PFEIFFER: „ALLE MÜSSEN GAS GEBEN UND SICH BEWEISEN“



Nach der Meisterschaft in Liga zwei mit dem 1. FSV Mainz 05 wagt sich Chris Pfeiffer an seine erste Saison als Trainer in der Tischtennis Bundesliga (TTBL). Am heutigen Samstag startet der 31-Jährige mit dem TTC Zugbrücke Grenzau beim TSV Bad Königshofen in die Saison. Vor dem Debüt haben wir uns mit dem Westerwälder über seine junge Mannschaft, den Standort Grenzau und den Sprung von der zweiten in die erste Liga unterhalten.

Chris Pfeiffer

Chris Pfeiffer startet in sein erstes Jahr in der TTBL.

Herr Pfeiffer, als Sie im Frühjahr den Anruf aus Grenzau bekommen haben, was war Ihr erster Gedanke?

Chris Pfeiffer: Zunächst mal musste ich überlegen, ob ich Mainz überhaupt verlassen kann. Der Titel in Liga zwei hat dann den Ausschlag gegeben, denn noch besser hätte es ja nicht laufen können. Ich habe mich dann zwei-, dreimal mit den Grenzauer Verantwortlichen getroffen, aber es war schnell klar, dass ich den Job machen werde. Denn Grenzau ist für mich Heimat. Hier meinen ersten Posten in der TTBL anzutreten – besser hätte es nicht passen können.

Vom Heimataspekt einmal abgesehen: Wo sehen Sie die größten Vorteile an dem Standort?

Pfeiffer: Grenzau ist eine sehr, sehr gute Adresse für Sportler. Die Rahmenbedingungen sind perfekt hier. Es ist alles vorhanden, was man braucht, um Leistungssport auf hohem Niveau zu betreiben. Als Trainer bin ich zudem froh, dass ich eine extrem hungrige, extrem willige Mannschaft vorfinde. Alle Spieler sind motiviert und legen ihren Fokus voll und ganz auf den Sport. Mihai Bobocica ist mit seinen 32 Jahren der Leitwolf. Dahinter haben wir drei junge Wilde, die heiß darauf sind, sich in der TTBL zu beweisen.

Mit Ihnen wechselt auch Kanak Jha von Mainz nach Grenzau. War er Ihr Wunschspieler?

Pfeiffer: Kanak trainiert ja schon länger in Grenzau. Als ich ihn damals das erste Mal gesehen habe, spielte er noch für den TTC Ruhrstadt Herne in der dritten Liga. Ich habe sofort gesehen, dass er den Tischtennis-Sport unglaublich liebt, dass er gerne und hart trainiert. Nach einem Blick auf seine Bilanz in der dritten Liga habe ich dann alles dafür gegeben, dass er nach Mainz kommt. Zum Glück mit Erfolg. Er war ein sehr wichtiger Faktor für den Titel.

Der 19-Jährige gilt als Ausnahmetalent. Was trauen Sie ihm in seiner ersten TTBL-Saison zu?

Pfeiffer: Erst mal erwarte ich vor allem, dass er so hart weiterarbeitet wie bisher. Alles Weitere wird sich zeigen. Ich glaube fest daran, dass er eine gute Rolle spielen kann, will ihm aber keinen Druck machen. Kanak wird seine Chance bekommen, sich in der Bundesliga zu beweisen. Das gilt im Übrigen auch für alle anderen Spieler. Alle vier sind vom Niveau her sehr nah beieinander. Entsprechend sind bei der Aufstellung viele Varianten denkbar. Alle müssen Gas geben und sich beweisen.

Kanak Jha

"Ich glaube fest, dass er eine gute Rolle spielen kann, will ihm aber keinen Druck machen": Kanak Jha gilt als Ausnahmetalent. (Foto: ITTF)

Wie groß ist denn der Schritt von der zweiten Liga in die TTBL?

Pfeiffer: Grundsätzlich glaube ich, dass die Entwicklung in der zweiten Liga sehr positiv ist. In den vergangenen Jahren ist sie immer stärker geworden, zahlreiche internationale Profis spielen dort. Aber der Sprung in die Bundesliga ist trotzdem ein großer, schließlich ist es die Top-Liga in Europa. Hier müssen die Spieler jedes Wochenende eine Spitzenleistung abrufen, um zu bestehen. Außerdem ist die Drucksituation eine andere.

Neben Kanak Jha kennen Sie auch Anders Lind aus gemeinsamen Mainzer Zeiten. Wie sehen Sie seine Entwicklung?

Pfeiffer: Er hat die Entwicklung genommen, die ich mir von ihm erhofft hatte. Er bringt als Spieler unheimlich viele Dinge mit, die man nicht lernen kann. Zudem hat er an seinen Schwachstellen gearbeitet, etwa im Bereich der Trainingsdisziplin. Sein ganz großer Durchbruch ist nur noch eine Frage der Zeit.

Das dritte Talent in Ihrem Team ist Ioannis Sgouropoulos. Wie ist Ihr erster Eindruck von ihm?

Pfeiffer: Ioannis ist ein sehr interessanter Spieler. Er hat mehrfach bei der Jugend-EM und im Bereich der U21 gezeigt, dass er sehr viel Potenzial besitzt. Nun ist er nach Deutschland gekommen, um den letzten Schritt zu einer Profi-Karriere zu machen. Außerdem ist sein Spiel sehr ansehnlich, da wird den Zuschauern richtig etwas geboten, was bei einem Traditionsverein wie Grenzau ja auch nicht ganz unwichtig ist. Er wird erst mal etwas Zeit brauchen, um sich einzugewöhnen, aber dann seine Leistung bringen.

Wie muss Ihre Premierensaison laufen, damit Sie im Frühjahr zufrieden zurückblicken?

Pfeiffer: Ziel ist ein Nicht-Abstiegsplatz. Wir blicken insofern nur auf Platz zehn. Wenn sich die Jungs darüber hinaus gut entwickelt und eine gute Leistung gezeigt haben, kann ich im Frühjahr zufrieden auf mein erstes TTBL-Jahr zurückblicken.

Herr Pfeiffer, vielen Dank für das Gespräch.

 

Beitragsfoto oben: Henning Braun