TTCLM: DEUTSCHE TEAMS GEHEN LEER AUS



Am vorletzten Gruppenspieltag der Table Tennis Champions League (TTCLM) ist den deutschen Vertretern kein Sieg vergönnt. Borussia Düsseldorf unterliegt in Lissabon knapp bei Sporting Clube de Portugal, auch der 1. FC Saarbrücken TT hat nach einem Krimi das Nachsehen. Der Post SV Mühlhausen verlangt Titelfavorit TTC Fakel Gazprom zwar alles ab, bleibt jedoch ohne Einzelsieg.

Anton Källberg

Tragische Figur in Lissabon: Anton Källberg (Foto: Fuhrmann)

Am Ende setzte ausgerechnet Borussia Düsseldorf den Schlusspunkt unter einen aus deutscher Sicht gebrauchten Spieltag in der Table Tennis Champions League Men (TTCLM). Der deutsche Rekordmeister und Titelverteidiger des Wettbewerbs verlor sein vorletztes Gruppenspiel bei Sporting Clube de Portugal am Freitagabend nach rund drei Stunden Spielzeit mit 2:3, war jedoch bereits vor der Partie für das Viertelfinale qualifiziert. Allerdings schien dieser Umstand das Team von Trainer Danny Heister nicht gerade zu beflügeln.

Vor allem Anton Källberg erlebte einen Abend zum Vergessen und verlor gleich zweimal in fünf Sätzen – zum Auftakt gegen Quadri Aruna, im Entscheidungseinzel dann auch gegen Diogo Carvalho. Dabei hatte der junge Schwede gerade gegen den Portugiesen durchaus eine Siegchance und lag im fünften Durchgang lange in Führung (5:2, 8:6). Durch Kamal Achanta und Timo Boll, der trotz sichtbaren Handicaps auf die Zähne biss und gegen Bode Abiodun quasi im Stand gewann, ging Düsseldorf nach der Pause sogar in Führung. Allerdings konnte Achanta im Spitzeneinzel nicht mehr an seine starke Leistung aus dem Spiel gegen Carvalho anknüpfen und unterlag Sportings Nummer eins Aruna glatt in drei Sätzen. Der Rest war das Drama des Anton Källberg. „Das ist eine rein mentale Sache bei Anton“, so Borussia-Trainer Danny Heister. „Er hat auch heute wieder zum Teil richtig gut gespielt. Aber er nutzt seine Chancen nicht konsequent genug. Auf dem Niveau darf man sich das nicht leisten.“

In einer Woche stehen sich Düsseldorf und die ebenfalls bereits für das Viertelfinale qualifizierten Franzosen von AS Pontoise Cergy TT damit im direkten Duell um den Gruppensieg gegenüber. „Das war schon eine bittere Niederlage“, gestand Manager Andreas Preuß. „Ärgerlich ist, dass wir jetzt gegen Pontoise erneut ein richtiges Endspiel haben. Denn der Gruppensieg ist enorm wichtig.“ Das Hinspiel gewann Düsseldorf mit 3:1.

Saarbrücken muss warten

Der 1. FC Saarbrücken TT muss indes weiter um die Qualifikation für die K.-o.-Runde bangen. Die Saarländer unterlagen am Abend dem französischen Vertreter VS Angers TT knapp mit 2:3. Dabei hätte die Niederlage durchaus höher ausfallen könnten, hätte Sorgenkind Liao Cheng-Ting nach der Pause nicht für den 1:2-Anschlusspunkt gesorgt. Doch anders als zuletzt in der Bundesliga bewies der taiwanesische Neuzugang Nervenstärke und rang den schwedischen Routinier Jens Lundqvist in fünf engen Sätzen nieder, nachdem sich zuvor sowohl Darko Jorgic als auch Patrick Franziska ihren Gegnern geschlagen geben mussten.

Im Spitzeneinzel gegen Angers zweiten Schweden Jon Persson gelang Franziska anschließend sogar noch der Ausgleich, bevor Landrieu mit seinem zweiten Tagessieg Saarbrückens Hoffnungen auf ein gutes Ende zunichtemachte und in drei engen Sätzen gegen Jorgic gewann. Wie wichtig jedoch die beiden gewonnenen Einzel sind, könnte sich in einer Woche zeigen, wenn Saarbrücken (8 Punkte) im letzten Gruppenspiel K.S. Dartom Grodzisk Mazowiecki aus Polen (8 Punkte) zu Gast hat. Da Saarbrücken im direkten Vergleich mit Angers (8 Punkte) vorne liegt (5:3 Spiele), könnte der Mannschaft von Trainer Slobodan Grujic selbst eine Niederlage zum Weiterkommen reichen, sollte Angers bei Roskilde Bordtenns BTK621 ebenfalls verlieren.

Mühlhausen überzeugt trotz Niederlage

Daniel Habesohn

Stark gegen Ovtcharov: Daniel Habesohn (Foto: Habel)

Für den Post SV Mühlhausen gab es an diesem Abend ebenfalls nichts zu holen. Der Champion-League-Debütant verlor sein Heimspiel gegen den TTC Fakel Gazprom glatt mit 0:3, unter die Räder kamen die Thüringer gegen das russische Starensemble um Dimitrij Ovtcharov jedoch nicht im Entferntesten. In allen drei Einzeln zwang die Mannschaft von Trainer Erik Schreyer die Gäste über die volle Distanz – und ging am Ende dennoch leer aus. Vor allem bei Lubomir Jancarik war der Ärger darüber groß. Denn der Tscheche verpasste es nach der Pause trotz guter Leistung, gegen Altmeister Vladimir Samsonov für den 1:2-Anschluss zu sorgen, und warf nach einem vergebenen Matchball im vierten Satz und einem schnellen 1:4-Rückstand im fünften Durchgang entnervt den Schläger durch die halbe Box. Doch auch nach der Auszeit machte Jancarik keinen Punkt mehr und Samsonov vollendete souverän zum 3:0-Gesamtsieg seiner Mannschaft.

„Wir haben uns unglaublich gut aus der Affäre gezogen“, fand Post-Manager Thomas Stecher. „Leider hatten wir in allen drei Einzeln nicht das nötige Glück und haben uns so für eine unserer besten Leistungen jemals hier am Kristanplatz nicht belohnen können.“ Dabei zuvor waren auch Jancariks Teamkollegen vor ausverkauftem Haus nah dran gewesen. Daniel Habesohn – seit Wochen in bestechender Form – machte dem Weltranglisten-Fünften Ovtcharov das Leben schwer, Vize-Europameister Ovidiu Ionescu hatte den Portugiesen Marcos Freitas am Rande einer Niederlage. Der Rumäne drehte im fünften Satz nach einem 4:8-Rückstand noch einmal auf, musste nach dem Ausgleich zum 9:9 jedoch wenig später Freitas gratulieren.

„Wenn wir ein Einzel gewonnen hätten, wäre das Spiel völlig offen gewesen“, haderte Trainer Schreyer. „Ehrlicherweise muss man jedoch sagen, dass Orenburg in den Entscheidungssätzen einfach eine Spur abgeklärter war und daher verdient gewonnen hat. Trotzdem bin ich extrem stolz auf meine Mannschaft.“ Der Post SV Mühlhausen ist nun am letzten Gruppenspieltag gegen Eslövs AI Bordtennis zum Siegen verdammt und muss gleichzeitig auf einen Erfolg Orenburgs gegen G.V. Hennebont T.T. hoffen, um das Viertelfinale noch zu erreichen.

Die Spiele in der Übersicht

Sporting Clube de Portugal – Borussia Düsseldorf 3:2
Quadri Aruna – Anton Källberg 3:2 (16:18, 11:9, 11:3, 5:11, 11:6)
Diogo Carvalho – Kamal Achanta 0:3 (3:11, 5:11, 8:11)
Bode Abiodun – Timo Boll 1:3 (8:11, 6:11, 11:6, 7:11)
Quadri Aruna – Kamal Achanta 3:0 (11:6, 11:9, 11:9)
Diogo Carvalho – Anton Källberg 3:2 (11:2, 9:11, 12:10, 8:11, 11:8)

VS Angers TT – 1. FC Saarbrücken TT 3:2
Jon Persson – Darko Jorgic 3:0 (11:6, 11:9, 11:1)
Andrea Landrieu – Patrick Franziska 3:2 (8:11, 12:10, 5:11, 11:7, 12:10)
Jens Lundqvist – Liao Cheng-Ting 2:3 (11:8, 9:11, 9:11, 11:6, 9:11)
Jon Persson – Patrick Franziska 2:3 (10:12, 11:7, 10:12, 11:9, 6:11)
Andrea Landrieu – Darko Jorgic 3:0 (11:7, 11:9, 11:9)

Post SV Mühlhausen – TTC Fakel Gazprom 0:3
Daniel Habesohn – Dimitrij Ovtcharov 2:3 (11:9, 7:11, 13:11, 2:11, 7:11)
Ovidiu Ionescu – Marcos Freitas 2:3 (11:9, 5:11, 3:11, 11:7, 9:11)
Lubomir Jancarik – Vladimir Samsonov 2:3 (13:11, 5:11, 11:8, 11:13, 1:11)

Beitragsbild oben: Ulrich Höfer