NACH PLATZ ACHT: DER TTC NEU-ULM WILL MEHR



Ein überzeugendes erstes Jahr in der Tischtennis Bundesliga (TTBL) liegt hinter dem TTC Neu-Ulm. Der Kader aber wird für die kommende Saison trotzdem umgebaut, Tiago Apolonia erhält künftig Unterstützung durch einen Europameister.

Tiago Apolonia

Tiago Apolonia hat sich als Glücksgriff entpuppt, der Portugiese glänzte mit einer 21:6-Bilanz. (Foto: BeLa Sportfoto)

Sogar noch ein wenig besser hätte die Premierensaison laufen können für den TTC Neu-Ulm. Selbst Rang sechs und damit die obere Tabellenhälfte der Tischtennis Bundesliga (TTBL) waren schließlich in Reichweite. Mit dem achten Platz aber können die Verantwortlichen ausgezeichnet leben. „Total happy“ sei er mit dem ersten Jahr in Europas bester Liga, sagt Vereinspräsident Florian Ebner. „Wir hatten tolle und überwiegend erfolgreiche Heimspiele, mit Tiago Apolonia einen der Eyecatcher der Liga mit einer überragenden Bilanz, wir hatten ein funktionierendes Team, und die Truppe hinter dem Team hat eine grandiose Premieren-Organisation hingelegt.“

In der Tat erwies sich Tiago Apolonia in sportlicher Hinsicht als der entscheidende Glücksgriff. Der nach einem Jahr in Japan bei TT Saitama in die TTBL zurückgekehrte Portugiese absolvierte seine vielleicht beste Spielzeit in Deutschland. Mit einer 21:6-Bilanz gehörte Apolonia zu den besten Spielern der Saison. „Ich könnte nicht glücklicher sein mit meiner Leistung“, schrieb der 33-Jährige jüngst auf Facebook. Mit seinen Einzelsiegen führte er Neu-Ulm zu zahlreichen Erfolgen, unter anderem gegen den 1. FC Saarbrücken TT, den TTC Schwalbe Bergneustadt (je 3:2) und die TTF Liebherr Ochsenhausen (3:1). Insgesamt feierten die Westschwaben neun Siege in 21 TTBL-Partien.

Das Ziel heißt Final Four

Ebenfalls zu überzeugen wusste Abdel-Kader Salifou. Der Franzose rang unter anderen zweimal Mattias Falck mit 3:2 nieder und holte zudem Siege gegen Hugo Calderano (3:0) und Bastian Steger (3:2). Mit einer 6:11-Bilanz erfüllte Salifou die in ihn gesetzten Erwartungen. Nach der Saison allerdings verlässt er den TTC, ebenso wie Viktor Brodd und Gustavo Tsuboi (je 3:7-Bilanz). Trotz des gelungenen Premierenjahrs nämlich baut Neu-Ulm den Kader um. Die Ziele schließlich sind hochgesteckt, mittelfristig soll die Mannschaft im Titelrennen mitmischen.

Für die zweite TTBL-Spielzeit hofft Ebner auf „viele spannende und möglichst siegreiche Heimspiele“ und „im Pokal auf etwas Losglück“. Nachdem es in der laufenden Saison bereits im Achtelfinale des Pokals gegen den Titelverteidiger gegangen war und beim 2:3 gegen Ochsenhausen das Aus gegeben hatte, soll es im zweiten Anlauf klappen mit der Teilnahme am Final Four, das voraussichtlich wieder in der heimischen ratiopharm arena stattfindet.

Dmitrij Mazunov, Hugo Calderano

Mit Dmitrij Mazunov (links, mit Hugo Calderano) hat Neu-Ulm den Meistertrainer von Nachbar Ochsenhausen verpflichtet. (Foto: ITTF)

Neuer Spieler, neuer Trainer

Konkurrenzfähig scheint der Kader allemal. Apolonia hat seinen Vertrag bis 2022 verlängert, mit dem Europameister von 2016, Emmanuel Lebesson (32), und U21-Europameister Vladimir Sidorenko (18) wurden zwei Hochkaräter verpflichtet. Kay Stumper soll zudem in der kommenden Saison mehr Einsatzzeit erhalten. „Ob und welcher asiatische Spieler noch dazukommt, ist offen“, sagt Ebner. In der aktuellen Spielzeit hatte der südkoreanische WM-Dritte An Jaehyun in sieben Begegnungen mitgemischt.

Trainiert wird die Mannschaft künftig von Dmitrij Mazunov, der auf Chen Zhibin folgt. Mit Ochsenhausen hatte der 48-Jährige in der vergangenen Saison das Double gefeiert, in der laufenden könnte ein dritter Titel folgen. In den Play-offs treffen die TTF auf Borussia Düsseldorf. „Die Chance, das Duo Mazunov/Sidorenko nach ihrem Ausstieg in Ochsenhausen zu verpflichten“, sagt Ebner, „konnte ich mir nicht entgehen lassen. Nun haben wir das größte europäische und das größte deutsche Talent im Team. Das macht natürlich Spaß.“

„Ein mehr als lohnendes Investment“

Während der Kader also bereit scheint, bereitet der Spielort den Verantwortlichen noch Kopfzerbrechen. „Eine geeignete Halle gibt es in der Region nicht“, erklärt Ebner, daher habe der TTC im März den Bauantrag für eine „eigene, kleine Halle“ bei der Stadt eingereicht. Aufgrund der Pandemie des Corona-Virus gebe es hier allerdings derzeit keinen Fortschritt zu vermelden. Auf ein eigenes Zuhause wird Neu-Ulm also noch ein wenig warten müssen.

Insgesamt aber sieht Ebner seinen Verein auf einem guten Weg. „Wenn wir den Sportlern eine verlässliche, motivierende und leistungsfördernde Basis bieten können“, erklärt der Unternehmer mit Blick auf die kommenden Jahre, „und sie uns mit tollem Teamgeist, großer Einsatzfreude und manchen Spitzenleistungen und Siegen begeistern und wir damit die Jugend an die Tische bringen, dann ist das in der heutigen Minuszins-Zeit, in der Werte wieder eine andere Bedeutung bekommen, ein mehr als lohnendes Investment.“

 

Beitragsbild oben: Tiago Apolonia (Foto: BeLa Sportfoto)