DANG QIU: „DIE VERANTWORTUNG ÜBERNEHME ICH GERNE“



Als dienstältester Spieler kommt Dang Qiu beim ASV Grünwettersbach eine besondere Rolle zu. Dass diese Verantwortung wichtig für die Entwicklung eines jungen Spielers sei, glaubt der 23-Jährige und spricht zudem im Interview unter anderem über die neue Saison in Pokal und Tischtennis Bundesliga (TTBL), über seine derzeitige Form und über das Doppel.

Dang Qiu

Mit Tobias Rasmussen avancierte Dang Qiu zum Erfolgsduo im Liebherr Pokal-Finale 2019/2020. (Foto: BeLa Sportfoto)

Das Jahr 2020 läuft sportlich bislang glänzend für Sie, zumindest so weit es das Coronavirus zulässt. Erst der Triumph im Deutschen Tischtennis-Pokal, dann in Portugal Ihr erster Einzel-Sieg bei einem internationalen Top-Turnier und der Sprung in die Top 50 der Welt, nun sind Sie in der Gesamtwertung der Düsseldorf Masters weit vorne gelandet. Erleben wir derzeit den bislang stärksten Dang Qiu?

In den vergangenen Jahren war ich bestimmt nicht besser, insofern lässt sich schon sagen, dass derzeit der beste Dang Qiu zu sehen ist. Aber das soll natürlich nicht das Ende meiner Entwicklung sein, schließlich bin ich mit 23 Jahren ja noch relativ jung. Ich will mich weiterentwickeln und das Maximum aus mir herausholen, dafür arbeite ich jeden Tag hart und beschäftige mich sehr intensiv mit dem Sport.

Angesichts der zahlreichen Erfolge liest sich Ihre 7:12-Bilanz in der vergangenen TTBL-Spielzeit ein wenig überraschend. Wie blicken Sie auf die zurückliegende Saison?

Einerseits ist die Liga unfassbar stark. Wir Spieler müssen in jedem Spiel an unsere Grenzen gehen, um zu gewinnen. Das gilt insbesondere für die, die häufig auf Position zwei zum Einsatz kommen und somit meist auf die Topspieler treffen. Andererseits ist der internationale Kalender extrem eng gestrickt, so dass wir eine Dauerbelastung erleben. Durch diese Konstellation kann es im Falle eines kleinen Tiefs schnell passieren, dass die Bilanz ins Negative rutscht.

Fassen Sie doch bitte die vergangene Saison in wenigen Sätzen zusammen: Was war gut, was war schlecht?

Gut war natürlich der Pokal-Sieg! Damit hatten wir niemals gerechnet. Schlecht – da fällt mir spontan gar nichts ein. Der Verein wächst von Jahr zu Jahr und etabliert sich immer weiter. Wenn ich unbedingt etwas nennen muss, dann würde ich sagen, dass wir noch konstanter in unseren Leistungen werden sollten.

Sie haben den Pokal bereits angesprochen. In die neue Pokal-Saison startet der ASV als Titelverteidiger und hatte bei der Achtelfinal-Auslosung vor wenigen Tagen erneut Glück. Es geht gegen den Sieger der Vorrunden-Gruppe 2 und damit gegen einen Zweit- oder Drittligisten. Was sagen Sie zu dem Los?

Dass wir auf keinen Fall bereits gewonnen haben. Auch wenn der kommende Gegner mutmaßlich leichter zu schlagen ist als eines der TTBL-Topteams, müssen wir die Aufgabe auf jeden Fall ernst nehmen und unsere beste Leistung abrufen. Es wird immer wieder gesagt, aber es stimmt eben auch: Der Pokal hat seine eigenen Gesetze. Darauf müssen wir eingestellt sein und dürfen nicht nachlässig werden.

Warum sehen wir den ASV nach dem Halbfinale 2019 und dem Titel 2020 zum dritten Mal in Serie beim Final Four?

Ich würde mich natürlich nicht dagegen wehren, erneut mindestens ins Halbfinale zu kommen. Aber bis dahin ist es noch ein langer Weg. Grundsätzlich ist es sicher einfacher, beim Final Four dabei zu sein, als den Sprung in die Play-offs zu schaffen. Denn im Pokal lässt sich über die Tagesform und auch ein bisschen über Glück einiges erreichen. Es sind ja nur zwei Spiele bis zum Halbfinale. In der Vergangenheit hat es für uns gepasst, und es wäre toll, wenn es noch einmal klappen würde. Denn das Final Four ist ein Riesenereignis und macht unglaublichen Spaß, auch weil die Fans für eine einzigartige Stimmung sorgen.

Beim vergangenen Liebherr Pokal-Finale hat zweimal das Doppel den Unterschied zugunsten Grünwettersbachs gemacht. Was macht Ihrer Meinung nach den Reiz des Doppels aus?

Ganz allgemein bin ich ein großer Fan des Doppels, und das nicht nur wegen der jüngsten sportlichen Erfolge, sondern auch aus Zuschauer-Sicht. Doppel sind immer wieder spannend zu sehen und halten zudem viele Überraschungen bereit.

Dang Qiu

Seit vier Jahren spielt Dang Qiu beim ASV Grünwettersbach und ist damit der dienstälteste Spieler der Badener. (Foto: Friedrich Haubner)

Ihre Siege mit Tobias Rasmussen beim Final Four im vergangenen Januar dürften in diese Kategorie Überraschung fallen. Warum harmonieren Sie beide so gut?

Ich harmoniere sehr gut mit Linkshändern, das bin ich schließlich vor allem aus dem Doppel mit Benedikt Duda bei internationalen Turnieren gewöhnt. Tobi und ich haben uns zudem im Training viel Spielpraxis geholt, was uns in den engen Duellen möglicherweise den entscheidenden Vorteil gegeben hat. Dass wir uns nicht nur sportlich super verstehen, sondern auch menschlich, dürfte ebenfalls nicht schaden.

Neben Ihnen und Tobias Rasmussen hat auch Wang Xi beim ASV verlängert. Neu im Team sind Deni Kozul und Minha Hwang. Wie stark schätzen Sie die Mannschaft in der neuen Saison ein?

Wir sind auf jeden Fall gefährlich, schon alleine weil wir ganz unterschiedliche Spielertypen dabei haben. Auch die schon erwähnte Stärke im Doppel ist sicherlich kein Nachteil. Letztlich geht es darum, drei Punkte für einen Sieg zu holen, egal in welchen Spielen, und dafür verfügen wir über ganz verschiedene Mittel. Zwar sind wir natürlich nicht so stark wie die ganz großen Teams, aber an einem guten Tag können wir jeden Gegner kalt erwischen. Unsere Neuzugänge werden uns dabei auf jeden Fall helfen. Deni hatte zwar eine etwas unglückliche Saison in Jülich, aber er passt super in unsere Mannschaft und wird in der neuen Runde zeigen, dass er vielen Spielern gefährlich werden kann.

Sie sind erst 23 Jahre alt, aber trotzdem schon der dienstälteste Spieler beim ASV. Seit vier Jahren spielen Sie für Grünwettersbach. Welche Rolle übernehmen Sie im Team?

Grundsätzlich ist für mich Loyalität eine sehr wichtige Sache. Es fühlt sich sehr gut an, so fest in den Verein integriert zu sein. Natürlich ist damit auch eine gewisse Verantwortung verbunden, aber die übernehme ich gerne. Denn solche Herausforderung sind wichtig für einen jungen Spieler – und ein solcher bin ich ja trotzdem noch –, um sich weiterzuentwickeln.

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Beitragsbild oben: Dang Qiu (Foto: BeLa Sportfoto)