SLOWENIENS TRAUM IN LUXEMBURG



Sloweniens Tischtennis-Herren waren die große Überraschung der Team-Europameisterschaften in Luxemburg. Nach spektakulären Auftritten gegen Österreich, Schweden und den späteren Champion Deutschland fährt die von Saarbrückens Bojan Tokic angeführte Mannschaft mit Bronze nachhause – und kann es selbst kaum fassen.

Bojan Tokic

Wichtiger Baustein in Sloweniens Mannschaft: Bojan Tokic (Foto: ITTF)

„Zu Beginn des Turniers dachte ich, wir kämpfen maximal um die Plätze 9 bis 16.“ Bojan Tokic hatte sich im Vorfeld der ITTF European Table Tennis Championships im Großherzogtum Luxemburg nicht sonderlich viel ausgerechnet. Warum auch? Mit Gruppe B erwischte Slowenien die vielleicht schwierigste Gruppe der sogenannten Championship Division und traf bereits in der Vorrunde auf Portugal, 2014 Europameister im eigenen Land, und Österreich, 2015 Europameister in Ungarn. Und das Auftaktmatch gegen die Portugiesen sollte Tokics Eindruck zunächst bestätigen: 0:3 gegen die Mannschaft seines Saarbrücker Vereinskollegen Tiago Apolonia – keine Chance. „Doch plötzlich hat uns irgendjemand da oben geholfen“, so Tokic.

Erst schlugen Tokic und Co. die Slowakei in einem dramatischen Match nach 0:2-Rückstand noch mit 3:2, im abschließenden Gruppenspiel dann auch noch Titelverteidiger Österreich. ‚Man of the Match‘, weil sozusagen das Zünglein an der Waage, war beide Male ein erst 19 Jahre alter Bundesliga-Profi des TTBL-Aufsteigers TSV Bad Königshofen: Darko Jorgic sorgte in beiden Spielen für den entscheidenden dritten Punkt – Viertelfinale.

Jorgic: „Weiß gar nicht, wo ich bin“

Mit dem gleichen Rezept wie gegen Österreich schlug Slowenien dort auch die favorisierten Schweden, die mit den beiden Düsseldorfern Kristian Karlsson und Anton Källberg bis dahin als ernsthafter Titelkandidat galten. Zweimal Tokic, einmal Jorgic – wieder ging Sloweniens Rechnung voll auf. Im entscheidenden Einzel schlug Bad Köngshofens Jüngster Schwedens Routinier Pär Gerell mit 3:1. „Ein wirklich verrücktes Match“, so Jorgic anschließend völlig perplex. „Ich hatte mich schon auf Källberg vorbereitet, doch dann hat Schweden Gerell eingewechselt. Jetzt weiß ich gerade gar nicht, wo ich bin.“ Im Halbfinale, Herr Jorgic, im EM-Halbfinale!

Darko Jorgic

Wuchs während der EM über sich hinaus: Darko Jorgic (Foto: ITTF)

Damit stand fest, dass Slowenien Geschichte geschrieben hatte. Zum ersten Mal gewinnt das Land im Erwachsenenbereich eine Medaille bei einer Europameisterschaft. „Die Jungs haben sich die Medaille wirklich verdient, nachdem was sie hier gezeigt haben“, so Sloweniens Leader Tokic – mittlerweile 36 Jahre alt – nach dem Erfolg über Schweden stolz. „Meine Zeit neigt sich langsam dem Ende entgegen, die Zukunft gehört meinen jungen Teamkollegen.“ Dabei sollte Jorgics ganz großer Auftritt erst noch folgen.

Jorgic bezwingt Deutschlands Besten

Denn als im Halbfinale gegen Deutschland so ziemlich jeder mit einer klaren Niederlage Sloweniens rechnete, belehrte Jorgic alle eines Besseren. Mit 3:1 schlug der Youngster den Weltranglistenvierten Dimitrij Ovtcharov und brachte die Zuschauer im Sportzentrum d’Coque angesichts einiger sensationeller Punkte zum Staunen. „Das Spiel war unglaublich“, so Jorgic anschließend. „Aber ich habe mir gesagt: einfach spielen und kämpfen. Ich hatte keinen Druck und konnte mein Bestes geben.“ Dass es am Ende gegen den späteren Europameister nicht ganz reichte – obwohl Tokic sogar das fünfte Einzel erzwang – fiel angesichts dieser Leistung schließlich nicht mehr groß ins Gewicht. Am Ende stand dennoch ein fantastisches Turnier für Bojan Tokic, Darko Jorgic und die gesamte slowenische Mannschaft, zu der auch der Grünwettersbacher Jan Zibrat gehörte. Ein Turnier, das im Gewinn der Bronzemedaille gipfelte, statt im Kampf um Platz 9 bis 16 zu enden.

Sloweniens Jubel gegen Schweden im Video

Beitragsbild oben: ITTF