ZAHLEN, BITTE!



Die Vorberichte für die Spiele in der Tischtennis Bundesliga (TTBL) werden künftig um interessante Statistiken erweitert. Grundlage dafür bildet das von Tim Scheffczyk entwickelte TTR-Modell, mit dem sich Siegwahrscheinlichkeiten im Tischtennis voraussagen lassen. Wir erklären, wie das Modell funktioniert und welchen Mehrwert es bietet.

Timo Boll

Auch statistisch der beste Spieler? Timo Boll (Foto: BeLa Sportfoto)

Keine Frage: Im Eröffnungsspiel der neuen Saison in der Tischtennis Bundesliga (TTBL) zwischen Borussia Düsseldorf und dem TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell am 17. August ist der amtierende Deutsche Meister und Champions-League-Sieger um Topstar Timo Boll der klare Favorit. Doch was sagt die Statistik? Welches Endergebnis ist das wahrscheinlichste? Und wie sieht das Ganze bei Begegnungen aus, in denen sich kein klarer Favorit ausmachen lässt?

Tim Scheffczyk, selbst aktiver Tischtennisspieler und hauptberuflich Data Analyst bei einem Schweizer Versicherungsunternehmen, hat sich diesem Thema wissenschaftlich genähert und in seiner Masterarbeit mit dem Titel „Einflussfaktoren auf die Zuschauernachfrage im professionellen Tischtennissport“ das sogenannte TTR-Model entwickelt. Damit lassen sich anhand von (Q)-TTR-Werten der beteiligten Spieler und auf der Grundlage gewisser Annahmen objektive Wahrscheinlichkeiten berechnen. Etwa wie wahrscheinlich es ist, dass die Partie mit einem 3:0-Auswärtssieg endet oder ob sich die Zuschauer berechtigte Hoffnungen auf ein Entscheidungsspiel machen dürfen.

Dabei geht Scheffczyk stets von einem bestimmten Basisszenario aus, das beispielsweise die bestmögliche Aufstellung einer Mannschaft enthält. Sofern eine oder mehrere Annahmen für ein bestimmtes TTBL-Spiel nicht zutreffen, sind die Zahlenwerte des Modells nicht mehr exakt und stellen lediglich Referenzwerte dar. Das gilt auch für die mögliche Doppelaufstellung einer Mannschaft. Da es keinen Doppel-TTR-Wert gibt, bleibt nur die Möglichkeit, den Durchschnittswert der beteiligten Spieler zu nehmen. Doch wer ist überhaupt beteiligt? Das Model geht in diesem Fall von einem Einsatz der Nummer zwei und Nummer drei des Teams aus.

Trotz dieser notwendigen Einschränkungen liefert das Modell interessante Zahlen. Oder hätten Sie gewusst, dass ein Auswärtssieg des TSV Bad Königshofen am 1. Spieltag gegen den SV Werder Bremen statistisch gesehen nahezu ebenso wahrscheinlich ist wie ein Heimsieg der Norddeutschen um Bastian Steger? Oder dass die Chancen des ASV Grünwettersbach auf einen Auswärtssieg bei den TTF Liebherr Ochsenhausen nur bei rund fünf Prozent liegen? Mehr dazu lesen Sie in der Spieltagsvorschau am kommenden Donnerstag.

Weiterführende Links

www.tischtennistools.de (TTR-Rechner, Spielorakel u. v. m.)

Einflussfaktoren auf die Zuschauernachfrage im professionellen Tischtennissport (Masterarbeit von Tim Scheffczyk im Studiengang VWL an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg)

Beitragsbild oben: BeLa Sportfoto