FRANZISKA: „NICHT NUR NOCH EIN JAHR SPIELEN“



Seit Anfang November zwingt seine Hüfte Saarbrückens Nationalspieler Patrick Franziska zur Pause. Wann der Doppel-Europameister wieder am Tisch stehen kann, ist weiter ungewiss. Ein Opfer, das Franziska jedoch gerne bringt, weil ihm seine Karriere lieb ist. Wir haben mit dem 24-Jährigen gesprochen.

Patrick Franziska, Kraftraum, 2017

Pezzi-Ball statt Tisch: Patrick Franziska im Kraftraum (Foto: Facebook/Patrick Franziska)

Sein letztes Spiel bestritt Patrick Franziska am 6. November 2016 gegen Grenzau. Mit zwei Punkten führte der 24-Jährige die Saarländer damals zum 3:1-Heimerfolg und setzte sich an die Spitze der Spielerrangliste (siehe Video). Zwei Wochen zuvor hatte er an der Seite des Dänen Jonathan Groth (Fulda) bei den Europameisterschaften in Budapest Gold im Doppel gewonnen. Es lief für Franziska.

Seitdem sieht sein Alltag ein wenig anders aus. Auftritte in der Tischtennis Bundesliga (TTBL), der Champions League und auf der ITTF World Tour sind Trainingseinheiten im Kraftraum gewichen. „Es ist immer noch diese Hüftgeschichte“, erzählt Franziska. Jene Hüftgeschichte, wegen der er neben den World Tour Grand Finals in Katar auch das Liebherr Pokal-Finale am 15. Januar verpasste. Dann präzisiert er: „Im Hüftkopf hat sich Wasser abgelagert. Entdeckt haben wir das Ganze eher zufällig, da ich keine Schmerzen hatte und auch immer noch keine habe.“ Doch warum dann pausieren? „Die Ärzte sagen, es bestehe die Gefahr, dass Knochen und Knorpel Schaden nehmen. Und das will ich nicht riskieren. Ich will noch zehn oder 15 Jahre Tischtennis spielen, nicht nur noch ein Jahr“ Deshalb habe er mit seinen Ärzten vereinbart, so lange zu pausieren, wie es nötig ist.

Kein Ende in Sicht?

Wie lange das sein wird, ist derzeit noch unklar. Behandeln könne man das Ganze nicht, erzählt Franziska, daher sei in erster Linie Schonung und Geduld gefragt. „Ende Februar habe ich noch mal einen MRT-Termin. Dann werden wir sehen. Vielleicht kann ich Anfang März wieder mit dem Training beginnen“, hofft er. Druck mache er sich aber bewusst keinen. „Dann ist die Enttäuschung nur umso größer, wenn es doch länger dauert. Ich lasse alles auf mich zukommen und versuche, das Beste daraus zu machen.“

Die ungewohnte Freizeit während seiner Verletzungspause nutzt der Doppel-Europameister für Trainingseinheiten im Kraftraum – und für Dinge, für die im Profi-Alltag sonst nur wenig Zeit bleibt. „Ich lese viel und verbringe Zeit mit Freunden und mit meiner Freundin.“ Abgelenkt habe ihn außerdem ein neues Projekt: Gemeinsam mit Ernährungs- und Fitnessexperten hat Franziska auf www.spinfit.de einen Ernährungskonfigurator für Spitzen- und Hobbysportler entwickelt. Auch für solche Dinge bleibe sonst kaum Zeit, sagt er. Er macht eben das Beste daraus.