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Geschichte der Bundesliga

  • 1966/67 bis 1975/76
  • 1976/77 bis 1985/86
  • 1986/87 bis 1995/96
  • 1996/97 bis 2004/05

Das erste Jahrzehnt: 1966/1967 bis 1975/1976

Das Jahr 1966 gab den Startschuss für die Tischtennis Bundesliga. Der erste Deutsche Meister, TuSa Düsseldorf, feierte letzendlich den Titelgewinn. Doch wie ging es weiter?

In der Saison 1967/68 trat die Liga erstmals mit zehn Teams an. In der Aufstiegsrunde hatten sich der PSV Borussia Düsseldorf, Tennis Borussia Berlin und Eintracht Frankfurt durchsetzen können und rangen nunmehr im Oberhaus zusammen mit den etablierten TuSa Düsseldorf, Moltkeplatz Essen, VfL Osnabrück, TTC Mörfelden, Post SV Augsburg, 1.FC Saarbrücken und SSV Reutlingen um den Titel des Deutschen Meisters. Es entwickelte sich ein packendes Rennen zwischen Essen, den beiden Düsseldorfer Klubs und Altmeister Osnabrück, wobei sich die Niedersachsen, die nach der ersten Halbserie nur hauchdünn die Nase vorn hatten, im Lauf der Runde immer mehr steigerten und sich in der Rückrunde ein wenig absetzen konnten. Am vorletzten Spieltag machte Osnabrück in einem wahren Krimi vor heimischer Kulisse – 1.200 Besucher bedeuteten einen neuen Bundesligarekord – gegen Titelverteidiger TuSa Düsseldorf mit einem 9:7 alles klar, das auch der auf Gästeseite überragende Eberhard Schöler nicht verhindern konnte. Der zweite Deutsche Bundesliga-Meister errang den Titel mit Hans Micheiloff, Bernt Jansen, Ernst und Herbert Gomolla, Reinhard Michel, Dieter Lippelt und Kalle Dependahl.

 

Rekordkulisse              Borussia Duesseldorf              Deutscher Meister 67-68

 

Auch in der Saison 1968/69 kämpfte das gleiche Quartett Borussia und TuSa Düsseldorf, Essen und Osnabrück in der Spitzengruppe um Meisterehren. Diesmal freilich machten die Düsseldorfer Borussen das Rennen und gaben Moltkeplatz Essen, das sich einmal mehr mit dem undankbaren zweiten Rang begnügen musste, am letzten Spieltag mit 9:7 das Nachsehen. Garant für den Meistertitel war der frischgebackene Vizeweltmeister Eberhard Schöler – im April hatte er jenes denkwürdige Finale von München gegen den Japaner Shigeo Itoh verloren –, der für die Borussia im vorderen Paarkreuz eine Traumbilanz von 31:2 einfuhr, gefolgt von Bernt Jansen und dem Essener Blockspezialisten Wilfried Lieck. Erfolgreichster Akteur des hinteren Paarkreuzes wurde Schölers Teamkamerad Hans Wilhelm Gäb, heute Ehrenpräsident des DTTB und Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Sporthilfe. Das Zuschauerinteresse war unterdessen gewachsen. So stiegen die Gesamtbesucherzahlen gegenüber der Vorsaison von 13.045 auf 15.865, wobei der TTV Metelen mit insgesamt 2.730 Tischtennisfans, also über 300 pro Heimspiel, an der Spitze dieser Statistik rangierte. Absteigen mussten der TTC Mörfelden und Weißblau München. Sie wurden abgelöst durch die Aufsteiger TGS Rödelheim und Mettmanner TV.

 

In der darauffolgenden Saison 1969/70 präsentierten sich die Düsseldorfer Borussen, nunmehr verstärkt durch Wilfried Lieck, noch souveräner und sicherten sich den Titel verlustpunktfrei in der Besetzung Schöler, Lieck, Micke, Hübner, Reuland, Graef. 29:4 und 26:2 lautete die fantastische Gesamtbilanz des vorderen Paarkreuzes mit Schöler und Lieck, allerdings waren der Augsburger Neß sowie der Osnabrücker Jansen mit 32:4 beziehungsweise 31:4 noch einen Tick erfolgreicher. Vizemeister wurde mit neun Minuspunkten der VfL Osnabrück, gefolgt von TuSa Düsseldorf und Eintracht Frankfurt. Der hessische Aufsteiger aus Rödelheim packte im Zielfinish den Klassenerhalt und verdammte – nicht ganz frei von Tragik – den traditionsreichen, mehrmaligen Vizemeister Moltkeplatz Essen zum bitteren Gang in die Oberliga. Auch der SSV Reutlingen musste als Tabellenletzter die Liga vorerst verlassen. Den Aufstieg schafften erneut Weißblau München sowie erstmals auch der Meidericher TTC.

 

Fast ein wenig Langeweile kam – zumindest ganz oben – in der Spielzeit 1970/71 auf, da die die Liga nach Belieben dominierenden Düsseldorfer Borussen erneut das Kunststück fertigbrachten, ohne jeden Minuspunkt zu Meisterehren zu gelangen.

 

Die Plätze 2 bis 4 gingen an Aufsteiger Meiderich sowie Frankfurt und Mettmann. Hauchdünn scheiterte München erneut und wurde von Augsburg auf den unglückseligen vorletzten Platz verwiesen, während die mittlerweile personell ausgedünnte ehemalige Spitzenmannschaft TuSa Düsseldorf mit lediglich einem Zähler aus 18 Partien das Tabellenende zierte. Mit einer 30:5-Bilanz im vorderen Paarkreuz wurde erstmals der Frankfurter Klaus Schmittinger zum erfolgreichsten Bundesligaspieler. Ein Zuschauerrückgang auf insgesamt 10.220, im Schnitt also nur noch 113 pro Spiel, beunruhigte ein wenig. Allerdings hatten alleine 960 Tischtennisfreunde das Spitzenspiel des zweiten Rückrundenspieltags zwischen dem Meidericher TTC und Borussia Düsseldorf live erlebt, das die unbezwingbaren Borussen im Schongang mit 9:1 nach Hause gebracht hatten. Das erstmals „an einem Stück“ in Darmstadt ausgetragene Aufstiegsturnier entschieden übrigens Hertha BSC Berlin und Altbundesligist TTC Mörfelden gegen die nicht minder namhaften Konkurrenten TSV Milbertshofen und Moltkeplatz Essen für sich.

 

1971/72 kam es zur ersehnten Wende in der Titelvergabe, der Mettmanner TTV setzte sich knapp vor Meiderich und schon etwas deutlicher vor dem Titelverteidiger aus der Landeshauptstadt durch und nahm die Wachablösung vor, die nötig war, um die Bundesliga nicht zu monoton werden zu lassen. Die leistungsmäßige Dominanz der WTTV-Teams stach ins Auge. Keine Rettung gab es für Altmeister Osnabrück und Augsburg, das nicht einen Zähler zu erringen vermochte. Im Spitzenpaarkreuz dominierte der Mettmanner Leiß, gefolgt von dem Frankfurter Schmittinger. Im mittleren Paarkreuz erspielte sich etwas überraschend der junge Rödelheimer Wilfried Warnke mit 29:5 die Spitzenposition. Zuschauermäßig ging es wieder bergauf, 16.975 Besucher insgesamt, davon 3.300 in Mettmann, dokumentieren dies. Aufsteiger waren TuS Nachrodt, der dann in Liga 1 zunächst unter dem Namen TTG Altena- Nachrodt antrat, und TSV Milbertshofen.

 

In der folgenden Saison 1972/73 hieß der Titelfavorit wieder Borussia Düsseldorf, die es geschafft hatten, mit Jochen Leiß einen der stärksten deutschen Spieler vom benachbarten Titelverteidiger Mettmann „loszueisen“. Nur wenige hatten den Aufsteiger aus Altena auf der Rechnung, obwohl dort mittlerweile Wilfried Lieck angeheuert hatte. Doch der Klassenneuling machte das Rennen und verwies Meiderich, Frankfurt und die enttäuschten Düsseldorfer auf die Plätze. Milbertshofen musste dagegen mit Abstiegsrang 9 vorliebnehmen und für Schlußlicht Metelen gingen ebenfalls die Lichter im Oberhaus aus. Bester Spieler wurde Wilfried Lieck vom neuen Deutschen Meister, der eine Bilanz von 29:4 vorne erzielte. Zuschauerkrösus waren in dieser Saison die Hessen aus Mörfelden, die durchschnittlich 350 Besucher je Heimspiel begrüßen durften. Den Aufstieg schafften der 1. FC Saarbrücken sowie die FTG Frankfurt mit dem späteren Bundestrainer Istvan Korpa und dem späteren Trainer Timo Bolls, Helmut Hampl.

 

Borussia Duesseldorf               Hajo Nolten              Ralf Wosik

 

1973/74 freilich standen am Ende wieder einmal die Borussen aus Düsseldorf auf dem Siegertreppchen, die der starken Konkurrenz aus Meiderich, Altena-Nachrodt, Saarbrücken und Frankfurt – FTG und Eintracht – enteilen konnten. Hertha BSC und das personell nur noch mäßig bestückte Mettmann mussten absteigen. Stärkste Spieler der Saison im vorderen Paarkreuz waren Klaus Schmittinger (Eintracht Frankfurt, 28:7), Eberhard Schöler (Düsseldorf, 27:7), Wilfried Lieck (Altena, 26:8), Jochen Leiß (Düsseldorf, 25:8), Istvan Korpa (FTG Frankfurt, 24:12) und Peter Stellwag (Reutlingen, 23:12). Mit 24.175 Zuschauern, durchschnittlich rund 270 pro Partie, wurde eine deutliche Steigerung verzeichnet. Besonders beeindruckten die 8.750 Heimbesucher des SSV Reutlingen – also sensationelle knapp 1.000 pro Spiel. Der TTV Metelen meldete sich als Aufsteiger wieder einmal zurück im Oberhaus, begleitet vom unterfränkischen TTC Remlingen, einem echten Neuling im Spitzentischtennis.

 

Wer glaubte, in der Saison 1974/75 könne sich etwas an der Düsseldorfer Dominanz ändern, war auf dem Holzweg. Entspannt liefen die Borussen mit einem einzigen Minuszähler belastet ins Ziel ein, gefolgt von den klar distanzierten Meiderich, Mörfelden und Altena. Für beide Aufsteiger reichte es nicht zum Klassenverbleib, besonders Metelen blieb chancenlos. Erfreulich weiterhin die Zuschauerresonanz, die Bundesliga-Pressewart Hans Korn in seinem Abschlußbericht (dts 11/75) so skizzierte: „Festzuhalten ist hier vor allem, dass die Zuschauerzahlen weiter gestiegen sind. …. Diesmal waren es sogar 26.785. Natürlich hat dabei der SSV Reutlingen – wie im Vorjahr – die Nase vorn. Er kam allein auf 9.200 Besucher und ist wieder Hochburg.“
Besonders erfolgreich spielte gewohntermaßen Jochen Leiß (31:2 an Brett 1). Mit dem Meidericher Peter Engel führte freilich ein relativ frisches Gesicht die Rangliste des 2. Paarkreuzes an und hinten glänzte erstmalig der junge Düsseldorfer Hajo Nolten, der 29 Partien gewann und nur dreimal den kürzeren zog. Mit dem TSV Milbertshofen und dem VfL Osnabrück schafften zwei alte Bekannte dieRückkehr ins Oberhaus.

 

Eine Wachablösung an der Spitze erfolgte erst wieder 1975/76, als dem mittlerweile als VfB Altena startenden Lieck-Klub der große Wurf gelang. Einen Punkt dahinter musste der Rekordmeister aus Düsseldorf diesmal mit dem undankbaren zweiten Rang vorliebnehmen. Das entscheidende Match zwischen Altena und Düsseldorf (9:7) hatte übrigens noch ein Nachspiel vor der Verbandsgerichtsbarkeit. Die Düsseldorfer legten wegen stark glänzender, spiegelnder Imperial-Tische in der Sauerlandhalle zu Altena Protest gegen die Spielwertung ein, der allerdings von sämtlichen DTTB-Instanzen abgewiesen wurde. Lieck, Stellwag, Leiß und Schmittinger dominierten nicht unerwartet das Spitzenpaarkreuz der Liga, während Hajo Nolten diesmal sogar schon in der Mitte führend war (24:5). Sein Düsseldorfer Mannschaftskamerad Ralf Wosik schnitt mit 21:4 fast ebenso gut ab. Insgesamt rund 6.000 Besucher weniger als in der Vorsaison wurden als Alarmzeichen gewertet. Mit dem traditionsreichen Meidericher TTC zog erstmals ein Verein seine Bundesligamannschaft aus wirtschaftlichen Gründen nach Abschluß der Saison zurück. Davon profitierten die punktgleichen Abstiegskandidaten Milbertshofen und Saarbrücken, deren bereits angesetztes Entscheidungsspiel um den Klassenverbleib hinfällig wurde, während Schlusslicht Osnabrück auch durch derartige „Schützenhilfe“ nicht zu retten war.

 

Gegen Ende unserer ersten Dekade war die Bundesliga fest etabliert und wurde von Spielern, Verbandsfunktionären, Medien und Öffentlichkeit einhellig als die unumstrittene, alternativlose Eliteklasse des deutschen Tischtennissports betrachtet. Längst waren die Kritiker aus der Gründungsära verstummt, da auch sie anerkennen mussten, dass das erste Jahrzehnt Bundesliga einen deutlichen Aufschwung des Tischtennis im nationalen Herrenbereich bewirkt und Deutschland ein gutes Stück näher an die führenden Nationen der Welt herangebracht hatte. Mit nicht weniger als fünf zwischen 1968/69 und 1974/75 erworbenen Meistertiteln darf Borussia Düsseldorf als die deutsche Tischtennishochburg der ersten Bundesligadekade gelten. Auffallend auch die große personelle Kontinuität der Liga während ihres ersten Jahrzehnts. Eine Handvoll Spitzenkönner ihres Fachs wie Eberhard Schöler, Wilfried Lieck, Jochen Leiß oder Klaus Schmittinger beherrschten die erste Dekade fast nach Belieben und prägten diesen Zeitraum nachhaltig.

 

 

 

Das zweite Jahrzehnt: 1976/1977 bis 1985/1986

Mit Deutschen Meistertitel. Das Stellwag-Sextett fing Tabellenführer PSV Borussia Düsseldorf mit 9:5 auf der Zielgeraden ab. „Unsere Spieler haben die Belastung durch die Zuschauerkulisse nicht verkraftet. Solche Besucherzahlen haben wir in Düsseldorf nicht“, kommentierte PSV-Coach Hans Wilhelm Gäb. Für einen neuen Zuschauerrekord von 31.355 (51 Prozent mehr als in der Vorsaison) sorgten neben dem neuen Meister Reutlingen (8950), die Aufsteiger Calw (6750) und Hamm (3600). Absteigen musste der 1. FC Saarbrücken nach vierjähriger Bundesliga-Zugehörigkeit. Das beste vordere Paarkreuz der Liga bildeten die Reutlinger Peter Stellwag (30:2) und Peter Engel (25:5). Titelverteidiger Altena landete abgeschlagen auf dem vierten Platz. Die Lieck-Truppe konnte den Abgang von Rolf Jäger, den es wenige Tage vor Wechselfrist trotz gültigen Vertrages nach Calw zog, nicht verkraften. Apropos Jäger: Mit dem Jägermeister- Hirsch-Logo auf dem Trainingsanzug und der Spitzenmarke des Sponsors im Vereinsnamen legten die Calwer den Grundstein für Sport-Sponsoring einer anderen Dimension. Erregte damals der Magenbitter die sportlichen Gemüter, stellt die Werbung mit dem Stoff heute ein überlebenswichtiges Geschäft dar.

 

Die Jägermeister aus Calw bliesen mit der Verpflichtung von Dragutin Surbek in der Saison 1977/1978 zur Jagd auf Reutlingen, kräftig unterstützt von Aufsteiger „Simex”, das mit Jochen Leiß und Richard Fritz in der Spitze und mit Wodka und Krimsekt im Gepäck nach dem Titel dürstete. Farbe in den Bundesligaalltag brachte aber eine schwarze Perle im Düsseldorfer Trikot. Der Brite Desmond Douglas bewegte sich geschmeidig wie eine Katze am Tisch, blockte wie ein Weltmeister, spielte auf Anhieb eine 24:3-Bilanz und war der Garant für den Düsseldorfer Meistercoup. Calw wurde Vizemeister und Aufsteiger Jülich Dritter. Dem zweiten Aufsteiger Herbornseelbach fehlten vier Punkte am Klassenerhalt. Mit der FTG Frankfurt verabschiedete sich ein weiterer hessischer Bundesligist aus der Eliteklasse.

 

Bad Hamm Zuschauerkrösus 1978/1979

Die Saison 1978/1979 begann mit einem Knaller. Underdog Grün-Weiß Bad Hamm besiegte mit Reutlingen und Calw gleich zwei Mitfavoriten innerhalb von nur zwei Wochen. Am Ende landete das Vatheuer- Team zwar nur auf Platz sieben, rangierte aber in der Zuschauergunst mit durchschnittlich 600 Zuschauern ganz oben. Den Titel verteidigten derweil die Düsseldorfer souverän mit sieben Punkten Vorsprung auf Jülich, das den Düsseldorfern den einzigen Verlustpunkt der gesamten Runde zufügte. Ausgerechnet am letzten Spieltag verlor Desmond Douglas gegen Surbek sein einziges Einzel. Altmeister Eberhard Schöler verabschiedete sich mit einer 21:7-Bilanz im hinteren Paarkreuz für alle Zeiten aus der Bundesliga. Die Aufsteiger Moltkeplatz Essen und der TSV Selk erlitten ein ähnliches Schicksal wie im Vorjahr Herbornseelbach und mussten prompt wieder absteigen. Trotz erheblicher Investitionen sollte die Bundesligakonkurrenz auch in der Saison 1979/80 das Nachsehen haben. Rekordmeister Düsseldorf schaffte mit mannschaftlicher Geschlossenheit, einem gesunden Selbstvertrauen und einer großen Portion Disziplin den Hattrick. Vor der Rekordkulisse von 2400 Zuschauern in der Duisburger Rhein-Ruhr-Halle ließ der Rekordmeister am viertletzten Spieltag Kronprinzen Jülich, das sich mit dem Amerikaner Danny Seemiller verstärkt hatte, wie einen Statisten aussehen. Mit Seemiller stellten die Jülicher zwar den lautstärksten und mit Engelbert Hüging den laufstärksten Spieler, doch nur die oft gescholtenen Leiß und Fritz punkteten für die Herzogstädter, die wiederum Vizemeister wurden.

 

Jägermeister Calw war die große Enttäuschung der Saison. Trotz Spielern wie Surbek, Sefried, Vecko, Heggenberger, Brenner und Turzo landete Calw auf einem Abstiegsplatz und sollte ein Jahr später Konkurs gehen.

 

Desmond Douglas               Engelbert Hueging

 

Über 50.000 Zuschauer

Die Saison 1980/1981 setzte neue Glanzlichter. Die Zuschauerzahl stieg dank Aufsteiger ATSV Saarbrücken auf knapp 50.000. Peter Stellwag rangierte als bester deutscher Spieler auf Position acht. Mit Ulf Carlsson, Stellan Bengtsson (beide Jülich), Ulf Thorsell und Mikael Appelgren (beide Reutlingen) entdeckten die Schweden die Bundesliga. Das schwache Abschneiden der deutschen Akteure entfachte eine heftige Diskussion um die Ausländerregelung. Während sich die Bundesligavereine vehement dagegen aussprachen, nur noch einen Ausländer zuzulassen, hielten Funktionsträger im Deutschen Tischtennis-Bund die Reduzierung für überfällig, um junge Talente an die nationale Spitze heranzuführen. Einiges blieb dagegen beim Alten: Düsseldorf („Ein Vollprofi und fünf Kaufleute“ – Journalist Elmar Schneider im dts) holte den zehnten Meistertitel. Desmond Douglas verlor, außer dem Auftaktspiel gegen den Frankfurter Wang, kein einziges Spiel. Mit dem TTC Mörfelden stieg ein Club der ersten Stunde ab, die Frankfurter Eintracht blieb der Bundesliga trotz massiver Auflösungserscheinungen erhalten. Jülich feuerte Spitzenspieler Bengtsson, der im vorentscheidenden Spiel um die Meisterschaft gegen Düsseldorf wegen einer fiebrigen Erkältung nicht auflief.

 

Mit dem SSV Heinzelmann Reutlingen und dem TTC Simex Jülich mit Weltenbummler Engelbert Hüging trafen am ersten Spieltag der Saison 1981/82 zwei Topmannschaften aufeinander. Nach dem 9:6- Sieg sprach man in Reutlingen von einem neuen Geist. Doch Appelgren und Co schafften nur die Vizemeisterschaft. Der Meister blieb der Alte und hieß zum elften Mal PSV Borussia Düsseldorf. Dass den Mitfavoriten aus Reutlingen, Jülich, Altena und Saarbrücken einmal mehr nur respektvolles Staunen blieb, hat einen einfachen Grund: Im Team stimmt es einfach. Die Spieler sind beruflich oder geschäftlich eng mit dem Verein verbunden. Die Clubführung gewährleistet Stabilität und Planungssicherheit. Die Mannschaft trainiert zusammen und ist sportlich und menschlich gereift. Bundesligatourismus wie beispielsweise in Hamm, wo die eigenen Spieler meist eine längere Anreise haben als die Gäste, ist in Düsseldorf ein Fremdwort. Einbremsen konnte den Rekordmeister Anfang der 80er Jahre nur eine Übermannschaft. Auch wenn der ATSV Saarbrücken mit Peter Engel einen Topspieler ins Saarland holte, für höhere Aufgaben war das Rebmann-Team noch nicht in der Lage. Mit Neuling Esslingen hielt wenigstens ein Aufsteiger die Klasse. Herbornseelbach und die Frankfurter Eintracht mussten ins Gras beißen. Die Saison 1982/83 brachte die von vielen erhoffte Wachablösung im Oberhaus. Der ATSV Saarbrücken errang seinen ersten Meistertitel und durfte sich dafür bei Grün-Weiß Bad Hamm bedanken. Denn dem Vatheuer-Club gelang ein sensationeller 9:5-Sieg in Düsseldorf. Am vorletzten Spieltag feierten die Saarländer mit Georg Böhm und Stellan Bengtsson als neue Führungspersönlichkeiten nach einem dramatischen 9:7-Sieg bei Pokalsieger Jülich die Meisterschaft.

 

Der Saarbrücker Zuschauerschnitt von 1160 war höher als die Gesamtzuschauerzahlen von Esslingen, Altena, Düsseldorf und Stuttgart. Aufsteiger TTC Zugbrücke Grenzau machte mit einem siebten Tabellenplatz erstmals auf sich aufmerksam. Mit Esslingen und den Stuttgarter Kickers gingen gleich zwei schwäbische Clubs baden. Desmond Douglas blieb der ungekrönte Bundesliga-König und hielt Carlsson, Surbek, Appelgren, Lindh und Bengtsson auf Distanz. Nicht glücklich waren die Vereine darüber, dass erstmalig nur noch ein ausländischer Spitzenspieler pro Mannschaft eingesetzt werden durfte. „Bis jetzt konnte mich noch niemand davon überzeugen, dass zwei Ausländer pro Mannschaft zu viel sein sollen. Sicher, es werden nun zehn Deutsche mehr eingesetzt. Die für mich wesentliche Konsequenz der Neuregelung aber ist, dass durchschnittliche Spieler Summen kassieren, über die ich lieber schweigen will“, stand Bundesliga-Sprecher Wilfried Lieck der Neuerung nicht gerade positiv gegenüber.

 

Georg Boehm               Jan Ove Waldner

 

Die Saison 1983/84 war an Spannung kaum mehr zu überbieten. Zwei Spieltage vor Schluss lag Titelverteidiger Saarbrücken drei Punkte vor Düsseldorf und hatte es in der Hand, den zweiten Titel in Folge perfekt zu machen. Doch das Rebmann-Team spielte dann in Reutlingen nur Remis und verlor im St. Ingberter Hexenkessel vor 3500 entfesselten Fans unerwartet gegen Düsseldorf. Stunden vor der Begegnung hatte der ATSV-Manager selbstherrlich die Verpflichtung des 18-jährigen Jan-Ove Waldner bekannt gegeben.

 

„Wenn Waldner uns nach zwei Jahren verlassen will oder wir uns von ihm trennen, dann darf er nicht zu einem anderen Bundesliga-Verein wechseln“, tönte der Meistermacher in die Runde. Der Titel blieb dann doch noch im Saarland. Denn im Entscheidungsspiel setzte sich Saarbrücken deutlich mit 9:4 gegen die Düsseldorfer durch. Nach dem Abstieg von Heusenstamm und Herbornseelbach stand Hessen ohne Erstligist da.

 

Erstmals Play-Off-Spiele

Erstmals in der langjährigen Geschichte der Deutschen Mannschafts- Meisterschaft wurden in der Saison 1984/85 Titelgewinner und Absteiger  in einer Playoff- Runde ermittelt. Aus einem Chinesen für Jülich wurde (noch) nichts. Die Bundesliga gewann mit Waldner, Orlowski und Palmi  weiter an Attraktivität. Aufsteiger Steinhagen lebte sich gut in der Eliteklasse ein. Die Optiker aus Bayreuth verspielten in den Abstiegs-Play- Offs durch ein 7:9 gegen Bremen den verdienten Klassenerhalt und folgten den sieglosen Hammern in die Zweite Liga. Der ATSV sicherte sich in einem dramatischen zweiten Endspiel gegen Düsseldorf den dritten Titel in Folge. Mit einem glatten 9:5 in Duisburg hatten sich die Saarländer eine glänzende Ausgangsbasis geschaffen. Doch eine Woche später schien Düsseldorf das Unmögliche doch noch wahr zu machen. Die Gäste führten 7:3 und egalisierten mit einem 9:5-Erfolg die Hinspielniederlage. Aber es reichte nicht: Bei gleicher Spieldifferenz (14:14) entschieden die Sätze (37:33) zugunsten der Saarländer.

 

Die Kluft zwischen arm und reich sollte in der Saison 1985/86 größer werden. Zugbrücke Grenzau verstärkte sich mit Andrzey Grubba und Engelbert Hüging, in Düsseldorf kam Jörgen Persson für Desmond Douglas. Saarbrücken und die launische Diva Reutlingen waren weitere Titelanwärter. Tippten die Experten auf ein Endspiel Grenzau gegen Saarbrücken, sollten Reutlingen und Düsseldorf das große Finale bestreiten. Das gewann Düsseldorf mit 9:7, was Manager Wilfried Micke veranlasste, von der schönsten aller Meisterschaften zu sprechen. Die  Absteiger hießen Portas Heusenstamm und Vahr Bremen. Aufsteiger Hertha BSC Berlin sicherte mit einem 44-jährigen Brettchen-Spieler Manfred Konieczka, der es auf zwölf Siege bei 20 Niederlagen brachte, die Klasse.

 

Dank europäischer Spitzenspieler mauserte sich die Bundesliga in der zweiten Dekade zur stärksten Liga in Europa. Die schillernste Persönlichkeit der zehn Jahre war unbestritten Desmond Douglas. Er spielte reihenweise die beste Bilanz und führte den PSV Düsseldorf zu fünf der sechs Titel. Sport-Sponsoring verhalf zu professionellem Management. Die Bundesliga war am Ende der zweiten Dekade auf dem Weg zur Profiliga.

 

 

 

 

Das dritte Jahrzehnt: 1986/87 bis 1995/96

Nichts wirklich Neues schien sich auch in der Saison 1986/87 abzuspielen: Nach fünf Spieltagen rangierte Borussia Düsseldorf verlustpunktfrei an der Spitze, gefolgt vom Grubba-Klub Zugbrücke Grenzau, der ebenfalls noch eine weiße Weste aufwies. Ab Platz 3 begann schon das breite Mittelfeld. Ganz hinten sah es für die zählerlosen Steinhagener und Berliner Herthaner schon recht düster aus. Mit 0:16 Punkten blieb der Berliner Traditionsklub auch am Ende der Vorrunde Schlußlicht und der dts betitelte sein Vorrundenfazit mit „Die Auftritte Herthas sind ein Trauerspiel“. Am anderen Ende der Tabelle hatte sich Düsseldorf unterdessen von Grenzau absetzen können und zog mit 18:0 Punkten einsam seine Kreise. Auch nach Abschluß der Rückrunde blieb Düsseldorf drei Zähler vor Verfolger Grenzau, während die Traditionsklubs Altena und Hertha BSC den Abstieg nicht vermeiden konnten. In den Play-Offs setzten sich die beiden Top-Teams erwartungsgemäß durch, um sich dann im Finale in Hagen vor 2.200 Zuschauern den „Final Countdown“ zu liefern. Und in dieser entscheidenden Partie hatten die Westerwälder einen Lauf und fertigten ihren Widersacher mit 9:4 ab. Den Siegpunkt errang Engelbert Hüging mit seinem 16:21, 21:17 und 21:12 gegen Jörg Rosskopf.

 

So überraschend freilich kam der Grenzauer Coup denn doch nicht: „Andrzej Grubba war der überragende Spieler der Bundesliga-Rückrunde; Georg Böhm überzeugt seit Monaten durch Ergebnisse, die seine internationale Klasse unterstreichen. Zusammen bildeten die beiden das erfolgreichste Bundesliga- Doppel – ein Gespann, das Erfolge garantiert.“ (Rahul Nelson, in: dts 6/1987, S.8).

Würde Grenzau in der Saison 1987/88, in der TuS Germania Schnelsen und der Post SV Mühlheim als Aufsteiger das Oberhaus komplettierten, den Vorjahreserfolg wiederholen können? Zugbrücke Grenzau vor dem ATSV Saarbrücken und Borussia Düsseldorf – so tippten damals die meisten Experten vor Rundenbeginn den Zieleinlauf. Namhafte Chinesen waren mit von der Partie, so etwa Shi Zhihao (Grenzau), Li Yuxiang (Saarbrücken), Guo Yuehua (Reutlingen) und Lu Qiwei (Steinhagen), letzterer ein quirliger Penholderspieler mit Noppen außen und gefürchtetem Schuß. Die Vorrundenabschlusstabelle liest sich überraschend: Mit drei Zählern Vorsprung rangierte der ATSV ganz oben, gefolgt von den punktgleichen Düsseldorf und Steinhagen. Der Vierte, Simex Jülich, hatte noch einen Zähler Vorsprung vor den bis dahin enttäuschenden Favoriten aus dem Westerwald. Noch ganz ohne jedes Erfolgserlebnis war der durchaus nicht als Kanonenfutter eingeschätzte Aufsteiger aus Mühlheim geblieben. Am Ende standen ganze zwei Punkte auf der Habenseite, was natürlich zum Klassenverbleib nicht reichte. Auch die sechs Zähler des TTC Grün-Weiß Hamm hätten nicht gelangt, jedoch blieb man erstklassig, da Steiner Optik Bayreuth überraschend sein Team aus wirtschaftlichen Erwägungen zurückzog. Saarbrücken vorne, sieben Punkte vor Jülich, dahinter Düsseldorf, Grenzau, Steinhagen, Reutlingen und Schnelsen – so sah die Abschlusstabelle an den Positionen 1 bis 7 aus. Und wieder einmal sollte es dem Klassenprimus nicht gelingen, die Play-Offs erfolgreich zu überstehen: Im Herzschlagfinale von Duisburg unterlagen die Saarländer den Düsseldorfer Borussen, die sich im entscheidenden Moment in Topform präsentierten, mit 7:9. Den Schlusspunkt in einem äußerst emotionalen Endspiel setzten Jörg Rosskopf und „Speedy“ Fetzner, die im abschließenden Doppel in drei Sätzen die Oberhand über das Saarbrücker Spitzenduo Carl Prean und Peter Engel behielten. Einen konnte das Geschehen nicht überraschen. Bundestrainer Charles Roesch nämlich ließ bereits vor der rassigen Partie verlauten: „Ich weiß, wer gewinnt, aber ich sag’s nicht.“

 

Andrzej Grubba               Joerg Rosskopf               Steffen Fetzner

 

Vor der Spielrunde 1988/89 sahen die Vertreter der meisten Bundesligisten erneut nicht den Titelverteidiger in favorisierter Position, sondern Saarbrücken und Grenzau. Den Aufsteigern FTG Frankfurt mit Li Yuxiang und Bela Mesaros im Spitzenpaarkreuz sowie VfB Lübeck mit Spielertrainer Liang Geliang wurden durchaus Chancen auf den Klassenerhalt eingeräumt. Grenzau führte mit weißer Weste die Halbzeittabelle an, gefolgt von Saarbrücken und Düsseldorf. Auf den Abstiegsrängen fanden sich Lübeck (2:16) und Hamm (0:18), dessen „abgespecktes“ Not-Team auch von allen Experten als chancenlos angesehen worden war. Auch am Ende der Rückrunde hatte sich dieses Tabellenbild nicht verschoben, so dass Lübeck – trotz großer Ambitionen – den Weg in die Zweitklassigkeit einschlagen musste, während die Frankfurter FTG mit zwei Zählern mehr das Klassenziel erreicht hatte. Diesmal schaffte Saarbrücken den großen Coup und fing im Finale im rheinhessischen Eich den Tabellenersten der Spielrunde ab. 9:6 hieß es am Ende für die Saarländer, die mit Xie Saike, Carl Prean, Janos Takacs, Jürgen Rebel, Peter Engel, Torsten Kirchherr und Spielertrainer Stellan Bengtsson Deutscher Meister wurden. Das packende Finale hatten die großen Fankolonien der Grenzauer und Saarbrücker zu einem lautstarken Spektakel gemacht, was DTTB-Präsident Hans Wilhelm Gäb zu der kritischen Frage bewog: „Wann werden Schweizer Kracher ins Spielfeld geworfen?“.

 

1989/90 konnte eigentlich nur die Saison des TTC Zugbrücke Grenzau werden, der sich durch den vom Titelverteidiger aus dem Saarland gekommenen Carl Prean gewaltig verstärkt hatte. Eine neue Play- Off-Regelung war gefunden worden, derzufolge nur noch die ersten vier der Tabelle in zwei Semifinalspielen um die Endspielteilnahme zu kämpfen hatten. Ganz unten stand nach neun Spielen erwartungsgemäß die finanziell schwächelnde FTG Frankfurt, der die meisten Stammkräfte den Rücken gekehrt hatten. Tabellenführer war Grenzau, verlustpunktfrei vor Düsseldorf, Saarbrücken und Steinhagen. Am Ende trennte nur noch ein Zähler die führenden Westerwälder und Verfolger Düsseldorf. Saarbrücken und Jülich folgten dahinter, Steinhagen auf Rang 5 ging leer aus. Absteigen mussten Frankfurt und Schnelsen. Zugbrücke Grenzau war gewarnt, da bis dahin noch nie ein Team seit Einführung der Play-Off-Runde zu Meisterehren gekommen war, das die Tabelle nach 18 Spieltagen angeführt hatte. Und die Realität sollte erneut einen potenziellen Meisterschaftsanwärter brutal überholen. Zwar erreichte Grenzau im Schongang gegen Jülich (9:4 und 9:2) das Finale, in dem Saarbrücken-Bezwinger Düsseldorf auf der Gegenseite stand. Doch dort erlebten die Westerwälder vor 2.000 Besuchern in Limburg ein Fiasko und gingen gegen die Borussen, die erneut einen Deutschen Meistertitel nach Hause brachten, mit 2:9 unter. Grenzaus Trainer Karl Kamps wollte nach dem Match nicht von einem Düsseldorf-Komplex seiner Mannen sprechen, räumte aber ein, dass selbst „ein Georg-Zsolt Böhm sich eben schwer  gegen die schnellen Rosskopf und Fetzner“ tue, während er „mit Weltmeister Jan-Ove Waldner viel besser“ klarkomme.

 

Ab der 25. Bundesligasaison 1990/91 traten die Teams – nicht zuletzt aus Gründen angestrebter größerer Medien- und Publikumswirksamkeit – in Vierermannschaften an. Nach dem Rekordbesuch der Saison 1983/84 mit durchschnittlich rund 610 Zuschauern pro Spiel war das Besucherinteresse merklich zurückgegangen und hatte zuletzt, in der Saison 1989/90, noch bei rund 450 pro Partie gelegen. Nun, in der neuen Runde, waren die aufgestiegenen Ex-Erstligisten Lübeck und Milbertshofen wieder unter den Top 10 des deutschen Mannschaftstischtennis vertreten. Düsseldorf vor Aufsteiger Lübeck, Jülich und Grenzau – das war die Rangfolge im Herbst, während in der Abstiegszone Reutlingen und Mülheim herumdümpelten. Anfang April hatten sich Düsseldorf, Grenzau, Lübeck und Jülich für die Play-Offs qualifiziert, Reutlingen und Mülheim waren abgestiegen. Düsseldorf setzte sich im Halbfinale deutlich gegen Jülich durch, Grenzau musste sich da schon stärker ins Zeug legen, um die starken Lübecker um Wang Yansheng und Spielertrainer Engelbert Hüging auszuschalten. Die besten Saisonbilanzen im vorderen Paarkreuz fuhren Jörg Rosskopf (29:6), Andrzej Grubba (26:5), Wang Yansheng (26:9) sowie der Jülicher Wang Hao (23:11) ein. Im 2. Paarkreuz blieb Carl Prean ungeschlagen. Muss man noch eigens erwähnen, dass auch diesmal der Rundensieger nicht Meister werden konnte? Der Titel ging nämlich vor 2.400 Besuchern in der Bonner Hardtberg-Halle an das tischtennisverrückte 97-Seelen-Dorf aus dem Westerwald, nicht an die Weltstadt aus dem Rheinland. Grenzau siegte im Gipfeltreffen um die Krone 6:3 und Düsseldorf blieb nur der undankbare Rang eines Vizemeisters.

 

Die Saison 1991/92 brachte erneut eine Neuerung: Der Deutsche Meister wurde nunmehr in einer Finalserie nach dem Modus „Best of Three“ ermittelt. Die Tendenz in Sachen Spielerverpflichtungen ging damals allmählich weg von den Chinesen, hin zu starken Europäern – Ausdruck des gestiegenen Niveaus und Selbstvertrauens auf dem Kontinent.

 

Joerg Persson               Vladimir Samsonov              

 

Namen wie Persson (Saarbrücken), Mazunov (Milbertshofen), Korbel (Altena) und Pansky (Ochsenhausen) standen für diese Entwicklung. Nicht von ungefähr bezeichnete der dts zum Saisonauftakt 1991/92 die Eliteklasse Deutschlands als „die stärkste Liga der Welt“. Düsseldorf und Saarbrücken führten die Tabelle am Rundenende an, Altena und Ochsenhausen standen ganz hinten. Mit dem TSV Milbertshofen und dem ATSV Saarbrücken fassten freilich zwei Traditionsvereine den Entschluß, sich mangels finanzieller Möglichkeiten aus dem Oberhaus zurückzuziehen. Das Lieck- Team aus Altena blieb als Nutznießer erstklassig. An den Play-Offs nahmen die Saarländer freilich noch teil und unterlagen der Düsseldorfer Borussia in der Finalserie deutlich mit 1:6 und 2:6. Düsseldorf errang damit seinen sage und schreibe 15. Meistertitel und feierte Trainer Mario Amizic als Vater des Erfolges.

 

1992/93 wurde Grenzau Herbstmeister, gefolgt von Lübeck und Steinhagen. Mit der Traumbilanz von 17:0 im 1. Paarkreuz glänzte der Mülheimer Chen Zhibin. Auch das bis dahin ungeschlagene Top- Doppel des Post SV Telekom Mülheim Hansi Fischer/ Thomas Rosskopf (9:0) trug zum hervorragenden 4. Platz des Aufsteigers nach 9 absolvierten Saisonspielen bei. Am Ende der Serie hatte man sich sogar noch auf Rang 3 geschoben, einen Platz vor Rekordmeister Düsseldorf und dicht hinter den Spitzenklubs aus Grenzau und Steinhagen. Und weiter ging es mit der Mülheimer Erfolgsserie: Im Halbfinale wurde Steinhagen ausgeschaltet und erst in den Finalspielen scheiterte der Senkrechtstarter trotz eines überragenden Hansi Fischer an Düsseldorf, das zum 16mal den Titel des Deutschen Meisters erringen konnte. Altena und Esslingen mussten als Absteiger die Liga verlassen.

 

„Die Bundesligasaison 1993/94 steht unter einem besonderen Stern. Bereits mit dem ersten Spieltag der neuen Spielzeit wirft das neue Spielsystem seine Schatten voraus, das mit Stichtag 1. Juli 1994 für die Teams der 1. Bundesliga gilt. Auf der Bundeshauptversammlung des DTTB Anfang Juni in Münster hatten die Delegierten dem Antrag des Süddeutschen Tischtennis-Verbandes grünes Licht erteilt, der eine Zweiteilung der 1. Bundesliga der Damen und Herren vorsieht. Gleichzeitig wird die Bundesliga, die in zwei Gruppen mit je sechs Mannschaften spielen wird, von zehn auf zwölf Vereine aufgestockt.“ (dts 8/1993, S.8). Es würde – auch dies sah die nicht unumstrittene Reform vor – in der laufenden Saison nur einen Absteiger geben. Und auch dies blieb dem Tabellenletzten, trotz Jörgen Persson wurde Hertha 06 Berlin Schlusslicht, erspart, da Steinhagen, dessen „Vollblutmanager“ Rüdiger Lamm beim Fußballklub Arminia Bielefeld anheuerte, bereits relativ früh seinen Rückzug zum Saisonende bekannt gab. Oben kämpften Grenzau, Jülich, Düsseldorf und eben Steinhagen um die Spitzenränge. In den Play- Off-Halbfinalspielen standen sich Düsseldorf und Grenzau, dessen Spitzenspieler Grubba die beste Bilanz aller Akteure mit 27:2 vorne eingefahren hatte, sowie Steinhagen und Jülich gegenüber. Grenzau und Steinhagen in seiner letzten Bundesligasaison behaupteten sich. In den Finalspielen setzte sich der Favorit aus dem Westerwald mit 6:1 und 6:3 durch, der Finalgegner trat in der folgenden Saison in der Bezirksliga an, in die er mangels Sponsoren zurückgezogen hatte.

 

Die neu gruppierte Eliteliga der Saison 1994/95 bestand aus diesen Teams: TTC Zugbrücke Grenzau, TTC Jülich, Borussia Düsseldorf, VfB-TT im VfB Lübeck, TSV Maxell Sontheim, PSV Telekom Mülheim, TTC Helga Hannover, TTF Ochsenhausen, Super-Donic Berlin (mit Persson und Fetzner), 1.FC Bayreuth, TTF Bad Honnef und TTC Burtelt Altena, letzterer Klub mit dem ewig jungen Dauerbrenner Wilfried Lieck an Position 2. Gespielt wurde aber doch in einer ungeteilten Liga, die nie zuvor aus so vielen Bundesligisten bestand. Ein Lizenzspielerstatut war zudem verabschiedet und das Oberhaus von dieser Saison an zur Lizenzliga geworden. Auch dies veranlasste den dts zu der Feststellung: „Das Unternehmen 1. Bundesliga ist erheblich professioneller geworden.“ (dts 7/1994, S.4). Der TTC Jülich war auf dem Papier unglaublich stark besetzt. Dank der Verbindungen seines Spielertrainers Yang Jianhua war es gelungen, nahezu die gesamte chinesische Nationalmannschaft unter Vertrag zu nehmen. Namen wie Ma Wenge, Wang Tao, Lu Lin, Kong Linghui und Wang Hao hatten einen ganz besonderen Klang. Für den amtierenden Deutschen Meister Vladislav Broda blieb da lediglich Position 7 auf dem Mannschaftsmeldebogen. Allerdings konnten sie nie in bester Aufstellung antreten. Düsseldorf führte die Halbzeittabelle an, gefolgt von Grenzau mit dem noch immer bärenstarken Grubba und dann erst von Jülich. Die Play-Offs erreichten diese drei Klubs und Lübeck, während Hannover und Altena den bitteren Gang in Liga 2 antreten mussten. Düsseldorf und Grenzau, die beiden großen sportlichen Rivalen jener Ära, erreichten schließlich die Finalrunde. Nach drei packenden Endspielen in restlos ausverkauften Hallen konnte Düsseldorf mit dem überragenden Vladimir Samsonov den 17. Deutschen Meistertitel für sich verbuchen.

 

In der Saison 1995/96 schließlich traten Teams aus Süddeutschland auf den Plan, die bis heute das Bundesligageschehen nachhaltig prägen. Erstmals im Oberhaus vertreten war der TTC Frickenhausen, während die oberschwäbischen Tischtennisfreunde Ochsenhausen erheblich aufgerüstet hatten und mit Kong Linghui, Ma Wenge, Peter Franz und dem späteren Bundestrainer Richard Prause nun ein echtes Spitzenteam ins Rennen schicken konnten. Ochsenhausen führte dann auch die Abschlusstabelle der Liga an, mit einem Punkt Vorsprung vor Düsseldorf. Grenzau und Mülheim belegten die Ränge 3 und 4. Die beiden Aufsteiger Würzburger Kickers und MTG Horst-Essen gaben lediglich ein einjähriges Gastspiel in der Liga, Würzburg kam freilich später unter neuem Namen zurück. Die Entscheidung um den Meistertitel verlief dramatisch, am Ende zog Ochsenhausen hauchdünn den kürzeren gegen die Düsseldorfer Borussen, obwohl dem Herausforderer im 3. Finalspiel vor 2.500 Zuschauern im heimischen Biberach bereits ein Remis zum großen Triumph gereicht hätte. Zwar hatte Jörg Roßkopf in dieser denkwürdigen Partie kein Einzel gewinnen können, jedoch riss der erneut vorzüglich aufspielende Vladimir Samsonov durch Siege gegen Ma Wenge und Peter Franz das Steuer herum zum hauchdünnen Düsseldorfer Sieg.
Mit diesem 18. Titel des Düsseldorfer Rekordmeisters lassen wir die 3. Dekade unserer kleinen Bundesligageschichte ausklingen. Auch in diesem Zeitabschnitt war der rheinische Traditionsklub führende Kraft und prägender Faktor des Bundesligageschehens, allerdings ganz dicht gefolgt vom ebenfalls herausragenden TTC Zugbrücke Grenzau und zeitweise auch vom ATSV Saarbrücken. Ein schlechtes Omen für die Play- Offs bedeutete offensichtlich die „Pole Position“ in der Abschlusstabelle der Liga, da es dem Tabellenprimus zumeist nicht vergönnt war, am Ende den Meisterpokal in Händen zu halten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das vierte Jahrzehnt: 1996/97-2004/2005

Die Saison 1996/97 verhieß „die stärkste Liga aller Zeiten: Nie war sie so wertvoll wie heute: Fast alle Teams in der Lizenzliga haben teuer aufgerüstet.“ (dts 8/96, S.24). Tatsächlich waren in dieser „Europaliga, eigentlich ja schon Weltliga“ (Kay-Andrew Greil) gerade noch 14 als Deutsche geborene Akteure zu finden. Die Klubs hatten ihre Konsequenzen aus dem Bosmann-Urteil gezogen und insgesamt zwölf EUAusländer verpflichtet. Ochsenhausen, Bad Honnef, Düsseldorf und Grenzau mit dem Silbermedaillengewinner von Atlanta, Wang Tao, hießen die Titelfavoriten. Jülich hatte auch nicht „gekleckert“ und keinen geringeren als Olympiasieger Liu Guoliang an Brett 1 aufgeboten. Klassenneuling war ein Team aus dem hessischen Hinterland mit einem 15-jährigen Talent aus dem Odenwald namens Timo Boll an Position 4. Dieser TV Müller Gönnern wurde allgemein als potenzieller Abstiegsaspirant gehandelt. Nach zehn Spieltagen freilich stand Gönnern mit ausgeglichenem Punktekonto im gesicherten Mittelfeld, während Schlusslicht Borussia Aachen-Brand lediglich als „Kanonenfutter“ fungierte und die sportliche Lage von Bayreuth und Lübeck auch nicht gerade rosig war. Oben lieferten sich Bad Honnef und Ochsenhausen ein Kopf-an-Kopf-Rennen, mit vier Zählern Rückstand folgten Grenzau und Düsseldorf. Ochsenhausen hatte die Nase am Rundenende vorn, das sich zeitweise mit Rückzugsgedanken tragende Honnef freilich war auf Rang 4 zurückgefallen. Düsseldorf und Grenzau indes hatten sich auf die Ränge 2 und 3 vorschieben können. Einen hervorragenden sechsten Platz mit positivem Punktestand belegte das Team aus Gönnern. Neben Aachen, das keinen einzigen Zähler zu erringen vermochte, belegten Sontheim, Bayreuth und das ambitionierte Lübeck die vier Abstiegsränge, die deswegen nötig waren, weil die Liga ab der folgenden Saison auf zehn Teams verkleinert werden sollte. Als beste Einzelspieler setzten sich der für Düsseldorf startende Weißrusse Vladimir Samsonov sowie der in Bad Honnef spielende Belgier Jean-Michel Saive in Szene. Im 2. Paarkreuz brillierte der bei Zuschauerkrösus Ochsenhausen – über 1.000 Besucher wollten pro Spiel die Oberschwaben sehen – seine Brötchen verdienende Russe Dimitrij Mazunov mit einer 29:2-Bilanz. Der jugendliche „Nobody“ Timo Boll landete in dieser Statistik mit 12:15 auf Position 22. In den Halbfinalspielen setzten sich Grenzau gegen Düsseldorf und Ochsenhausen gegen Bad Honnef durch. Im Play-Off-Finale standen sich folglich Grenzau und Ochsenhausen gegenüber und tatsächlich gelang es den Württembergern in der Besetzung Persson, Franz, Mazunov und Lengerov, ihren ersten Meistertitel zu erringen. Allerdings brachte erst das dritte Finalspiel vor 2.200 Zuschauern in Biberach die Entscheidung zugunsten Ochsenhausens, das dann mit einem 6:2-Erfolg für deutliche Verhältnisse sorgte.

 

Nun also war Ochsenhausen vom Jäger zum Gejagten geworden und musste in der Saison 1997/98 seinen Titel zu verteidigen suchen. Die Konkurrenz aus Grenzau und Düsseldorf lauerte bereits in den Startlöchern. Aber auch Jülich traute man zu, ein Wörtchen um die Titelvergabe mitzureden, war doch Manager Arnold Beginn mit der Verpflichtung des äußerst spielstarken 19- jährigen Chinesen Wang Liqin, später Weltmeister und Weltranglistenerster, ein besonderer Coup gelungen. Die Internationalisierung der Liga schritt generell weiter voran. So waren in dieser Spielzeit nur noch sechs in Deutschland geborene Akteure an den Brettern 1 bis 4 gemeldet. Der neue Modus sah so aus: zehn Teams, nach Hin- und Rückrunde Zweiteilung der Liga in eine Meisterschafts- (1.-5.) und eine Abstiegsrunde (6.- 10.) unter Mitnahme der Punkte. Nach Abschluss der Vorrunde führte Düsseldorf vor Grenzau, Gönnern und Ochsenhausen, Jülich rangierte lediglich auf Platz 8. Ein Grund für Gönnerns unerwartet gute Platzierung war auch der Umstand, dass Timo Boll im 2. Paarkreuz eine Zwischenbilanz von 8:3 erreicht hatte. Überragender Mann im vorderen Paarkreuz war einmal mehr Vladimir Samsonov (Düsseldorf) mit einer beeindruckenden 37:6-Bilanz, hinten glänzte Torben Wosik (Bad Honnef). Bestes Doppel war die Düsseldorfer Paarung Samsonov/Rosskopf, die nahezu unschlagbar schien. Düsseldorf, Grenzau, Ochsenhausen, Gönnern und Jülich schafften es in die Meisterschaftsrunde, der Rest der Liga hatte gegen den Abstieg zu kämpfen. Allerdings waren Hannover und Mülheim bereits abgeschlagen, so dass Würzburg, Frickenhausen und Bad Honnef nicht wirklich zittern mussten. Borussia Düsseldorf sicherte sich mit einem 5:5 in Jülich am vorletzten Spieltag vorzeitig den 19. Meistertitel.

 

Timo Boll               Richard Prause               Ma Wenge              

 

Sollte den Düsseldorfern mit ihren beiden Leistungsgaranten Samsonov und Rosskopf 1998/99 die Titelverteidigung gelingen? Auch Grenzau, mit Chen Zhibin verstärkt, und Ochsenhausen wollten bei der Titelvergabe ein gewichtiges Wörtchen mitsprechen. Gönnern mit Neuzugang Richard Prause durfte mit zwei in Deutschland geborenen Spielern als der bodenständigste Klub des Oberhauses gelten. Timo Boll durfte nun als Nr. 2 im vorderen Paarkreuz ran. Bad Honnef versprach sich einiges von der Verpflichtung des durch seinen gefürchteten Vorhandschwinger auch eminent angriffsstarken Abwehrstrategen Ding Song – er galt damals als der weltbeste Verteidigungsspieler. Überhaupt schien die Liga diesmal ausgeglichener besetzt denn je, es ließ sich partout nicht eine schwache Mannschaft im Vorfeld ausmachen. Das Medieninteresse an der Eliteklasse wuchs, auch wenn diese in jener Saison nicht die Sollstärke erreichte und lediglich neun Teams aufwies. So übertrug das DSF immerhin 13 Ligaspiele der Vor- und Rückrunde, allerdings zeitversetzt und auf jeweils eine Stunde verkürzt. Am dritten Spieltag brachte Timo Boll im Match Düsseldorf gegen Gönnern Vladimir Samsonov die erste Saisonniederlage bei, im siebten Saisonspiel seines Klubs bezwang er Ding Song, entwickelte sich also weiterhin prächtig und hatte sich rasch im Spitzenpaarkreuz akklimatisiert. Nach Abschluß der Vorrunde führte Grenzau verlustpunktfrei die Tabelle an, gefolgt von Düsseldorf, Jülich und Gönnern. Am Ende der Rückrunde war auf den beiden Spitzenrängen keine Änderung zu verzeichnen, allerdings hatte sich Ochsenhausen noch an Jülich und Gönnern vorbei auf Platz 3 geschoben. Mit lediglich einem Punkt auf der Habenseite war das Team Galaxis Lübeck nicht zu retten und musste die Klasse verlassen. In den Play-Off-Halbfinals setzen sich Frickenhausen gegen Titelverteidiger Düsseldorf und Grenzau gegen Jülich durch, so dass es zum Finale zwischen Frickenhausen und Grenzau kam, in dem die Westerwälder die Oberhand behielten, indem sie – nach einem Hinspielremis – das Rückspiel in heimischer Halle klar und deutlich mit 6:1 für sich entschieden.

 

In der Saison 1999/2000 konnte wieder mit zehn Teams gespielt werden, hinzugekommen waren die TTG RS Hoengen und der SV Plüderhausen. Vor der Saison sprach alles von Ochsenhausen, Bad Honnef und Düsseldorf als den heißen Meisterschaftsanwärtern, aber Titelverteidiger Grenzau mit Chen Zhibin, Korbel, Blaszczyk, Fetzner und Spielertrainer Grubba war schließlich auch noch da und übernahm Anfang November die Tabellenführung. Kuriosität am Rande: Timo Boll hatte das Kunststück fertiggebracht, im Spiel in Hoengen gegen dessen Spitzenspieler Chen Weixing bei seiner Zweisatzniederlage den ersten Durchgang mit 1:21 zu verlieren. Einen Spieltag vor Schluss hatte sich das mit acht Minuspunkten belastete Ochsenhausen „klammheimlich“ an Grenzau vorbei auf Platz 1 geschoben, das nun zusammen mit Gönnern und Düsseldorf punktgleich (alle 25:9) das Verfolgerfeld bildete – eine wahrlich spannende Tabellenkonstellation. Am Ende freilich hatte Ochsenhausen in der Tabelle die Nase vorne, dicht gefolgt von Grenzau, Gönnern und Düsseldorf. Im Finale standen sich schließlich Topfavorit Ochsenhausen und Titelverteidiger Grenzau gegenüber und es war eine extrem knappe Angelegenheit. Nach einem 6:4-Hinspielsieg reichte den Oberschwaben eine 4:6-Niederlage im Rückspiel, um aufgrund ihres 1. Platzes nach Abschluß der Hauptrunde zu Meisterehren zu kommen. Für den neuen Vizemeister Grenzau freilich war dieses vorzügliche Abschneiden – schließlich hatte man dem favorisierten Gegner alles abverlangt – mehr als bloß ein Achtungserfolg.

 

Eine Saison der Neuerungen stand 2000/2001 ins Haus. Nicht nur der 40-mm-Ball bot Diskussionsstoff, einschneidender noch war die Abschaffung des Play-Off-Systems: „Nach 16 Jahren wird die beste Mannschaft nach 18 Spielen auch wieder Deutscher Meister sein“, wie  Dietmar Kramer im dts (8/2000, S.33) zweifelsfrei feststellte. Topfavorit war der TTC Zugbrücke Grenzau, der sich mit Ma Wenge vom Titelverteidiger und Ligakonkurrenten Ochsenhausen eindrucksvoll verstärkt hatte. Auch Gönnern hegte nun Ambitionen auf einen Platz ganz oben, hatte man es doch geschafft, den vormaligen Düsseldorfer Borussen „Rossi“ zurück in seine hessische Heimat zu holen und mit ihm das Team erfolgversprechend aufzurüsten. Mit Timo Boll bildete er nunmehr das Spitzenpaarkreuz des TV-RE BAU Gönnern. Champion Ochsenhausen bot Kreanga, Chuang Chih-Yuan, Franz, Karakasevic und Crisan auf und galt als gut, aber den Grenzauern nicht ebenbürtig besetzt. Offenburg mit Wang Yansheng und der osthessische Klub Fulda- Maberzell mit dem 41-jährigen Austrochinesen Ding Yi an Brett 1 waren als Klassenneulinge zu den deutschen Topteams gestoßen. Tatsächlich zog denn auch Grenzau bereits in der Vorrunde vorne einsam seine Kreise und führte verlustpunktfrei die Tabelle vor Gönnern an. Im Mittelfeld jenseits von Gut und Böse angesiedelt war Rekordmeister Düsseldorf, der aus der Not eine Tugend gemacht und verstärkt auf junge, talentierte Spieler wie etwa den Dänen Michael Maze gesetzt hatte.

 

Tief in den Abstiegskampf verstrickt waren dagegen Plüderhausen sowie das von Verletzungspech heimgesuchte Maberzell. Mit 35:1 Zählern – lediglich gegen den Titelverteidiger aus Ochsenhausen hatte es vor heimischer Kulisse nur zum Remis gereicht – sicherte sich Zugbrücke Grenzau am Ende souverän den Meistertitel, vier Punkte vor dem zweitplatzierten TTV Gönnern, gefolgt von Ochsenhausen, Frickenhausen und Düsseldorf. Absteigen musste Fulda-Maberzell, während der Vorletzte Plüderhausen als „Lucky Loser“ vom Aufstiegsverzicht des Nord-Zweitligameisters Hannover profitierte und der Liga erhalten blieb. Die Top 10 des vorderen Paarkreuzes führte Ma Wenge an vor Petr Korbel, Jörg Rosskopf, Chen Weixing und Timo Boll, im 2. Paarkreuz stach Grenzaus Chen Zhibin mit einer 16:3-Bilanz hervor.

 

              

 

Im Vorfeld der Spielrunde 2001/2002 hegten vier Teams Titelträume: Titelverteidiger Grenzau, Ochsenhausen, Gönnern und Frickenhausen. Aufgrund einer neuerlichen Änderung des Modus hatten die Meisterschaftsanwärter jedenfalls länger zu arbeiten als in der Vorsaison, da es wieder eine Play-Off- Runde, diesmal bestehend aus den ersten Sechs, gab. Die Mannschaften auf den Plätzen 3 bis 6 hatten zunächst Viertelfinalspiele zu bestreiten, die Sieger trafen dann im Semifinale auf die beiden gesetzten Klubs, die Tabellenrang 1 und 2 erobert hatten. Hinzu kam natürlich der Umstand, dass nun auch im Oberhaus die neue Zählweise mit drei Gewinnsätzen bis 11 griff. Somit hatten die Akteure mit reichlich Umstellungen umzugehen. Mit einem Paukenschlag begann die Saison, nämlich dem 5:5 des „Underdogs“ und Hauptabstiegskandidaten Würzburger Hofbräu gegen das Boll-Team aus Gönnern. Bis Ende der Vorrunde freilich hatte sich einiges normalisiert. So rangierte Würzburg punktgleich mit Hoengen bereits ganz hinten, vier Punkte hinter einem Nichtabstiegsplatz. Und oben dominierte verlustpunktfrei Grenzau vor Ochsenhausen und Gönnern. Am Ende hatten die Westerwälder sechs Zähler Vorsprung auf Frickenhausen und Gönnern. Dahinter qualifizierten sich ferner Ochsenhausen, Düsseldorf und Jülich für die Play-Offs. Die Absteiger waren Hoengen, das ab der Saison 2002/03 mit Jülich fusionieren würde, und Schlusslicht Würzburg. In den Halbfinalspielen setzten sich Grenzau gegen Ochsenhausen und Gönnern gegen Frickenhausen jeweils hauchdünn durch. Das packende Finalhinspiel endete 5:5, das Rückspiel in der hoffnungslos überfüllten Zugbrückenhalle zu Grenzau entschied der Gastgeber deutlich mit 6:2 für sich, nachdem Petr Korbel im vorentscheidenden Match Timo Boll knapp hatte bezwingen können. Nach dem Erfolg hielt die Grenzauer Champions nichts mehr: sie nahmen ein kühles Freudenbad im nahen Brexbach.

 

Trotz umstrittener, erst im dritten Anlauf erteilter Lizenzen durften Offenburg, Plüderhausen und Aufsteiger Karlsruhe-Neureut in der Saison 2002/2003 im Oberhaus antreten. Mit der Titelvergabe konnten diese drei freilich wenig zu tun haben im Gegensatz zu den Topfavoriten Grenzau, Gönnern und Frickenhausen. Sebstbewußt ging Aufsteiger TTG Müller Munscheid ins Rennen, dessen „Macher“ Frank Müller, selbst als unorthodox agierender Materialkünstler im erweiterten Team stehend, einen durchaus konkurrenzfähig erscheinenden Kader zusammengebastelt hatte, dem unter anderem sogar Carl Prean angehörte. Diesmal qualifizierte sich übrigens lediglich das bestplatzierte Quartett für die Play-Offs, von der „Sechser-Regelung“ der Vorsaison war man aus gutem Grund wieder abgerückt. Grenzau stand bald einsam in vorderster Front, als einziger konkurrenzfähiger Verfolger erwies sich das Boll-Team aus Hessen, während Jülich/Hoengen, Frickenhausen, Ochsenhausen und Düsseldorf das breite Mittelfeld bildeten. Plüderhausen, Karlsruhe, Munscheid und Offenburg waren in den Abstiegskampf involviert. Letztere zwei Klubs erwischte es schließlich auch, während an der Tabellenspitze nach Abschluss der Rückrunde unverändert Grenzau vor Gönnern thronte. Düsseldorf und Ochsenhausen hatten sich die weiteren Play-Off- Plätze gesichert, Frickenhausen war dagegen leer ausgegangen. Im Semifinale scheiterte Gönnern an Düsseldorf durch ein drastisches 0:6 im Rückspiel, während der Titelverteidiger Ochsenhausen ausschalten konnte. Das erste Finalspiel vor 1.700 Zuschauern im Tischtenniszentrum am Düsseldorfer Staufenplatz ging mit 6:4 an die Westerwälder. Eigentlich standen nun die Weichen auf Titelverteidigung, doch es kam anders: im Rückspiel schwang sich der Außenseiter zu einer sensationellen Leistung auf und schlug Grenzau in der „Höhle des Löwen“ 6:3. Als Bastian Steger den Siegpunkt gegen Chen Zhibin errungen hatte, musste er befürchten, unter der Traube siegestrunkener Düsseldorfer Spieler und Offizieller förmlich erdrückt zu werden. Dies war der 20. Deutsche Meistertitel für das Team von Andreas Preuß. Der Trainer der „jungen Wilden“ im Dress des Rekordchampions durfte fraglos als der Vater dieses Triumphs gelten.

 

Einer der Stars der Saison 2003/2004 war schon vor dem ersten Ballwechsel gekürt. Es handelte sich um Tischtennislegende Jan-Ove Waldner, der zurück nach Deutschland gekommen war und beim SV Weru Plüderhausen unterschrieben hatte. Unter den Titelaspiranten befand sich erneut der TTV RE-BAU Gönnern. Würde dem von dem erfahrenen Helmut Hampl gecoachten Team diesmal der Griff nach dem Meisterpokal gelingen oder würde eher der allmählich aufkommende Ruf des „ewigen Zweiten“ – immer nahe dran, doch am Ende nie ganz oben – zementiert werden? Andererseits plagten zeitweilig Finanznöte aufgrund einer schwierigen Sponsorensituation den mit Boll, Rosskopf, Keinath und Grujic gut besetzten Bundesligisten, so dass am Ende alle Beteiligten froh sein mussten, dass es im hessischen Hinterland überhaupt mit Weltklassetischtennis weitergehen konnte. Sportlich dominierte einmal mehr Grenzau, nun noch verstärkt durch Nationalspieler Zoltan Fejer-Konnerth, den Ligaalltag. Lediglich Ochsenhausen konnte Anschluss halten. Frank Müller hatte zwischenzeitlich sein Engagement umorientiert und sich ganz dem Aufsteiger Würzburger Hofbräu gewidmet, den er von nun an als Sponsor, Manager und Spieler – besonders im Doppel gefürchtet – bereicherte. Dennoch befand sich die mit Chtchetinine, Feng Zhe und Fan Changmao keineswegs schwach besetzte Truppe zusammen mit Plüderhausen und Karlsruhe-Neureut, das mittlerweile eine Spielgemeinschaft mit Offenburg eingegangen war, im Abstiegskampf wieder. Am Ende der Rückrunde war Ochsenhausen bis auf einen Punkt an Grenzau herangerückt, gefolgt von Düsseldorf und Gönnern. Einziger regulärer Absteiger bei nur neun Bundesligisten war Karlsruhe/Offenburg, während sich Müller Würzburger Hofbräu auf einen Nichtabstiegsrang hatte retten können. In den Play-Offs zogen Gönnern gegen Grenzau und Düsseldorf gegen Ochsenhausen jeweils den kürzeren, so dass es zum Traumfinale der beiden die Liga dominierenden Teams kam. Nach einem 5:5 in eigener Halle schwangen sich die von Leo Amizic trainierten Oberschwaben zu einer phantastischen Leistung im Rückspiel zu Grenzau auf und verpassten den Westerwäldern eine empfindliche 6:1- Klatsche. Ausgerechnet der überragende Akteur der Liga, Ma Wenge, war in den Finalspielen, seinen letzten beiden Einsätzen für Grenzau, ohne jeden Einzelerfolg geblieben. In Biberach-Ochsenhausen bereiteten die Fans hingegen dem erfolgreichen Team, das den dritten Deutschen Meistertitel nach Oberschwaben geholt hatte, einen triumphalen Empfang. Ohne Karlsruhe-Neureut ging es in die Saison 2004/2005. Der sportlich verfehlte Klassenerhalt wäre zwar am grünen Tisch nachträglich möglich geworden, um die Sollstärke der Liga wieder zu erreichen, jedoch konnte den Badensern diesmal aufgrund unzureichender Nachweise keine Lizenz erteilt werden. In einer ausgeglichen besetzten Liga war Ochsenhausen neue Konkurrenz erwachsen. Zwar hatte Vorjahresvize Grenzau erheblich „abgespeckt“, jedoch konnte sich etwa Frickenhausen mit Ma Wenge und Bojan Tokic eindrucksvoll verstärken. Zudem hatte Frank Müller gut eingekauft und mit Petr Korbel und dem Hongkongchinesen Leung zwei Weltklassespieler nach Mainfranken geholt.

 

Plüderhausen hatte zu Waldner nun auch noch dessen Landsmann Persson gesellt und damit ein magisches Schweden-Duo im vorderen Paarkreuz aufgestellt. Und mit dem Boll- Klub Gönnern musste man ohnehin immer rechnen, auch wenn dieser nicht nach den Sternen greifen wollte und sich „nur“ mit dem 17-jährigen Rheinhessen Patrick Baum verstärkte, einem der größten deutschen Talente. Mit dem Aufsteiger TSV Gräfelfing, der mit „Feierabendprofis“ mit Kämpferherz wie Martin Schauer bestückt war, hatte die Liga einen echten Underdog, der vom ersten Spieltag an als Absteiger feststand. Dennoch bereicherten die Bayern das Oberhaus und brachten eine ganz besondere Note ein, indem sie den Weg ihres Teams durch dieses eine Jahr der Erstklassigkeit förmlich zelebrierten und jeden auch noch so aussichtslosen Auftritt zum Event werden ließen, das zahlreiche Zuschauer anzog. Von Gräfelfing konnte man etwas von der hohen Kunst lernen, mit Gewinn zu verlieren und mit sportlichen Misserfolgen erhobenen Hauptes, ja fröhlich umzugehen. Man erreichte in Zeiten, in denen manche Zweitligisten das Risiko eines Aufstiegs scheuten wie der Teufel das Weihwasser, mühelos das vor der Runde ausgegebene Saisonziel, nämlich zu „zeigen, dass sich ein Aufstieg lohnt“. Doch die eigentliche „Musik“ spielte natürlich in anderen Tabellenregionen. Tatsächlich blieb es eine bis zum Schluss eminent spannende Runde mit Play-Off-Chancen für sechs Klubs, nämlich Würzburg, Düsseldorf, Plüderhausen, Frikkenhausen, Ochsenhausen und Gönnern. Die Hessen scheiterten, nicht zuletzt, weil „Mister Tischtennis“ Jörg Rosskopf eine Formkrise durchlief. Am Ende sicherten sich Düsseldorf, wo Christian Süß im 2. Paarkreuz zu glänzen wusste, Frickenhausen, Würzburg und Ochsenhausen, das mit Chuang und Crisan zwei der drei erfolgreichsten Spieler im vorderen Paarkreuz stellte, die begehrten vier Plätze. Nun freilich wurden die Karten neu gemischt. Würzburg schaltete im Halbfinale den Titelverteidiger aus, Frickenhausen den Rekordmeister sogar überdeutlich. Es kam zum großen Final-Show-Down: nach dem 5:5 im Hinspiel nutzte der Müller-Klub die Chance, vor 2.500 begeisterten Zuschauern in heimischer Halle alles klar zu machen. Nicht zuletzt dank eines überragenden Petr Korbel schlug Würzburg den württembergischen Widersacher mit 6:2 und errang damit erstmalig den Deutschen Meistertitel.

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