TTCLM: DÜSSELDORF NACH KRIMI IM FINALE



Borussia Düsseldorf egalisiert im Halbfinal-Rückspiel der Table Tennis Champions League Men (TTCLM) gegen die TTF Liebherr Ochsenhausen die Niederlage aus dem Hinspiel und steht dank des besseren Ballverhältnisses im Endspiel. Dort wartet Titelfavorit Orenburg um Dimitrij Ovtcharov.

Simon Gauzy

Tragische Figur des Abends: Simon Gauzy (Foto: Schaal)

Ein unglücklichere Saison hätte Stefan Fegerl bis zu diesem denkwürdigen Abend kaum spielen können. Immer wieder verlor der ehemalige österreichische Doppel- und Team-Europameister enge Spiele, vergab hohe Satzführungen, wirkte häufig fahrig und nervös. Sicherlich einer der Gründe, warum der 29-Jährige Borussia Düsseldorf im Sommer nach zwei Jahren wieder verlässt. Doch all dies schien im Duell mit Simon Gauzy wie weggeblasen. Als ging es um nichts, spielte sich Fegerl gegen die französische Nummer 10 der Welt in einen Rausch. Dabei ging es um alles, noch dazu gegen seinen zukünftigen Arbeitgeber.

Mit seinem 3:1-Erfolg im entscheidenden fünften Spiel gegen den Spitzenspieler der TTF Liebherr Ochsenhausen machte Fegerl ihn am Freitagabend doch noch perfekt, den Einzug seiner Borussia ins Finale der Table Tennis Champions League (Men). Und das, obwohl dieser nach der knappen 2:3-Niederlage seines Teamkollegen Timo Boll kurz zuvor bereits in weite Ferne gerückt zu sein schien. Am Ende gaben nach der 2:3-Niederlage im Hinspiel schließlich die erzielten Punkte (+23), sprich die Bälle, den Ausschlag zugunsten des deutschen Rekordmeisters, nachdem es sowohl nach Spielen (5:5) als auch nach Sätzen (22:22) unentschieden stand.

Boll mit der Führung

Zur Aufholjagd hatte zu Beginn der Partie Superstar Boll höchstpersönlich geblasen, als er sich gegen Gauzy erfolgreich für die knappe Niederlage im Hinspiel revanchieren konnte. Allerdings hatte Boll zu Beginn der Partie erneut seine Mühe mit Gauzy, machte dann aber im zweiten Durchgang aus einem 3:7-Rückstand einen 11:7-Satzgewinn und spielte fortan deutlich sicherer. Den Ausgleich musste anschließend Fegerl hinnehmen. Trotz eines guten Starts gegen Hugo Calderano konnte Düsseldorf heutige Nummer zwei dem Spiel seinen Stempel nicht aufdrücken und verlor letztlich deutlich.

Nachdem Kristian Karlsson im dritten Einzel des Abends nicht die geringste Mühe mit Jakub Dyjas hatte und den Polen im Eiltempo abfertigte, bot sich Boll die Gelegenheit, die Begegnung zu entscheiden. Calderano hatte da allerdings etwas dagegen und lieferte sich mit dem Weltranglistenzweiten ein spektakuläres und packendes Duell, dessen Knackpunkt die Schlussphase des dritten Durchgangs war. Boll vergab beim Stand von 11:10 einen Satzball zum 2:1, der vermutlich die Vorentscheidung gewesen wäre und musste den Satz schließlich abgeben. Nach einem erneut engen vierten Durchgang war Calderano dann im Entscheidungssatz nicht mehr zu stoppen.

Gauzy fehlen nur wenige Punkte

Angesichts des Satzverhältnisses von 19:21 aus Sicht der Hausherren war damit klar, dass Fegerl mindestens mit 3:1 gewinnen musste, um zumindest nach Sätzen auszugleichen, Gauzy hingegen bereits zwei Sätze reichen würden, um die Oberschwaben ins Endspiel zu bringen. Einen gewann Gauzy, der Rest war Fegerls Meisterstück.

Im Endspiel trifft Düsseldorf damit wie erwartet auf Titelverteidiger TTC Fakel Gazprom. Die Mannschaft um Dimitrij Ovtcharov schlug ohne ihre Nummer eins am Freitagnachmittag deutscher Zeit Sporting Clube de Portugal auch im Rückspiel klar mit 3:0. Im Vorjahr hatte sich Düsseldorf den Russen im Finale geschlagen geben müssen.

Stimmen zum Spiel

Stefan Fegerl
„Das war ein überwältigendes Spiel heute. Großen Dank an die Fans, die haben uns alle nach vorne gepuscht. Das war wieder einmal – ich will nicht sagen ein Ding der Unmöglichkeit – aber wir waren doch mit dem Rücken zur Wand. Und solche Dinge gehen eben doch nur zu Hause in Düsseldorf. Das macht mich natürlich stolz, ein Teil dieser Mannschaft zu sein. Jetzt bin ich einfach nur glücklich.“

Danny Heister, Cheftrainer Borussia Düsseldorf
„Ja, Wahnsinn. Ein wahnsinniges Spiel und eine super Leistung, es ist einfach alles super zusammen gekommen. Ich wollte Stefan eigentlich sofort auf Gauzy stellen, aber dass es dann im letzten Spiel kommt, ist Wahnsinn. Kristian hat ein riesen Spiel abgeliefert. Auch Timo war sehr gut drauf, schade, dass er im ersten Spiel nicht das 3:1 geholt hat. Ich bin so stolz auf meine Mannschaft.“

Andreas Preuß, Manager Borussia Düsseldorf
„Das war eine Sternstunde für unseren Verein, wir sind heute mit ein bisschen Glück gesegnet worden und einer Menge Können. Ein unglaubliches Spiel mit wahnsinnig vielen Höhen und Tiefen, was eigentlich keinen Sieger verdient gehabt hätte. Wir haben in beiden Spielen sieben Stunden gekämpft und am Ende haben eigentlich nur ein paar wenige Bälle entschieden. Es war unglaublich spannend und eine wahnsinnige Werbung für den Tischtennis-Sport. Aus meiner Sicht das intensivste Spiel, das wir je im ARAG CenterCourt gemacht haben. Glückwunsch an die Mannschaft und alles Gute für die nächsten Wochen.“

Daniel Zwickl, Sportmanager TTF Liebherr Ochsenhausen
„Beide Spiele waren super spannend für die Zuschauer. Andreas Preuß meinte nach dem Spiel, wir hätten es verdient gehabt, aber im Sport hast du es nur verdient, wenn du es am Ende machst und weiterkommst. Wir haben mehrere Chancen gehabt und die größte war im Hinspiel in Ochsenhausen. Da hätten wir das Spiel schon zumachen können. Heute haben wir richtig gekämpft. Herzlichen Glückwunsch an die Düsseldorfer, die am Ende doch immer ein bisschen mehr Glück haben und die Spiele gewinnen können.“

Das Spiel in der Übersicht

Borussia Düsseldorf – TTF Liebherr Ochsenhausen 3:2 
Timo Boll – Simon Gauzy 3:2 (5:11, 11:7, 11:7, 8:11, 11:7)
Stefan Fegerl – Hugo Calderano 1:3 (11:9, 10:12, 8:11, 3:11)
Kristian Karlsson – Jakub Dyjas 3:0 (11:2, 11:7, 11:5)
Timo Boll – Hugo Calderano 2:3 (9:11, 11:3, 11:13, 11:9, 6:11)
Stefan Fegerl – Simon Gauzy 3:1 (7:11, 11:9, 11:4, 11:8)

Ergebnis nach Hin- und Rückspiel: 5:5 (22:22 Sätze, 413:390 Bälle)

Beitragsbild oben: BeLa Sportfoto