NEU IN DER TTBL: HAO SHUAI, DER ALTMEISTER



Mit Hao Shuai hat der TTC Neu-Ulm einen großen Namen an Land gezogen. Der fünfmalige WM-Teilnehmer wird den Neuling im Saisonverlauf der Tischtennis Bundesliga (TTBL) mehrfach unterstützen. Wir widmen dem 35 Jahre alten Chinesen den achten Teil unserer Serie „Neu in der TTBL“.

Hao Shuai und Ma Lin

Mit Ma Lin holte Hao Shuai 2013 WM-Silber. (Foto: ITTF)

Der Name Hao Shuai wird wohl auf ewig mit einem der größten Comebacks der Tischtennis-Geschichte verbunden bleiben – allerdings war der damals 21 Jahre alte Chinese derjenige, der an diesem Tag im Frühjahr 2005 als Verlierer vom Platz ging. 11:5, 11:8, 11:6, 10:7 führte Hao im Viertelfinale der Heim-WM in Shanghai bereits gegen Michael Maze, ehe er das vermeintlich schon entschiedene Duell doch noch aus der Hand gab. 3:4. Am Ende jubelte der Däne, dessen Ballonabwehr sich als überraschend effektives Mittel erwies. Die zu diesem Zeitpunkt steil nach oben zeigende Karriere Haos hatte den ersten ernsthaften Knick erlitten.

Heute, 14 Jahre später, kann Hao dennoch auf eine beachtliche Laufbahn und zahlreiche Erfolge zurückblicken, wenngleich ihm der ganz große Coup nie geglückt ist. Fünfmal nahm der inzwischen 35-Jährige an Weltmeisterschaften teil, dabei gab es zweimal Silber, 2011 im Mixed mit Mu Zi und 2013 im Doppel mit Ma Lin, zudem 2009 jeweils Bronze im Doppel (mit Zhang Jike) und im Mixed (mit Chang Chenchen). Im Einzel hingegen kam Hao nie weiter als ins Viertelfinale. Auf der World Tour der ITTF, die damals noch Pro Tour hieß, holte er viermal Gold im Einzel und zahlreiche weitere Titel im Doppel. Erfolge feierte Hao darüber hinaus mit dem chinesischen Nationalteam, darunter Gold beim World Team Cup 2010.

Kampf um den Anschluss an die Topspieler

Dabei hätte Hao wohl auch das Potenzial zu einer deutlich größeren internationalen Karriere gehabt. Im an talentierten Spielern so reichen China fehlten ihm allerdings einerseits das Glück und andererseits die Erfolge in den entscheidenden Spielen. Lange haftete ihm die Niederlage gegen Maze an, ebenso der Umstand, dass er auch bei seinem zweiten WM-Anlauf im Viertelfinale scheiterte. 0:4 unterlag Hao 2007 gegen Wang Liqin. Andere, jüngere Spieler erhielten international bald den Vorzug, Ma Long etwa, Yan An und Zhang Jike. Zwar kämpfte Hao um den Anschluss an die Riege der Topspieler und ließ vor allem mit starken Leistungen in der Super League aufhorchen. Die Tür zurück auf das ganz große Parkett öffnete sich allerdings nur noch selten.

„Ich habe mich nie beschwert oder habe bereut, mich für Tischtennis entschieden zu haben. Der Sport hat mir sehr viele Dinge gegeben“, wurde Hao vor einigen Jahren von tabletennista.com zitiert. Was genau? „Tischtennis hat mir einen Sinn für Verantwortung gegeben und eine Mission. Es hat mir einen bestimmten Kampfeswillen gegeben, den andere Personen vielleicht nicht verstehen können.“

Verhandlung über Anzahl und Zeitpunkt der Einsätze

Zu sehen sein wird dieser Kampfeswille Haos in der kommenden Saison in der TTBL. Wie oft genau, bleibt abzuwarten. Der Verein befinde sich derzeit in Verhandlungen mit dem 35-Jährigen über Anzahl und Zeitpunkt seiner Einsätze, verrät Teammanagerin Nadine Berti. Vier, fünf sollen es nach Wunsch der Neu-Ulmer Verantwortlichen mindestens sein. Beim TTBL-Neuling ist Hao einer von vier Nicht-EU-Ausländern im Kader. Einen Großteil der Spiele wird voraussichtlich der Brasilianer Gustavo Tsuboi machen. Die weiteren werden sich die Chinesen Hao Shuai und Cui Qinglei aufteilen sowie möglicherweise An Jaehyun, bei dem allerdings noch die Freigabe durch den südkoreanischen Verband aussteht.

Eine allzu hochtrabende Erwartungshaltung an den prominenten Chinesen möchte Berti vermeiden. „Wir müssen erst mal abwarten, wie gut er sich in der Liga zurechtfindet“, sagt sie. Zwar solle er auch mal in einem der Spiele gegen die Topteams der Liga antreten, ergänzt die Managerin, denkbar seien aber auch Einsätze gegen vermeintlich schwächere Teams, um dem TTC die nötigen Punkte für den angestrebten Mittelfeldplatz zu sichern.

Das Potenzial, auch in der TTBL zu überzeugen, hat Hao Shuai ganz gewiss.

 

Hao Shuai gegen Michael Maze bei der WM 2005

 

Die bislang erschienenen Artikel unserer Serie "Neu in der TTBL"

Teil 1: Mattias Falck, der WM-Held

Teil 2: Alberto Miño, der Microtenista

Teil 3: Kanak Jha, der US-Hoffnungsträger

Teil 4: Cristian Pletea, der nächste FCS-Youngster

Teil 5: Ewout Oostwouder, der Rückkehrer

Teil 6: Abdel-Kader Salifou, der Doppelspezialist

Teil 7: Shang Kun, der zweite Leader

 

Beitragsfoto oben: ITTF