STECHER: „WOLLEN NICHTS MIT DER BRECHSTANGE ERZWINGEN“



Nach einer gelungenen Premierensaison startet der Post SV Mühlhausen in der kommenden Runde erneut in der Champions League. Wir haben mit Geschäftsführer Thomas Stecher (36) über die Königsklasse des Tischtennis, die Kaderplanung und die Konkurrenz in der Tischtennis Bundesliga (TTBL) gesprochen.

Thomas Stecher

Mann für alle Fälle: Bei seinem Post SV ist Thomas Stecher auch als Hallensprecher aktiv. (Foto: Christian Habel)

Herr Stecher, viele Vereine entscheiden sich jedes Jahr gegen eine Teilnahme an den europäischen Mannschaftswettbewerben. Der Post SV Mühlhausen hingegen startet in seine zweite Champions-League-Saison und trifft dabei erneut auf Fakel Orenburg mit Dimitrij Ovtcharov. Wie fällt das Fazit der Premierensaison aus?

Thomas Stecher: Wir haben unheimlich viel Positives mitgenommen. Die Resonanz im Verein und in der gesamten Region war überwältigend. Wir hatten mit Orenburg, dem späteren ETTU-Cup-Sieger Hennebont und Eslöv eine schwere Gruppe, haben uns aber trotzdem durchgesetzt. Dass es dann im Viertelfinale beim 2:3 und 3:2 beinahe sogar gegen Jekaterinburg gereicht hätte, war eine einmalige Erfahrung. Zudem haben wir finanziell dank der großartigen Unterstützung durch unsere Sponsoren keinen großen Schaden genommen.

Die Entscheidung zur erneuten Teilnahme war also eine leichte?

Stecher: Wir haben bei den Spielern ein Stimmungsbild eingeholt – und die Jungs wollten wieder teilnehmen. Also gehen wir das Abenteuer Champions League noch einmal an. Ich finde: So lange wir ein Team haben, das auf diesem Niveau mithalten kann, wollen wir die Chance nutzen. Und dass unsere Mannschaft mithalten kann, zeigen nicht nur die Erfahrungen aus der vergangenen Saison, sondern auch die Setzung. Als Fünfter der Setzliste haben wir nur knapp Topf eins verpasst.

Personell hat sich dabei nichts getan beim Post SV. Ihr Team wird erneut aus Ovidiu Ionescu, Daniel Habesohn, Lubomir Jancarik und Steffen Mengel bestehen. Erklären Sie uns bitte die Hintergründe Ihrer Personalpolitik.

Stecher: Dass wir gar keine Transfers haben, ist nicht ganz richtig. Im Jugendbereich haben uns Benno Oehme und Alexander Gerhold leider verlassen, was die Struktur in der zweiten Mannschaft verändert. Aber ja, für die erste Mannschaft stimmt der Befund. Wir haben uns frühzeitig entschlossen, mit diesen vier Spielern weiterzumachen. Sie alle haben ihren Beitrag zu einer erfolgreichen vergangenen Saison geleistet, außerdem stimmt das Klima innerhalb der Mannschaft. Insbesondere Daniel Habesohn hat eine ganz starke Bilanz hingelegt, was natürlich anderen Vereinen nicht verborgen geblieben ist. Aber er weiß, was er an Mühlhausen hat. Er war schon vor seinem Wechsel zu uns ein europäischer Spitzenspieler, aber in seiner Zeit bei uns hat er noch mal einen Schritt nach vorne gemacht. Entsprechend froh sind wir, dass wir ihn erneut von uns haben überzeugen können. Das gilt aber im Übrigen für das gesamte Team.

Sie haben das Klima innerhalb des Teams angesprochen. Darüber hinaus hört man immer von der besonders familiären Atmosphäre in Ihrem Verein. Was macht für Sie das Besondere am Post SV aus?

Stecher: Wir sind eine verschworene Gemeinschaft: In der Halle herrscht eine ganz spezielle Atmosphäre, die Fans genießen eine unheimliche Nähe zu den Spielern, zudem gibt es sehr viel Dankbarkeit im gesamten Verein. Das ist eine über die Jahre gewachsene Symbiose. Trotzdem aber sind wir natürlich ein professionell geführter Verein mit Spitzenathleten. Wir versuchen jeden Tag, uns weiterzuentwickeln, sportlich ebenso wie mit Blick auf die Rahmenbedingungen – aber eben ohne den speziellen Spirit zu verlieren, der den Verein ausmacht.

In der TTBL gab es in der vergangenen Saison den sechsten Platz. Wann klappt es mit der Play-off-Teilnahme?

Stecher: Wir müssen es mit den Zielen nicht übertreiben. Die Liga ist schließlich saustark. Vorne wird wohl kaum ein Weg an Ochsenhausen, Saarbrücken und Düsseldorf vorbeiführen. Also bleibt nur noch ein weiterer Play-off-Platz, für den aber viele Teams infrage kommen. Ich denke da an Bremen, das sich super verstärkt hat, an Bad Königshofen, an Bergneustadt – das sind alles Riesenmannschaften. Für uns wird es also schwierig, so wie für viele andere auch. Wir wollen aber ohnehin nichts mit der Brechstange erzwingen, sondern fleißig unsere Punkte sammeln. Mit Platz sechs konnte ich in der vergangenen Saison sehr gut leben, und ich könnte es auch in der neuen. Aber klar, würde am Ende ein Play-off-Platz herausspringen, würde ich mich nicht dagegen wehren. Ich wehre mich ohnehin nie gegen Erfolg.

Trainer Erik Schreyer geht in seine dritte komplette Saison mit Mühlhausen. Wie sehen Sie seine Entwicklung?

Stecher: Er hat eine Riesenentwicklung genommen. Es waren sehr große Fußstapfen, die er nach dem Abschied von Alexander Schieke ausfüllen musste, und das tut er mit Bravour. Ich denke, ich darf für ihn sprechen, wenn ich sage: Er sieht den Verein und sich selbst in einem stetigen Entwicklungsprozess, und bei diesem lehnt er sich nicht zurück. Im Gegenteil: Er ist unheimlich akribisch und unheimlich fleißig. Denn er ist ja nicht nur Trainer des TTBL-Teams, sondern zugleich auch Leiter unseres Nachwuchsleistungszentrums. Diesen Spagat meistert er sehr, sehr gut. Wir sind sehr zufrieden mit ihm. Erik Schreyer ist ein Glücksfall für den Verein.

Herr Stecher, vielen Dank für das Gespräch.