NEU IN DER TTBL: ALBERTO MIÑO, DER MICROTENISTA



Mit Alberto Miño hat der TTC Schwalbe Bergneustadt einen der besten Spieler aus Liga zwei in die Tischtennis Bundesliga (TTBL) zurückgeholt. Der 28 Jahre alte Ecuadorianer hat in Deutschland seine sportliche Heimat gefunden und unternimmt nun den nächsten Anlauf, Fuß zu fassen in der besten Liga Europas. Zeit, ihn in Teil zwei unserer Serie „Neu in der TTBL“ etwas näher unter die Lupe zu nehmen.

Alberto Miño

Bereits viermal triumphierte Alberto Miño bei der Südamerika-Meisterschaft. (Foto: ITTF)

Alberto Miño ist ein Exot. Microtenis, Tischtennis also, genießt in seinem Heimatland keine allzu große Popularität. Wobei: Außer Fußball ist in Ecuador eigentlich gar kein Sport sonderlich populär. Der Fußball überstrahlt alles, mehr noch als hierzulande. Dass Ecuador ein „fußballkrankes Land“ sei, bemerkte einmal treffend der Präsident des Schwimmverbandes, Jorge Delgado. Und so ist es kein Wunder, dass Miño den Vergleich zum Fußball sucht, um seinen Landsleuten seinen Sport näherzubringen.

„Ähnlich wie im Fußball“ organisiert sei die 2. Tischtennis-Bundesliga, sagte Miño in einem Interview der Tageszeitung „El Universo“, angesprochen auf das Format der Liga. „Es gibt zehn Mannschaften, die zu Hause und auswärts spielen. Der erste Abschnitt beginnt Ende August und endet im Dezember, der zweite Abschnitt beginnt im Januar und endet im April.“ So klingt offenbar, wer dem Laien den Tischtennis-Sport begreiflich machen will.

Inzwischen unter den Top 100

Aufmerksamkeit erfährt der Microtenista Miño in seiner Heimat aber durchaus, allem Fußballwahn zum Trotz. Seine Erfolge sprechen schließlich für sich: Viermal setzte sich der 28-Jährige bei der Südamerika-Meisterschaft durch (2015, 2016, 2017, 2019), bei den panamerikanischen Spielen 2011 holte er die Bronzemedaille. Seit diesem Frühjahr rangiert Miño zudem in den Top 100 der Welt.

Katalysator für seine Karriere sei der Schritt nach Europa gewesen, sagte Miño, der mit 15 Jahren erstmals das Nationaltrikot trug: Er sei sich „zu 90 Prozent sicher“, dass er nicht sein aktuelles Niveau erreicht hätte, wenn er Ecuador nicht verlassen hätte, erklärte er im April gegenüber „El Universo“. Mehr noch: „Ich weiß nicht, ob ich noch Tischtennis spielen würde, wenn ich im Land geblieben wäre“, sagte Miño.

Über Köln und Dortmund zu Bergneustadt

Den Schritt nach Europa wagte er bereits früh. Im September 2009, wenige Wochen nach seinem 19. Geburtstag, wechselte Miño zum französischen Klub Bayard Argentan, später folgte der Wechsel zum TTC Zugbrücke Grenzau. Zunächst als Spitzenspieler der zweiten Mannschaft aktiv, folgte 2014 der erste große Auftritt in der TTBL: Für den verhinderten Masaki Yoshida ins Team gerückt, setzte sich Miño 3:1 gegen Benedikt Duda durch und steuerte einen Punkt zum 3:1-Sieg gegen den TTC Schwalbe Bergneustadt bei.

Alberto Miño

Alberto Miño bei einem Match für Grenzau in der Saison 2014/15. (Foto: Roscher)

Die sportliche Heimat Miños blieb anschließend aber die zweite Liga. Über die Station 1. FC Köln folgte im vergangenen Jahr der Wechsel zum BV Borussia 09 Dortmund. Mit dem BVB feierte er in der abgelaufenen Saison die Vizemeisterschaft, dabei verbuchte er eine Bilanz von 21:10. Mit dem Wechsel zu Bergneustadt folgt nun der nächste Schritt in Miños Karriere.

Auf Robles’ Spuren

„Wir versprechen uns einen schlagkräftigen Spieler, der unser Team verstärken wird“, sagt Teammanager Heinz Duda. Bei Bergneustadt spielt Miño an der Seite von Benedikt Duda, Alvaro Robles und Paul Drinkhall; Vladimir Sidorenko hat den TTC Schwalbe verlassen und tritt künftig für die TTF Liebherr Ochsenhausen an.

Geht es nach Heinz Duda, macht Miño „eine ähnliche Entwicklung“ wie Alvaro Robles. Der Spanier (28) war vor zwei Jahren nach Nordrhein-Westfalen gewechselt und bestritt in der vergangenen Saison 19 Einsätze für Bergneustadt mit einer Bilanz von 13:9. „Insgeheim hoffen wir, dass Alberto eine ähnliche Entwicklung wie Alvaro macht, der unter ähnlichen Umständen zu uns gekommen ist und inzwischen zum Führungsspieler und Leistungsträger herangewachsen ist“, sagt Duda. „Albertos Alter dürfte ein wenig dagegensprechen, aber er wäre nicht der erste, der mit knapp 30 Jahren am Zenit seiner Spielstärke wäre.“

Beitragsfoto oben: ITTF

 

Die bislang erschienenen Artikel unserer Serie "Neu in der TTBL"

Teil 1: Mattias Falck, der WM-Held