FRANZISKA: „WERDEN ALLES GEBEN, DAMIT ES AM 6. JUNI EIN TISCHTENNIS-FEST WIRD“



Die Titelverteidigung haben sich Patrick Franziska und der 1. FC Saarbrücken TT vorgenommen, am 6. Juni kommt es im Liebherr TTBL-Finale zum Showdown in der Tischtennis Bundesliga (TTBL). Im Interview spricht der 28 Jahre alte Olympia-Starter über die Berg- und Talfahrt des FCS in der Hauptrunde, die Teilnahme an „Die Finals 2021 Berlin | Rhein Ruhr“ und natürlich das Endspiel gegen Rekordmeister Borussia Düsseldorf.

Patrick Franziska

Patrick Franziska und der 1. FC Saarbrücken TT treffen am Sonntag im Liebherr TTBL-Finale auf Borussia Düsseldorf. (Foto: BeLa Sportfoto)

Herr Franziska, wenn ich Sie gleich zu Beginn darauf hinweise, dass Borussia Düsseldorf von wettbewerbsübergreifend 34 Spielen in dieser Saison 32 gewonnen hat, dann denken Sie ...

... dass sie eins von den beiden anderen gegen uns verloren haben! Aber natürlich, es stimmt schon: Die Borussia ist bislang in dieser Saison das Maß aller Dinge. Die Mannschaft hat durch die Bank sehr konstant gespielt. Nicht nur Timo Boll hat gepunktet, vor allem Anton Källberg, aber auch Kristian Karlsson und Ricardo Walther haben sich sehr stark und souverän präsentiert.

Sie sprechen den 3:0-Sieg des 1. FC Saarbrücken TT im vergangenen November in der Tischtennis Bundesliga (TTBL) an, bei dem Sie selbst mit 3:0 gegen Timo Boll gewonnen haben. Woran lässt sich rückblickend der Sieg Ihrer Mannschaft festmachen?

3:0, klar. Aber es waren trotzdem drei enge Spiele. Wir waren damals hochmotiviert, schließlich standen wir in der Liga mit dem Rücken zur Wand. Wir mussten um den Platz in den Play-offs kämpfen – und waren genau deshalb vielleicht den entscheidenden Tick heißer und motivierter. Mit der Situation im Finale lässt sich dieses Spiel daher nicht vergleichen, da werden beide Mannschaften auf den Punkt konzentriert sein.

Zum Jahreswechsel stand Saarbrücken nicht auf einem Play-off-Platz. Was hat Ihr Team in den vergangenen Monaten besser gemacht als in der ersten Saisonhälfte?

Es ist ja nicht so, dass wir zu Saisonbeginn schlecht gespielt hätten. Aber wir haben es damals einfach nicht geschafft, die Spiele konsequent nach Hause zu bringen. Wir lagen oft in Führung, haben am Ende aber verloren. Umso glücklicher bin ich, dass es nun vor allem im Halbfinale gegen Ochsenhausen umgekehrt lief. Insbesondere im ersten Duell haben wir uns stark zurückgekämpft und waren am Ende der glückliche Sieger.

Gab es in dieser Situation auch mal ein Machtwort vom Kapitän?

Machtwort vielleicht nicht. Aber natürlich haben wir uns intern oft unterhalten. Ich kann mich etwa an das Spiel in Neu-Ulm erinnern, auch da haben wir eine Führung verspielt. Anschließend haben wir uns zusammengesetzt und über die Gründe gesprochen. Und wir haben gemeinsam überlegt, wie wir die Kurve kriegen können. Wichtig war zu diesem Zeitpunkt, wieder den richtigen Spirit zu entwickeln. Wir sind der Titelverteidiger, und so wollten wir auch wieder auftreten. Mit viel Selbstbewusstsein.

Worauf wird es am Sonntag im Liebherr TTBL-Finale ankommen?

Wenn wir gewinnen wollen, müssen wir in Bestform sein. Düsseldorf wird schließlich mit unheimlich viel Selbstbewusstsein antreten. Für uns wird es daher wichtig, dass wir wieder den Kampfgeist an den Tag legen, der uns zuletzt in den Halbfinals gegen Ochsenhausen ausgezeichnet hat. Wir müssen die richtige Einstellung zeigen und alles in dieses Spiel reinlegen.

Die bis dato letzten Pflichtspiele für beide Teams und ihre Spieler liegen schon eine ganze Weile zurück. Wie wirkt sich das auf das Duell am Sonntag aus?

So eine lange Pause wie die derzeitige ist ungewohnt, ganz klar. Trotzdem sind wir nicht untätig, persönlich etwa war ich die vergangenen fünf Wochen gefühlt täglich in der Halle und habe gearbeitet. Um den Wettkampf-Rhythmus zu bekommen, spielen die Düsseldorfer das Düsseldorf Masters, und auch wir haben den einen oder anderen Wettkampf gespielt. Ich bin mir sicher, dass beide Teams alles unternehmen, um am Sonntag in bestmöglicher Verfassung zu sein.

In starker Verfassung präsentierte sich zuletzt vor allem Darko Jorgic, der in den Halbfinals sogar jeweils als Nummer eins aufgeboten worden war. Was zeichnet ihn in den vergangenen Monaten aus?

Darko hat einen riesigen Schritt gemacht. Er ist an der Verantwortung gereift, die man als Einser übernimmt. Ähnlich war es bei Anton Källberg in Düsseldorf zu beobachten. Und dann hat er sich auch noch in einen Flow gespielt – und plötzlich gelingen Dinge, die sonst nicht unbedingt funktionieren. Das gibt dann noch einmal ein Extra-Selbstvertrauen. Und dass Darko super spielen kann, wussten wir natürlich schon vorher.

Effekt dieser Aufstellung war, dass Sie im Doppel mit Shang Kun gespielt haben ...

Wir harmonieren sehr gut. Shang Kun ist chinesischer Meister im Doppel, und ich habe ja auch schon den einen oder anderen Titel gewonnen. Ob diese Aufstellung aber eine Option für das Finale ist, kann und will ich nicht verraten. Denn gegen Düsseldorf muss man erst mal in das Doppel kommen.

Das Liebherr TTBL-Finale ist erstmals ein Teil von „Die Finals“ und wird daher von ARD und ZDF gezeigt. Wie bewerten Sie diesen Umstand in seiner Bedeutung für den Tischtennis-Sport?

Das ist super für unseren Sport und der richtige Weg. Generell halte ich viel von diesem Format, da hier viele Sportarten, die sonst nicht so oft im Rampenlicht stehen, eine große mediale Präsenz erreichen. Wir haben im letzten Jahr schon bei der Eurosport-Übertragung des Liebherr TTBL-Finals 2020 gesehen, wie groß die Resonanz ist. Daher freue ich mich nun auf „Die Finals“ – und wir werden alles geben, damit es am 6. Juni ein Tischtennis-Fest wird.

Beitragsbild oben: Patrick Franziska (Foto: BeLa Sportfoto)