SAARBRÜCKEN SETZT AUSRUFEZEICHEN ZUM AUFTAKT



Mit einem Ausrufezeichen im Titelkampf ist am Samstagabend die Tischtennis Bundesliga (TTBL) in die Saison 2019/20 gestartet. In der Neuauflage des Vorjahresfinals setzte sich der 1. FC Saarbrücken TT mit 3:0 bei den TTF Liebherr Ochsenhausen durch und revanchierte sich damit für die Niederlage im Mai. Einen Krimi gab es zwischen dem ASV Grünwettersbach und TTBL-Debütant TTC Neu-Ulm, mit dem besseren Ende für die Badener. Borussia Düsseldorf setzte sich dank Timo Boll mit 3:1 gegen den Post SV Mühlhausen durch, der TSV Bad Königshofen fertigte den TTC Zugbrücke Grenzau mit 3:0 ab.

Hugo Calderano

Überraschend unterlag Hugo Calderano gegen Tomas Polansky. (Foto: BeLa Sportfoto)

Die erste Überraschung in Ochsenhausen hatte es bei der Aufstellung gegeben: Denn während der Titelverteidiger mit Hugo Calderano, Simon Gauzy und Stefan Fegerl in erwarteter Reihenfolge ins Rennen ging, startete Saarbrücken mit Patrick Franziska, Tomas Polansky und Shang Kun. Das erste Einzel des Abends bestritten folglich Calderano und Polansky – Weltranglistenplatz 6 gegen 225. Doch der junge Tscheche rechtfertigte rasch die Aufstellung durch FCS-Trainer Slobodan Grujic: 12:10 und 11:9 setzte er sich in den beiden ersten Sätzen durch und erwischte Calderano damit eiskalt. Der Brasilianer minderte seine Fehlerquote erst im Laufe des dritten Satzes und glich mit 12:10 und 11:9 aus. Der fünfte Satz aber gehörte wiederum Polansky, 11:8 zum 3:2-Sieg.

Anschließend folgte ein Einzel, das es bereits beim Liebherr TTBL-Finale 2018/19 gegeben hatte: Simon Gauzy gegen Patrick Franziska. Wie im Mai war es erneut eine enge Angelegenheit, doch dieses Mal mit dem besseren Ende für den Saarbrücker. Franziska, der seine Top-Form im Laufe des Sommers mit Siegen gegen Liang Jingkun und Fan Zhendong unter Beweis gestellt hatte, setzte sich nach 1:2-Rückstand mit 3:2 durch zur Saarbrücker 2:0-Führung. Im dritten Einzel trat Shang Kun an, dessen erster TTBL-Auftritt mit Spannung erwartet worden war. Und der Chinese zeigte gegen Fegerl, warum die Saarländer so große Erwartungen in ihn haben. Nach einem noch etwas verzagten ersten Satz und einem 8:11 drehte Shang auf und sorgte mit 11:8, 11:7 und 12:10 für den dritten Saarbrücker Punkt– und somit für einen bemerkenswerten Erfolg des deutschen Vizemeisters. „Heute haben wir die knappen Dinger gewonnen“, jubelte Franziska mit Blick auf das Finale des Vorjahres. FCS-Trainer Grujic meinte: „Man hat gesehen, dass es ein Spiel ist, bei dem von 0:3 bis 3:0 alles möglich ist. Es geht um Details, es geht um Tagesform. Aber es war nur das erste Spiel. Die Saison ist sehr lang, erst am Ende wird abgerechnet.“

Timo Boll

Timo Boll war Düsseldorfs Sieggarant gegen Mühlhausen. (Foto: BeLa Sportfoto)

Düsseldorf siegt dank Boll, Neu-Ulm zahlt Lehrgeld

Ebenfalls mit einem Erfolg gestartet ist Borussia Düsseldorf. Der Rekordmeister konnte sich gegen den Post SV Mühlhausen einmal mehr auf Timo Boll verlassen: Zunächst setzte sich der 38-Jährige mit 3:1 gegen Lubomir Jancarik durch, ehe er im vierten Einzel des Tages mit 3:2 auch Steffen Mengel schlug und damit den 3:1-Auftaktsieg der Borussia eintütete. Die Thüringer aber verkauften sich teuer: Mengel fertigte Ricardo Walther mit 3:0 ab und hatte auch gegen Boll die Sensation auf dem Schläger, ehe ihn eine Verletzung am Daumen ausbremste; Daniel Habesohn verpasste beim 2:3 gegen Anton Källberg nur knapp die mögliche Mühlhäuser Führung. „Es war ein ganz knappes Spiel“, blickte Källberg auf seinen Erfolg gegen Habesohn und sprach von „einem großen Kampf“. Post-Trainer Erik Schreyer äußerte „Riesenrespekt“ vor dem 22 Jahre alten Schweden, da dieser im Entscheidungssatz die Nerven bewahrt hatte, und ergänzte: „Ich hätte mir das Abschlussdoppel gewünscht, aber leider kam es nicht dazu. Gratulation an Düsseldorf.“

Erwartet eng ging es zwischen dem ASV Grünwettersbach und Debütant TTC Neu-Ulm zu. Die Badener schienen nach den Erfolgen von Wang Xi (3:1 gegen Abdel-Kader Salifou) und Dang Qiu (3:1 gegen Tiago Apolonia) einem sicheren Auftaktsieg entgegenzustreben, dann jedoch sorgten die TTBL-Routiniers für den Ausgleich. Zunächst setzte sich Gustavo Tsuboi mit 3:2 gegen Sathiyan Gnanasekaran durch, anschließend bezwang Apolonia ebenfalls mit 3:2 Wang. Das erste Doppel der neuen Spielzeit also musste her. Dang Qiu/Tobias Rasmussen hatten letztlich die stärkeren Nerven, über fünf Sätze zwangen sie Abdel-Kader Salifou/Gustavo Tsuboi mit 3:2 in die Knie. Nichtsdestotrotz hat der TTC Neu-Ulm damit bewiesen, in der Liga mithalten zu können – und das bereits ohne Hao Shuai, Cui Qinglei und An Jaeyhun, die den TTBL-Debütanten im Saisonverlauf mehrfach verstärken sollen. „Es war ein tolles Spiel. Wir sind natürlich traurig, dass wir nicht gewonnen haben“, sagte Apolonia, aber: „Wir sind ein neuer Verein und kennen uns noch nicht so gut, aber wir haben unser Bestes gegeben. Jetzt haben wir eine Woche, uns auf das nächste Spiel vorzubereiten. Ich bin mir sicher: Wir werden besser und besser.“ Grünwettersbach hingegen hat einen ersten Schritt in Richtung des angestrebten Mittelfeldplatzes getan. „Das war Werbung für den Sport“, meinte Dang Qiu.

9:0 Sätze – Bad Königshofen fertigt Grenzau ab

Eine klare Angelegenheit war dagegen das Duell zwischen dem TSV Bad Königshofen und dem TTC Zugbrücke Grenzau. 3:0 setzten sich die Unterfranken durch und wahrten damit ihre weiße Weste gegen die Westerwälder: Alle Spiele seit dem Aufstieg 2017 wurden gewonnen. „Es war der optimale Auftakt für uns“, sagte Bastian Steger nach der Partie. Zuvor war der Neuzugang zum erhofften Punktelieferanten geworden: Nur in den ersten Ballwechseln hatte Steger gegen Mihai Bobocica leichte Probleme, letztlich setzte er sich 3:0 (11:9, 11:5, 11:8) durch. „Ich muss zugeben, dass ich am Anfang ein bisschen nervös war. Aber das hat sich ziemlich schnell gelegt, die Fans haben uns toll unterstützt, sodass es nach wenigen Ballwechseln kein Problem mehr war“, sagte der 38-Jährige.

Mizuki Oikawa

Mizuki Oikawa und der TSV Bad Königshofen schlugen Grenzau 3:0. (Foto: Friedrich Haubner)

Das gleiche Ergebnis gab es zwischen Kilian Ort und Kanak Jha. Rasch führte der 23-Jährige vom TSV Bad Königshofen im ersten Satz 9:2, dann ließ TTBL-Debütant Jha sein großes Talent aufblitzen und ging seinerseits mit 11:10 in Führung. Die stärkeren Nerven aber hatte Ort: Er wehrte den Satzball ab und ließ auf ein 13:11 im ersten ein 11:5 und ein 11:7 in den weiteren Sätzen folgen. Im dritten Einzel steuerte Mizuki Oikawa das dritte 3:0 des Abends zum 3:0-Endstand für Bad Königshofen bei gegen den anderen Grenzauer Neuen, Ioannis Sgouropoulos. „Grenzau hat eine junge, gefährliche Mannschaft“, bilanzierte Ort. „Aber ich denke, heute hat man gesehen, dass der eine oder andere sein erstes Bundesliga-Spiel gemacht hat und wir einen gewissen Erfahrungsvorsprung hatten.“

Komplettiert wird der erste Spieltag der neuen Saison durch zwei Sonntagspaarungen: Der SV Werder Bremen empfängt den TTC indeland Jülich, und der TTC Schwalbe Bergneustadt erwartet den TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell. Um 15 geht’s los, natürlich live und in HD im TTBL-TV.

 

Der 1. Spieltag in der Übersicht

TTF Liebherr Ochsenhausen – 1. FC Saarbrücken TT 0:3

Hugo Calderano – Tomas Polansky 2:3 (10:12, 9:11, 12:10, 11:9, 8:11)

Simon Gauzy – Patrick Franziska 2:3 (9:11, 11:6, 11:9, 6:11, 8:11)

Stefan Fegerl – Shang Kun 1:3 (11:8, 8:11, 7:11, 10:12)

Borussia Düsseldorf – Post SV Mühlhausen 3:1

Timo Boll – Lubomir Jancarik 3:1 (11:4, 11:9, 9:11, 11:9)

Ricardo Walther – Steffen Mengel 0:3 (8:11, 8:11, 9:11)

Anton Källberg – Daniel Habesohn 3:2 (11:13, 11:8, 8:11, 11:2, 11:7)

Timo Boll – Steffen Mengel 3:2 (6:11, 11:4, 10:12, 11:7, 11:6)

ASV Grünwettersbach – TTC Neu-Ulm 3:2

Wang Xi – Abdel-Kader Salifou 3:1 (11:9, 11:4, 7:11, 11:6)

Dang Qiu – Tiago Apolonia 3:1 (12:14, 15:13, 11:8, 12:10)

Sathiyan Gnanasekaran – Gustavo Tsuboi 2:3 (11:9, 7:11, 8:11, 11:8, 6:11, 6:11)

Wang Xi – Tiago Apolonia 2:3 (11:9, 10:12, 3:11, 17:15, 6:11)

Dang Qiu/Tobias Rasmussen – Abdel-Kader Salifou/Gustavo Tsuboi 3:2 (12:10, 11:6, 5:11, 8:11, 11:8)

TSV Bad Königshofen – TTC Zugbrücke Grenzau 3:0

Bastian Steger – Mihai Bobocica 3:0 (11:9, 11:5, 11:8)

Kilian Ort – Kanak Jha 3:0 (13:11, 11:5, 11:7)

Mizuki Oikawa – Ioannis Sgouropoulos 3:0 (11:5, 14:12, 11:2)

Sonntag, 18. August, 15 Uhr

SV Werder Bremen – TTC indeland Jülich

TTC Schwalbe Bergneustadt – TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell

 

Beitragsfoto oben: BeLa Sportfoto