BERTI: „WOLLEN TISCHTENNIS IN DER REGION ULM FEST ETABLIEREN“



Als Neuling fiebert der TTC Neu-Ulm der ersten Saison in der Tischtennis Bundesliga (TTBL) entgegen. Vor dem offiziellen Start der neuen Runde am 1. Juli haben wir uns mit Teammanagerin Nadine Berti (35) über die Schwierigkeiten der Kaderzusammenstellung und weitere Hürden unterhalten.

Nadine Berti und Florian Ebner

Führungsduo beim TTC Neu-Ulm: Teammanagerin Nadine Berti und Vorsitzender Florian Ebner. (Foto: Ulmer Pressedienst)

Frau Berti, zum Einstieg eine Frage, die viele Tischtennis-Fans ganz besonders interessieren dürfte: Wie ist der Stand bei An Jaehyun?

Nadine Berti: Das ist eine gute Frage, die relativ schwer zu beantworten ist. Wir sind mit seinem Berater in Kontakt, und An hat betont, unbedingt in der TTBL spielen zu wollen. Der neue Präsident des südkoreanischen Verbandes allerdings tendiert derzeit eher gegen eine Freigabe – aber das ist zum Glück noch nicht endgültig. Im Moment kann ich daher nur so viel sagen: Die Gespräche laufen, und wir stehen in ständigem Kontakt, um eine Lösung zu finden. Es wäre ja auch möglich, dass er bis Dezember zwei, drei Spiele für uns macht, um sich dann ganz auf Olympia zu fokussieren.

Gesetzt den Fall, es klappt mit An: Dann hätte der TTC Neu-Ulm vier Nicht-EU-Ausländer im Kader, von denen aber in jedem Spiel nur einer eingesetzt werden darf …

Berti: Auf jeden Fall wird Gustavo Tsuboi derjenige sein, der einen Großteil der Spiele macht. Daher war er auch der erste Spieler, den wir verpflichtet haben. Im Saisonverlauf wird er sich immer mal mit den Chinesen Hao Shuai und Cui Qinglei abwechseln und gegebenenfalls natürlich auch mit An.

Das bedeutet zugleich, dass aus dem Trio Abdel-Kader Salifou, Viktor Brodd und Kay Stumper immer mindestens einer wird spielen müssen. Wie sehen die Planungen bezüglich des erst 16 Jahre alten Stumper aus?

Berti: Wir wollen ihn behutsam an das Niveau in der TTBL heranführen. Dafür aber braucht er natürlich Spielzeit, und die wird er bekommen. Er hat ja schon das eine oder andere Spiel gegen einen Großen gemacht und sich dabei gut geschlagen. Nun wollen wir ihm die Chance geben, erste Bundesliga-Luft zu schnuppern.

Nachdem die Kaderplanungen abgeschlossen sind: Was sind aktuell Ihre drei größten Baustellen?

Berti: Ganz oben auf dieser Liste steht eindeutig die Suche nach einem Spiellokal. Wobei: Gefühlt nimmt dieser Punkt die Plätze eins und zwei ein, mindestens. Auch in diesem Thema sind wir aber auf einem sehr guten Weg, eine Lösung zu finden. Es gibt derzeit verschiedene Varianten, so dass ich bei dem Thema inzwischen weniger Magenschmerzen habe als noch vor einer Woche.

Blicken wir ein Jahr in die Zukunft. Was muss geschehen, damit Sie von einer gelungenen Premierensaison sprechen?

Berti: Es wäre natürlich toll, wenn wir einen Platz im Mittelfeld erreichen würden. Dann könnten wir uns auf die Schulter klopfen. Neben dem rein sportlichen Aspekt aber ist noch etwas anderes wichtig: Ich möchte das Thema Tischtennis in der Region Ulm fest etablieren. Die Zuschauer sollen motiviert sein, zu unseren Spielen zu kommen, und bei uns einen tollen Sport erleben.

Was hat Sie persönlich motiviert, das Abenteuer TTC Neu-Ulm anzugehen?

Berti: Als Florian Ebner mich angesprochen hat, fand ich das Projekt gleich spannend. Im Tischtennis-Sport sehe ich sehr großes Potenzial und eine tolle Chance, etwas zu entwickeln. Zudem hat es mich gereizt, einen Verein von Grund auf aufzubauen. Unsere Aufgabe beginnt schließlich bei der Kreation eines Logos, der Suche nach einem Spielort und so weiter. Das ist eine große Aufgabe, aber eben auch eine enorm reizvolle.

Sie waren lange in der Sportvermarktung aktiv, zuletzt haben Sie bei den Basketballern von Ratiopharm Ulm gearbeitet. Wie schätzen Sie die Stellung des Tischtennis in der deutschen Sportlandschaft ein?

Berti: Leider erhält der Tischtennis-Sport nur wenig Aufmerksamkeit in der deutschen Medienlandschaft. Klar, Fußball toppt alles. Dann kommt lange nichts. Und dann irgendwann Handball, Basketball und einige Wintersportarten. Dabei ist Tischtennis in der breiten Bevölkerung sehr bekannt und beliebt – ausreichend Potenzial ist also auf jeden Fall vorhanden.

Als neuer Klub, der direkt in der TTBL startet, wird der TTC Neu-Ulm von vielen kritisch gesehen. Was antworten Sie den Kritikern?

Berti: Ich habe schon gehört, dass uns manche als „Hoffenheim des Tischtennis“ oder vergleichbar bezeichnen. Aber dieser Eindruck stimmt nicht. Wir wollen uns nicht einfach eine Mannschaft zusammenkaufen, sondern gezielt in Strukturen und die Jugendarbeit investieren. Dabei muss man ehrlich sagen, dass der Zeitpunkt für die Zusammenstellung des aktuellen Kaders sehr schlecht war. Wir hätten gerne vor allem auf junge Spieler gesetzt, die meisten hatten allerdings schon bei anderen Klubs unterschrieben. In Zukunft aber wollen wir vor allem auf die Jugend setzen. Dieser Prozess wird einige Jahre in Anspruch nehmen.

Frau Berti, vielen Dank für das Gespräch.

 

Beitragsfoto oben: Pio Mars