„GLAUBTE AN EINEN SCHERZ“: BOLL NEUE NUMMER EINS



Mit fast 37 Jahren klettert Timo Boll im März wieder an die Spitze der Tischtennis-Weltrangliste. Bei aller Kritik am neuen Berechnungssystem des Weltverbands ITTF könne er eine gewisse Freude nicht verhehlen, so Deutschlands Ausnahmespieler in einer ersten Reaktion. Als nun älteste Nummer eins aller Zeiten löst Boll Schwedens Tischtennislegende Jan-Ove Waldner ab.

Timo Boll

Mit fast 37 wieder ganz oben: Timo Boll (Foto: ITTF)

Mehr als 15 Jahre nach seinem ersten Sprung auf den internationalen Tischtennisthron ist Timo Boll im März wieder die Nummer eins der ITTF-Weltrangliste. Das neue Ranking veröffentlichte der Weltverband am heutigen Dienstag. Der 36-Jährige, der in neun Tagen Geburtstag feiert, löst damit seinen Nationalmannschaftskollegen Dimitrij Ovtcharov ab, der diese Position in den vergangenen zwei Monaten zum ersten Mal in seiner Karriere innehatte. Am 1. März überholt Boll zudem im Alter von 36 Jahren, 11 Monaten und 21 Tagen Jan-Ove Waldner als ältesten Weltranglisten-Ersten. Der Schwede hielt diese Bestmarke mit 31 Jahren, 11 Monaten und 28 Tagen seit Oktober 1997. Zuletzt hatte Boll das Ranking von Januar bis März 2011 angeführt.

„Als Dima (Ovtcharov) vor wenigen Tagen zu mir kam und meinte, ich sei im März wieder die Nummer 1 der Weltrangliste, glaubte ich zunächst an einen Scherz“, so Boll in einer ersten Reaktion. „Aber er kennt sich mit diesen Statistiken perfekt aus. Nun hat der Computer tatsächlich dieses Ergebnis ausgespuckt und ich möchte eine gewisse Freude nicht verhehlen.“ Ausschlaggebend für Bolls Sprung an die Spitze war sein Erfolg beim europäischen Ranglistenturnier Europe Top 16, wo er im Finale Ovtcharov bezwingen konnte. Turniersiege wie dieser fallen im neuen Berechnungssystem der ITTF, das seit 2018 Anwendung findet, besonders ins Gewicht, weshalb weder Ovtcharov noch der Chinese Fan Zhendong an Boll vorbeiziehen konnten. Beide hatten im Gegensatz zu Boll beim Team World Cup in London am Tisch gestanden und finden sich nun auf den Plätzen zwei (Fan) und drei (Ovtcharov) wieder.

Boll kritisch

Trotz aller Freude äußert Boll jedoch auch Kritik: „Ich habe schon zu Jahresbeginn meine Meinung zum neuen Weltranglisten-System deutlich gemacht. An dieser Meinung ändert sich natürlich nichts, auch wenn nun ich ganz oben stehe“, so Düsseldorfs Spitzenspieler. „Ich glaube weiterhin, dass Ma Long, Fan Zhendong oder Dimitrij Ovtcharov die Besten sind, auch wenn der Computer etwas anderes meint.“

Hinter Boll bleibt Ochsenhausens Nummer eins Simon Gauzy auch im März zweitbester Spieler der Tischtennis Bundesliga (TTBL) im ITTF-Ranking. Der Franzose zieht an Olympiasieger Ma Long vorbei und wird nun auf Position acht geführt. Einen Platz nach oben ging es auch für Gauzys Teamkollegen Hugo Calderano (15.), Bremens Omar Assar (16.) und Fuldas Abwehr-Ass Ruwen Filus (19.). Bremens Spitzenspieler Bastian Steger sprang gar von Rang 33 auf 21, Saarbrückens Patrick Franziska von 38 auf 30.

Die komplette Weltrangliste finden Sie auf den Seiten der Weltverbands ITTF (engl.).

Die Top 10 in der Übersicht

1 (3) Timo Boll
2 (2) Fan Zhendong CHN
3 (1) Dimitrij Ovtcharov
4 (4) Lin Gaoyuan CHN
5 (5) Xu Xin CHN
6 (7) Wong Chun Ting HKG
7 (6) Koki Niwa JPN
8 (9) Simon Gauzy FRA
9 (7) Ma Long CHN
10 (10) Kenta Matsudaira JPN

Beitragsbild oben: BeLa Sportfoto