NEU IN DER TTBL: ABDEL-KADER SALIFOU, DER DOPPELSPEZIALIST



Mit dem TTC Neu-Ulm nimmt Abdel-Kader Salifou in der kommenden Saison das Abenteuer Tischtennis Bundesliga (TTBL) in Angriff. Der 29-jährige Franzose feierte seine größten Erfolge bislang im Doppel. Beim Liga-Neuling ist er auf Position drei fest eingeplant. Der sechste Teil unserer Serie „Neu in der TTBL“.

Abdel-Kader Salifou

Abdel-Kader Salifou wechselt von Energa KTS Torun nach Neu-Ulm. (Foto: ITTF)

An einem guten Tag wird Abdel-Kader Salifou auch für die etablierten Spieler zu einer Gefahr. 15:13, 11:6, 12:10 führte der Franzose im vergangenen Mai bereits gegen Ruwen Filus, das Viertelfinale der Thailand Open war zum Greifen nah – dann jedoch schlug der Abwehrspieler des TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell zurück. 4:3 setzte sich Filus schließlich durch, am Ende sicherte sich der 31-Jährige in Bangkok den Titel. Das Match gegen Salifou dürfte ihm in Erinnerung geblieben sein.

Zum Wiedersehen könnte es schon bald in der TTBL kommen. Denn Salifou spielt in der kommenden Saison beim TTC Neu-Ulm. Beim Liga-Neuling ist der Franzose zunächst als Nummer drei gesetzt, wie Nadine Berti verrät: „Er ist fix für diese Position eingeplant“, sagt Neu-Ulms Teammanagerin, „daher war er auch einer der ersten Spieler, die wir verpflichtet haben.“

„Bleibe gerne am Tisch und übernehme die Initiative“

An Konkurrenz allerdings mangelt es beim TTC nicht, acht Spieler nimmt der Klub mit in seine erste TTBL-Saison. Darunter allerdings gleich vier Nicht-EU-Ausländer: Aus dem Quartett Gustavo Tsuboi, Hao Shuai, Cui Qinglei und An Jaehyun kann folglich immer maximal nur einer spielen. Gesetzt dürfte zudem Tiago Apolonia sein. Hinter Salifou lauern somit noch zwei Spieler, die auf ihre Einsätze hoffen: der Schwede Viktor Brodd und das deutsche Talent Kay Stumper. Dass der 16 Jahre alte Stumper erste Erfahrungen in der stärksten Liga Europas sammeln soll, hatte Nadine Berti bereits im Juni angekündigt. „Behutsam“ solle Stumper an das Niveau in der TTBL herangeführt werden, sagte sie in unserem Interview: „Dafür aber braucht er natürlich Spielzeit, und die wird er bekommen.“

Salifou dagegen steht, wie auch Brodd, mit seinen 29 Jahren für Erfahrung. Als „aggressiv“ bezeichnete er vor einigen Jahren gegenüber dem Radiosender Tendance Ouest seine Spielweise: „Ich bleibe gerne am Tisch und übernehme die Initiative, vor allem mit meiner Vorhand.“ Auch abseits des Tisches könnte Salifou ein wichtiger Faktor für den TTC Neu-Ulm werden. Denn der Franzose gilt als aufgeschlossen, herzlich und fröhlich. So beschreibt ihn auch Teammanagerin Berti, „immer nett, immer gut gelaunt“, sagt sie. Mit diesen Eigenschaften könnte er einen großen Beitrag zum Zusammenwachsen der neu zusammengestellten Mannschaft leisten.

Auf Platz 83 der Weltrangliste

Sportlich bot das vergangene Jahr jedoch nur selten Grund zur Freude. Mit Energa KTS Torun landete Salifou auf einem enttäuschenden neunten Platz in der polnischen Superliga, sein Vertrag wurde anschließend nicht verlängert. Der Weltranglisten-268. habe zwar „den festgelegten Mindestplan“ erfüllt, sagte Vereinspräsident Krzysztof Piotrowski im März, er habe allerdings „auch einige schwächere Momente“ gehabt, „als er gegen junge polnische Spieler verlor“.

Abdel-Kader Salifou

Im Mai wurde Salifou Zweiter bei den Serbia Open hinter Paul Drinkhall. (Foto: ITTF)

Zuvor hingegen, im Februar 2018, war Salifou dem Sprung in die erweiterte Weltspitze nah gewesen. Anderthalb Jahre vorher hatte er sich entschieden, seinen Trainingsort nach Saarbrücken zu verlegen, mit dem Ziel, sich auf die Turniere der World Tour zu konzentrieren. Und rasch stellte sich Erfolg ein: Mit dem einen oder anderen Sieg auf der World Tour kletterte Salifou langsam nach oben bis auf Rang 83 der Weltrangliste. Unter anderem setzte er sich bei den Qatar Open 2018 gegen Paul Drinkhall durch, der inzwischen beim TTC Schwalbe Bergneustadt spielt, und bei den Swedish Open 2017 gegen den Südkoreaner Hyundeok Seo.

Rückkehr ins Nationalteam

Als Belohnung für die Rückkehr in die Top 100 – 2015 und 2016 hatte Salifou vergeblich um diese gekämpft, nachdem er 2014 schon einmal auf Platz 90 gelistet gewesen war – gab es im Frühjahr 2018 die Nominierung für das französische Nationalteam, rund drei Jahre nach seiner bis dahin letzten und zehn Jahre nach seiner ersten Berufung. Die Team-WM in Halmstad allerdings geriet für Frankreich mit Platz 17 zur Enttäuschung: In der Gruppe gab es nur Rang vier, in der anschließenden Platzierungsrunde eine Niederlage gegen Indien. Salifou kam im Turnierverlauf nicht zum Einsatz, den Vorzug erhielten Simon Gauzy, Emmanuel Lebesson, Quentin Robinot und Can Akkuzu.

Die größten Erfolge Salifous liegen indes schon ein paar Jahre zurück. Insbesondere 2013 zeigte er sich in Top-Verfassung, als er bei der Euro Africa Challenge Series die Siege bei Marocco, Croatia und Egypt Open einfuhr. Im selben Jahr holte er zudem die Silbermedaille bei den französischen Meisterschaften, im Finale unterlag er 3:4 gegen Simon Gauzy. Drei Jahre zuvor hatte er Bronze geholt. Auf zahlreiche Triumphe kann er im Doppel zurückblicken: 2012, 2015, 2017 und 2018 gab es bei den französischen Meisterschaften ebenfalls jeweils Bronze, 2016 zudem Gold an der Seite von Stéphane Ouaiche – gut möglich also, dass Salifou künftig beim TTC Neu-Ulm als Doppelspezialist von sich reden macht.

 

Abdel-Kader Salifou gegen Ruwen Filus bei den Thailand Open 2019:

 

Die bislang erschienenen Artikel unserer Serie "Neu in der TTBL"

Teil 1: Mattias Falck, der WM-Held

Teil 2: Alberto Miño, der Microtenista

Teil 3: Kanak Jha, der US-Hoffnungsträger

Teil 4: Cristian Pletea, der nächste FCS-Youngster

Teil 5: Ewout Oostwouder, der Rückkehrer

 

Beitragsfoto oben: ITTF