EIN „SPORT ZUM ANFASSEN“ – DAMALS WIE HEUTE



Vor durchschnittlich rund 100 Zuschauern fanden 1966 die ersten Spiele der neu gegründeten Tischtennis-Bundesliga statt. Von Kommerz, Professionalisierung und Spektakel keine Spur. Das hat sich grundlegend geändert.

Das TTBL-Finale findet heutzutage vor großer Zuschauerkulisse statt. (Foto: Roscher)

Das TTBL-Finale findet heutzutage vor großer Zuschauerkulisse statt. (Foto: Roscher)

Zwei mit Vollprofis gespickte Weltklasseteams, 3.500 begeisterte Zuschauer, eine Inszenierung mit Feuerwerk, Musik und buntem Rahmenprogramm: So präsentiert sich das Liebherr TTBL-Finale um die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft in der Frankfurter Fraport Arena nun schon im dritten Jahr. Es hat sich als eines der größten nationalen Tischtennis-Events erfolgreich etabliert.

Ob sich der „Gründungsvater der Bundesliga“, Rudi Gruber, in solch einer Atmosphäre wohl gefühlt hätte? Der inzwischen verstorbene, damalige Sportwart des Deutschen Tischtennis-Bundes hatte kurz vor dem Startschuss der ersten Bundesligasaison 1966/67 im Magazin „Deutscher Tischtennissport“ nämlich gefordert, „kommerzielle Einflüsse von der Bundesliga fernzuhalten“.

Publikumsnah und familiär, also ganz im Sinne von Rudi Gruber präsentierte sich die Bundesliga denn auch in ihren ersten Jahren. Vor zunächst erschreckenden Zuschauerzahlen: Lediglich 480 Fans verfolgten insgesamt am 10./11. September 1966 die ersten Partien des Oberhauses. Und sahen, wie der SV Moltkeplatz Essen und TuSa Düsseldorf jeweils den TTC Mörfelden besiegten, der 1. FC Saarbrücken sowohl beim Post SV Augsburg als auch beim TSV Milbertshofen gewann und der VfL Osnabrück dem SSV Reutlingen keine Chance ließ. Die Hauptakteure damals: hauptberufliche Handwerksmeister, Kaufleute, Studenten.

Doch die schnellste Rückschlagsportart der Welt machte ihren Weg, die Bundesliga entwickelte sich weiter. Um gegenüber anderer Sportarten konkurrenzfähig zu werden, erhielten Professionalisierung, Kommerzialisierung und Medialisierung Einzug. Ein „Sport zum Anfassen“ ist Tischtennis dennoch geblieben. Spieler, Funktionäre und Fans pflegen nach den Bundesligapartien noch immer einen engen Austausch. Selbst beim Finale in Frankfurt ist der Zuschauer aufgrund der Center-Court-Atmosphäre nicht einfach nur dabei, sondern hautnah dran. Und erlebt mit, wie in einem einzigen Endspiel die Deutsche Meisterschaft entschieden wird. Spannung pur.

Doch auch das war nicht immer so: Die Bundesliga hat in ihrer Geschichte so häufig ihren Spielmodus gewechselt wie die Sportler in einem Satz den Aufschlag. Während die Meisterschaft in der ersten Saison bereits am vorletzten Spieltag feststand, tragen seit der Spielzeit 1984/85 die vier besten Teams nach Abschluss der Hin- und Rückserie bekanntlich eine Play-off-Runde aus.

Der erste Meister der Tischtennis-Bundesliga 1966 hieß übrigens: Düsseldorf.

Tickets für das Lieb­herr TTBL-Finale am 24. Mai in der Frank­fur­ter Fra­port Arena gibt es online im Ticket-Shop.