EM: ELFMAL EDELMETALL – TTBL-STARS RÄUMEN AB



Dreimal Gold, dreimal Silber und fünfmal Bronze – so lautet die herausragende Bilanz der Profis aus der Tischtennis Bundesliga (TTBL) bei den am gestrigen Sonntag zu Ende gegangenen Europameisterschaften im spanischen Alicante. Über allem steht dabei Timo Bolls siebter Einzeltitel, den sich der 37-Jährige mit einem 4:1-Finalsieg über den Rumänen Ovidiu Ionescu sicherte und damit auf den Thron Europas zurückkehrt.

Ovidiu Ionescu

Silber in Alicante: Ovidiu Ionescu (Foto: ITTF)

Was für eine EM für die Profis aus der Tischtennis Bundesliga (TTBL), die bei den kontinentalen Titelkämpfen im spanischen Alicante am vergangenen Wochenende insgesamt elf von zwölf möglichen Medaillen gewinnen konnten. Überstrahlt wurde diese Ausbeute am gestrigen Sonntag zweifellos von Rekord-Europameister Timo Boll (Düsseldorf), der seiner beeindruckenden Sammlung von sechs EM-Titeln mit einem 4:1-Finalsieg gegen den Rumänen Ovidiu Ionescu (Mühlhausen) eine weitere Trophäe hinzufügen konnte – und damit selbst am wenigsten gerechnet hatte.

„Dass es am Ende für den Titel reicht, habe ich nicht erwartet“, so Boll, der bei der EM nach langer Verletzungspause sein Comeback auf der internationalen Bühne gab. „Ich stand zwei Mal am Rande einer Niederlage und hatte sicher auch etwas Glück. Aber ich bin ein Kämpfer und habe auch bei hohen Rückständen nicht aufgegeben.“ Etwa im Halbfinale gegen Patrick Franziska (Saarbrücken), der nach einer 3:1-Satzführung und einem 7:3-Vorpsprung bereits kurz vor dem Einzug ins Finale stand, ehe Boll acht Punkte in Folge gelangen. „Timo ist eben Timo“, hatte Franziska schon vor dem Duell mit seinem guten Freund und Weggefährten gesagt.

Im zweiten Halbfinale sah sich Ionescu dem Schweden Kristian Karlsson (Düsseldorf) gegenüber und behielt mit 4:1 die Oberhand. Zuvor hatte der 29-jährige Rumäne, der in Alicante nur an Position 25 gesetzt war, bereits den französischen Titelverteidiger Emmanuel Lebesson (4:1), den Dänen Jonathan Groth (2:4) sowie Altmeister Vladimir Samsonov aus Weißrussland (4:3) ausschalten können. Seine Silbermedaille konnte Ionescu daher kaum fassen. „Es ist eine Riesen-Ehre, an der Seite solcher Superstars gespielt zu haben. Dass so etwas passierten kann, habe ich nicht geglaubt. Aber jetzt glaube ich an alles.“

Doppel-Gold für Mühlhausens Habesohn

Habesohn/Gardos

Zweiter Titel nach 2012: Daniel Habesohn und Robert Gardos (Foto: ITTF)

An den Lohn harter Arbeit glaubte vor dem Turnier Ionescus Mühlhäuser Klubkollege Daniel Habesohn, der sich an der Seite seines Landsmanns Robert Gardos den Titel im Doppel-Wettbewerb sicherte. „Es ist ein tolles Gefühl, diesen Titel erneut zu gewinnen“, so Habesohn, der gemeinsam mit Gardos bereits 2012 triumphiert hatte. „Nach dem Erstrunden-Aus in Budapest vor zwei Jahren wollten wir diesmal kein Risiko eingehen. Robert kam extra aus Spanien, um vor dem Turnier eine Woche mit mir zu arbeiten. Wir hatten eine tolle Vorbereitung, und die hat sich ausgezahlt.“

Im Finale setzte sich die österreichische Kombination mit 4:1 gegen die beiden Schweden Mattias Falck und Kristian Karlsson durch. In einem packenden Halbfinale hatten Habesohn und Gardos zuvor die topgesetzten Titelverteidiger Franziska Groth ausschalten können (4:3), die schwedischen Silbermedaillengewinner im Parallelspiel das deutsche Gespann aus Fuldas Ruwen Filus und Grünwettersbachs Ricardo Walther (4:0).

Filus kann es nicht fassen

Filus/Han

„Unfassbarer“ Erfolg: Ruwen Filus und Han Ying (Foto: ITTF)

Gespickt mit TTBL-Stars war das Podium am Freitagabend auch in der Mixed-Konkurrenz, in der gleich drei Profis aus dem deutschen Oberhaus auf dem Treppchen standen. Von ganz oben strahlten jedoch Ruwen Filus und Han Ying. „Es ist unfassbar, jetzt Europameister zu sein“, freute sich Fuldas Defensiv-Spezialist. „Wir hatten natürlich vor dem Turnier eine Medaille ins Visier genommen. Aber dass es sogar der Titel wurde, ist umso schöner. Ying und ich ergänzen uns sehr gut und haben uns im Turnier von Spiel zu Spiel gesteigert und uns den Titel verdient.“

Im Endspiel besiegte die deutsche Abwehr-Kombination den Österreicher Stefan Fegerl (Ochsenhausen) und dessen Landsfrau Sofia Polcanova mit 3:2, die wiederum im Halbfinale das zweite deutsche Mixed-Paar Patrick Franziska/Petrissa Solja bezwungen hatten (1:3). Der Saarbrücker Franziska kehrt damit mit drei Bronzemedaillen im Gepäck zurück ins Saarland. „Ich weiß, dass das eine Super-EM für mich war und ich sehr gut gespielt habe. Dreimal Bronze ist ein Riesenergebnis“, resümierte der 26-Jährige.

Die Spiele um Edelmetall in der Übersicht

Einzel

Finale
Timo Boll – Ovidiu Ionescu ROU 4:1 (6:11, 11:7, 11:9, 11:6, 11:5)

Halbfinale
Timo Boll – Patrick Franziska 4:3 (8,11, 14:12, 9:11, 8:11, 11:9, 11:5, 11:7)
Kristian Karlsson SWE – Ovidiu Ionescu ROU 1:4 (10:12, 6:11, 11:3, 9:11, 9:11)

Doppel

Finale
Robert Gardos/Daniel Habesohn AUT – Mattias Falck/Kristian Karlsson SWE 4:1 (11:9, 6:11, 11:4, 11:9, 11:9)

Halbfinale
Patrick Franziska/Jonathan Groth DEN – Robert Gardos/Daniel Habesohn AUT 3:4 (11:8, 11:8, 8:11, 11:8, 6:11, 13:15, 2:11)
Ruwen Filus/Ricardo Walther – Mattias Falck/Kristian Karlsson SWE 0:4 (7:11, 6:11, 9:11, 8:11)

Mixed

Finale
Ruwen Filus/Han Ying – Stefan Fegerl/Sofia Polcanova AUT 3:2 (11:7, 9:11, 11:4, 9:11, 11:8)

Halbfinale
Patrick Franziska/Petrissa Solja – Stefan Fegerl/Sofia Polcanova AUT 1:3 (7:11, 11:1, 11:13, 9:11)
Ruwen Filus/Han Ying – Aleksandar Karakasevic SRB/Ruta Paskauskiene LTU 3:2 (11:6, 9:11, 11:7, 13:15, 12:10)

Alle EM-Ergebnisse finden Sie auf den Seiten des Weltverbands ITTF (engl.).