesliga (TTBL) geht der 21-Jährige nun mit neuem Selbstvertrauen an die Aufgaben der kommenden Wochen und Monate, wie er im TTBL-Interview erzählt.

Kilian, zunächst natürlich erst einmal Glückwunsch zur Deutschen Vizemeisterschaft! Wie haben Sie das Wochenende in Berlin erlebt?

Kilian Ort: Generell wusste ich natürlich, was auf mich zukommt, da ich schon die ein oder anderen Deutschen Meisterschaften gespielt habe. Und dass ich speziell am Samstag viel zu tun haben werde, da ich ja auch im Doppel gespielt habe. Als ich gesehen habe, dass ich (im Turnierbaum) auf Ruwen (Filus) zulaufe, war ich ganz zufrieden mit der Auslosung. Bereits letztes Jahr in Bamberg habe ich gut gegen ihn gespielt und zuletzt auch in der Liga erst mit 9:11 im fünften Satz verloren. Trotzdem galt es natürlich zunächst, die ersten beiden Runden zu überstehen. Im Spiel gegen Ruwen war ich dann letztlich der Glücklichere. Vor dem Halbfinale gegen Basti (Steger) hatte ich dagegen zunächst wenig Hoffnung, da ich gegen ihn meistens schlecht ausgesehen habe. Doch nach und nach habe ich im Spiel mehr Sicherheit gewonnen. Im Finale hat mir Timo (Boll) dann eine Lehrstunde erteilt. Aber das ist schon ganz anderen passiert und trübt die Freude nicht im Geringsten.

Mit Aufsteiger TSV Bad Königshofen lief es für Sie persönlich in der Tischtennis Bundesliga (TTBL) dagegen lange Zeit alles andere als rund. Bis dato kommen Sie lediglich auf zwölf Einsätze, gewinnen konnten sie erst drei Spiele. Ist in Berlin der Knoten geplatzt?

Ort: Die Saison lief bisher wirklich unglücklich für mich. Wegen eines Bundeswehr-Lehrgangs konnte ich wenig trainieren. Dazu kam dann noch, dass ich einige Spiele zum Teil recht unglücklich verloren habe. Der Erfolg in Berlin gibt mir jetzt einen ‚Boost‘ für die nächsten Wochen, aber auch schon für die kommende Saison. Ich weiß jetzt, dass ich auch die Top-Spieler schlagen kann. Jedoch muss ich auch sagen, dass vor Berlin nicht alles schlecht war, genauso wenig wie am Wochenende in Berlin alles gut war. Das wird häufig vergessen.

Abgesehen von Ihrer persönlichen Formkrise hat Ihre Mannschaft eine beeindruckende Premieren-Saison hingelegt und damit viele überrascht. Wie fällt Ihr Fazit des ersten Bundesliga-Jahres aus?

Ort:  Auch wir selbst konnten das so natürlich nicht erwarten. Aber unser Manager Andy Albert hat ein gutes Händchen bewiesen, indem auf Darko Jorgic und einen insgesamt sehr jungen Kader gesetzt hat. Wir haben wenig Druck von außen, das ist gerade für uns junge Spieler sehr angenehm. So kommt der einzige Druck von uns selbst. Das familiäre Umfeld und die vielen Helfer hinter der Mannschaft haben ebenfalls viel zu unseren Erfolgen beigetragen.

Apropos Erfolg: Hinter Borussia Düsseldorf hat Bad Königshofen als Aufsteiger auf Anhieb den zweitbesten Zuschauerschnitt aller Bundesligisten. Was ist Ihr Geheimnis?

Ort: Ein Grund ist sicherlich, dass ich selbst aus Bad Königshofen komme. Das zieht viele Zuschauer an. Dazu kommt, dass wir im Vergleich zu anderen Bundesligisten in der Region wenig Konkurrenz aus anderen Sportarten haben. Ich denke, dass wir als Verein einfach sehr authentisch sind und ein gutes Konzept verfolgen, was viele anspricht.

In der kommenden Saison wird mit Darko Jorgic der erfolgreichste Spieler der Mannschaft nach Saarbrücken wechseln, was sicherlich eine Schwächung ist. Wo sehen Sie Ihre Mannschaft in der kommenden Saison? Wie sehen die Ziele aus?

Ort: Noch wissen wir nicht, ob Jülich dabei sein wird und falls ja, mit welcher Aufstellung sie spielen. Aber wir gehen sicherlich so oder so wieder als Außenseiter in die Saison. Keiner erwartet von unserem Neuzugang Bence (Majoros), dass er Darko 1:1 ersetzen kann. Es wird vielmehr darum gehen, ihn gut bei uns aufzunehmen und ins Team zu integrieren. Was Mizuki (Oikawa) angeht, so denke ich, dass er an Position eins und zwei auch in der kommenden Saison wieder gute Leistungen zeigen wird. Und persönlich erhoffe ich mir natürlich, dass ich besser spielen werde als bisher und ebenfalls den Einen oder Anderen ‚fällen‘ kann. Wir machen uns da aber überhaupt keinen Druck.

Im Sommer kehrt das Doppel zurück in die Liga. Freuen Sie sich drauf?

Ort: Bei den Deutschen Meisterschaften habe ich festgestellt, dass ich Doppel erstmal wieder trainieren muss. Vor meinen Auftritten mit Dennis Klein habe ich monatelang kaum Doppel gespielt. Aber ich komme ursprünglich aus dem Fußball und war schon immer Mannschaftssportler. Es ist etwas anderes, wenn man wirklich zusammen mit seinen Teamkollegen jubeln kann, und nicht nur von der Bank aus. Das macht Tischtennis als Mannschaftssport aus. Auch im Hinblick auf die Olympischen Spiele ist es, denke ich, wichtig, dass in der Bundesliga jetzt wieder mit Doppel gespielt wird. Bei den Spielen in Rio 2016 haben wir gesehen, dass uns andere Nationen da zum Teil voraus sind.