MIT ZWEI AUTOS UND FÜNF MARK ZUM AUSWÄRTSSPIEL



Im Jahr 1966 fiel der Startschuss für die erste Bundesligasaison. Damals schon mit dabei: Eberhard Schöler, der mit seinem Team TuSA Düsseldorf auch direkt Meister in der Premierensaison wurde. Schölers Karriere ist einzigartig, kein zweiter Spieler hat das deutsche Tischtennis in dieser Zeit so geprägt wie er. In unserem dritten Teil der Serie "50 Jahre Bundesliga" haben wir mit dem Mitbegründer der Bundesliga gesprochen - über alte Zeiten und die Zukunft.

Herr Schöler, die Bundesliga wird 50 Jahre alt und sie sind ein Mann erster Stunde. Wie ist die Idee der Bundesliga entstanden und welche Rolle haben Sie dabei gespielt?

Es war wohl auch ein Teil der normalen Entwicklung. Jupp Schlaf als Generalsekretär war damals die starke Persönlichkeit im DTTB. Als erster Spielersprecher im DTTB hatte ich aber immerhin die Möglichkeit, ab und zu Meinungen mit ihm und anderen Vorstandsmitgliedern auszutauschen. Meine eigene Meinung wurde dadurch beeinflusst, dass die WTTV-Liga einige Jahre lang relativ eintönig verlaufen war. Ich hatte praktisch zwei Jahre lang kein Einzel verloren. Deshalb habe ich begonnen, für die Einführung einer Bundesliga zu plädieren. Dann haben die Offiziellen gehandelt.

Eberhard Schöler im vollen Einsatz. (Foto: Sven Simon)

Eberhard Schöler im vollen Einsatz. (Foto: Sven Simon)

Gibt es einen speziellen Moment ihrer Bundesliga-Karriere, den Sie gerne noch einmal erleben würden?

Wie üblich bleibt der erste Titel in einer neuen Klasse in besonderer Erinnerung. 1966/67 hatte TuSA knapp vor SV Moltkeplatz Essen gewonnen. Unsere Fans haben das ausgiebig gefeiert.

Können Sie sich an ein kurioses Ereignis erinnern, das heute so nicht mehr möglich wäre?

Bei einem Auswärtsspiel beim VfL Osnabrück Ende der sechziger Jahre hatte ich meinen Schläger am Hintern meines Doppelpartners Peter Hübner im Eingangsdoppel zerbrochen. Einen Ersatz-(Kombi)Schläger hatte ich nicht. Deshalb musste ich mit dem Schläger eines Kameraden meine Einzel bestreiten. Da ich mit Schaumgummi auf der Rückhand nicht gut abwehren konnte, habe ich meistens angegriffen und zum Beispiel Hans Micheiloff besiegt. Aufgrund dieser Erfahrung hat der DTTB dann in seine Regularien aufgenommen, dass Nationalspieler immer einen Ersatzschläger mit sich führen mussten.

Hans Wilhelm Gäb verpflichtete sie Ende der 60er Jahre für Borussia Düsseldorf. Wie hat er sie von einem Wechsel zum Nachbarverein überredet? Ein üppiges Gehalt wurde früher ja noch nicht bezahlt oder?

Die Führung von TuSA (nicht der TT-Abteilung, sondern des Hauptvereins) war damals nicht bereit, die Bedingungen für die Aktiven zu verbessern. Ein Beispiel: bei Auswärtsspielen wurden zwei Pkw gestellt, die Übernachtung wurde vom Verein bezahlt und zusätzlich ein Taschengeld von fünf DM pro Spieler gewährt, für Essen und Getränke. Wir hatten keinen Trainer und waren reine Amateure. Hans Gäb hatte ein Konzept für den PSV entwickelt, ohne Gehälter für Spieler, aber mit neuen Ansätzen für Training, Wettkämpfe und den Aufbau einer wettbewerbsfähigen Mannschaft. Das war für mich interessant.

Gibt es Ihrer Meinung nach Persönlichkeiten/Spieler, die die Bundesliga maßgeblich geprägt haben?

Eigentlich hat jeder dazu beigetragen. Zunächst die deutschen Spieler meiner Generation (Wilfried Lieck, Peter Stellwag, Martin Ness, Bernt Jansen, Jochen Leiß), die sich den führenden Vereinen in Ihrer Region anschlossen. Später dann die Jahrgänge mit Peter Engel, Ralf Wosik, Hajo Nolten, noch später Rossi, Speedy, Torben Wosik, Georg Böhm und Peter Franz. Heute ist die gesamte Nationalmannschaft mit Timo Boll und Dima Ovtcharov dabei, selbst wenn Dima zurzeit in der russischen Liga spielt. Dann die Ausländer, die von den verbesserten finanziellen Bedingungen in der Bundesliga profitierten. Spielerpersönlichkeiten wie Desmond Douglas, Andrej Grubba, Stellan Bengtsson, Jörgen Persson, Jan-Ove Waldner, Mikhael Appelgren und Vladimir Samsonov - um nur einige Namen zu nennen - haben den Standard der Bundesliga nach der Öffnung für ausländische Spieler geprägt. Noch später kamen dann einige Chinesen und Japaner hinzu. Xie Saike war wohl der erste, später engagierte Düsseldorf dann Jun Mizutani. Es war allerdings ein langwieriger Prozess, bis eine gewisse Anzahl von Vereinen genügend Sponsoren für solche Verpflichtungen gewinnen konnte.

In welchen positiven und negativen Punkten hat sich die Bundesliga in den letzten 50 Jahren am meisten verändert?

Im Wesentlichen gab es positive Veränderungen. Professionelles Management, Trainer für das Leistungstraining, medizinische Betreuung, finanzielle Grundausstattung für die Spieler und vieles andere mehr – davon konnte meine Generation nur träumen. Visionäre in der Vereinsführung wie Georg Rebmann und Rainer Ihle, aber auch die Beständigen wie die Familie Gstettner und Andreas Preuss haben die Liga entscheidend beeinflusst. Auch die Trainer, als Paradebeispiel sei Mario Amizic genannt, haben ihren Teil zu der Erfolgsstory beigetragen. Deshalb sollten die Namen der jeweils Verantwortlichen auch in der Statistik aufgeführt werden. Durch die insgesamt positive Einführung von Live-Streaming und Internetberichterstattung ist allerdings die Zahl der Zuschauer in der Halle zurückgegangen.

Wo wäre der deutsche Tischtennissport heute ohne eine so starke Eliteliga?

Wahrscheinlich ähnlich gut wie heute. Allerdings würde dann der persönliche Bezug zwischen Spieler, Trainer, Verein und Verband anders sein. Deshalb liegt es im Interesse aller Beteiligten, diese Strukturen zu erhalten, aber natürlich auch zu verbessern.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft der TTBL?

Eine gute Abstimmung des Spielplans mit dem nationalen und internationalen Terminkalender, eine kompetente Nachwuchsförderung in Zusammenarbeit mit den regionalen Zentren, eine professionelle Öffentlichkeitsarbeit mit vielen Berichten über Tischtennis als Mannschaftssport und natürlich viele aufregende Spiele.

Vielen Dank für das Interview, Herr Schöler.

 

Sie wollen beim TTBL ALL STAR DAY dabei sein? Jetzt Tickets sichern!

Wer Lust hat, auch in der Sommerpause Tischtennis auf Weltklasseniveau zu sehen, der sollte den TTBL ALLSTAR DAY am 23. Juli in der Esperantohalle in Fulda nicht verpassen. Im Olympia-Modus stehen sich die Nationalteams von Deutschland und Österreich gegenüber. Mit dabei sind Stars wie  Timo Boll, Dimitrij Ovtcharov, Patrick Franziska, Stefan Fegerl oder Daniel Habesohn.

Tickets für den Liebherr TTBL ALLSTAR DAY gibt es bereits ab 10 € (ermäßigt 9 €), für Gruppen und Vereine sogar zum Sonderpreis von 8,90 € ab 10 Tickets. Sichern Sie sich jetzt Ihre Wunschplätze und begleiten Sie die Stars auf ihrem Weg zu den Olympischen Spielen.

Bestellen Sie sich Ihr Ticket einfach und unkompliziert über das Internet. Mit [email protected] können Sie sich Ihre Karten sogar direkt zu Hause ausdrucken. Über folgenden Link können Sie bequem nach Vorverkaufsstellen in Ihrer Umgebung suchen: www.adticket.de/Liste-der-Vorverkaufsstellen.html.



ONLINE-TICKETSHOP

Oder Sie bestellen per Telefon, und die Karten kommen per Post ins Haus!

0180 60 50 400

(0,20 €/Anruf inkl. MwSt. aus den Festnetzen, max. 0,60 €/Anruf inkl. MwSt. aus den Mobilfunknetzen)