NEU IN DER TTBL: QUADRI ARUNA



Mit der Verpflichtung von Quadri Aruna ist dem TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell ein Coup gelungen, der international für Aufsehen gesorgt hat. Der Weltranglisten-20. soll den Abgang von Tomislav Pucar auffangen und die Osthessen in der Tabelle der Tischtennis Bundesliga (TTBL) wieder etwas weiter nach vorne führen. Im vierten Teil unserer Serie „Neu in der TTBL“ stellen wir den 31 Jahre alten Nigerianer vor.

Quadri Aruna

Quadri Aruna hat beim TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell zunächst für ein Jahr unterschrieben, der Verein sicherte sich aber die Option auf eine weitere Saison. (Foto: ITTF)

Sogar Timo Boll hat er kalt erwischt an diesem Tag in Rio im August 2016. Wie eine „Falle“ sei die Vorhand von Quadri Aruna, sagte der deutsche Superstar nach der Partie, plötzlich schnappe sie zu. Mit 4:2 hatte der Underdog aus Nigeria Boll geschlagen, die Medaillenhoffnungen seines Kontrahenten damit begraben und war als erster afrikanischer Tischtennis-Spieler in ein Viertelfinale Olympischer Spiele eingezogen. Als „Wunder“ bezeichnete Aruna selbst seinen Coup, als „wahrgewordenen Traum“. Insbesondere für die deutsche Sportöffentlichkeit ist der Name des inzwischen 31-Jährigen seither fest verbunden mit diesem Sieg gegen Boll.

Es ist also kein Wunder, dass auch bei der Vorstellung Arunas beim TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell im Februar die Sprache auf diesen Erfolg kam. Er schließlich steht symbolisch für das, was sich der Tabellenzehnte der vergangenen Saison der Tischtennis Bundesliga (TTBL) für die kommende Spielzeit vom Neuzugang verspricht: Siege gegen die ganz Großen der Liga. „Mit Sicherheit“, das meinte TTC-Präsident Stefan Frauenholz im Rahmen des Pressetermins, werde Aruna „zu den fünf besten Bundesliga-Spielern zählen. Unsere Mannschaft wird sicherlich stärker einzuschätzen sein als diese Saison.“

Stärkste Waffe: die Vorhand

Spektakuläres Tischtennis dürfen sich die Fans allemal erhoffen von Aruna. Ein krachender Vorhand-Topspin, ausgeführt mit weit schwingendem Arm, gehört zu den Stärken des Neuen, dazu eine starke Beinarbeit. „Meine Vorhand ist meine stärkste Waffe“, sagte Aruna in unserem Interview im Frühjahr. Sein Stil wird immer wieder als unorthodox beschrieben, so auch damals von Boll, 2016 in Rio: „Ich habe einfach zu lange gebraucht, um mich auf seine unorthodoxe Spielweise einzustellen.“

Diese Spielweise ist es, die Aruna zum „Liebling der Massen“ gemacht hat. So war vor einigen Jahren ein Porträt des Nigerianers in der Zeitschrift „tischtennis“ überschrieben. Wenn Aruna am Tisch steht, rufen oftmals auch die neutralen Fans seinen Namen. Wobei sein Erscheinungsbild ein Übriges dazu beitragen dürfte: Mit seinem bulligen Äußeren entspricht Aruna nicht unbedingt dem Ideal eines Tischtennis-Spielers. Seine Hose mutet meist ein wenig zu klein an, das Trikot oft eine Nummer zu groß, insbesondere in den Anfangsjahren. Die „Süddeutsche Zeitung“ hat ihn daher 2016 als „lieben Onkel“ beschrieben, „der auf der Gartenparty gefragt wird, ob er nicht auch mal an die Platte will“.

Große Fußstapfen bei Fulda-Maberzell

Als Sympathieträger ist Aruna auch bei Fulda-Maberzell eingeplant. Bei seinem ersten Termin in Osthessen präsentierte er sich gleich mit breitem Dauergrinsen – und großer Vorfreude auf die stärkste Liga Europas. Dabei ist es ein großer Sprung aus der portugiesischen 1a Divisão in die TTBL: „Große Unterschiede im Spielniveau“ gebe es zwischen den beiden Ligen, sagt Aruna, der seit fünf Jahren für den Sporting Clube De Portugal in Portugal ungeschlagen ist. „In der TTBL sind zahlreiche Spieler aus den Top 100 oder sogar den Top 10 der Welt aktiv. Aus diesem Grund ist das Niveau sehr hoch und der Wettbewerb hart.“

Dass er der Herausforderung gewachsen ist, hat Aruna im Laufe der Jahre immer wieder bewiesen. Zahlreiche Siege gegen Topspieler stehen in seiner jüngeren Bilanz – darunter gegen Wong Chun Ting, Jun Mizutani, Marcos Freitas, Benedikt Duda, Robert Gardos und Darko Jorgic –, mit Rang 18 war er zu Jahresbeginn so hoch in der Weltrangliste gelistet wie nie zuvor, aktuell liegt er auf Platz 20. Bei der WM 2019 kam Aruna unter die letzten 32, ehe es das Aus gegen Fan Zhendong gab. Aber bei Fulda-Maberzell hat der 31-Jährige schließlich auch große Fußstapfen auszufüllen: Aruna muss den Abgang von Tomislav Pucar auffangen, der nach zwei Jahren in Fulda nach Russland zum TTSC UMMC gewechselt ist und in der vergangenen Spielzeit mit einer 16:9-Bilanz zu den besten Spielern der TTBL gehörte.

„Will ein gutes Aushängeschild sein“

Der Druck auf Arunas Schultern ist also kein kleiner. Aber der Neue im Trikot von Fulda-Maberzell ist bekannt dafür, die notwendige Lockerheit mitzubringen. Wohl nur deshalb ist es ihm möglich, Sätze wie diesen zu sagen: „Tischtennis ist ein vergnügliches Spiel. Du nimmst einfach einen Schläger und spielst los – und erst einmal interessiert es niemanden, ob du es kannst oder nicht“, erklärte er 2015 in der Dokumentation „Off the Table“. So einfach, so schön.

Im Alter von sieben Jahren habe er aus diesem Impuls mit dem Tischtennis begonnen, zunächst außerhalb der Halle, später immer professioneller. Von diesem Vergnügen scheint Aruna bis heute nichts eingebüßt zu haben. In der kommenden Saison will er es beim TTC einbringen: „Der Druck vor und während der Spiele ist sehr groß“, sagt Aruna. „Daher hoffe ich einfach, die Situation möglichst gut zu bewältigen und zugleich ein gutes Aushängeschild für die Mannschaft, meinen Verein und letztlich für die gesamte Liga zu sein.“

 

Beitragsbild oben: Quadri Aruna (Foto: ITTF)