„SELBST ZÄHLT MAN GAR NICHT SO MIT“



Nach 18 Jahren in der 1. Bundesliga endet im Sommer die Profi-Karriere von Lars Hielscher. Als Bundesstützpunkttrainer im Deutschen Tischtennis-Zentrum hat er eine neue Aufgabe gefunden. Doch natürlich wird er auch selbst noch den Schläger schwingen. Wir haben mit dem 38-Jährigen gesprochen – über das, was war und das, was kommt.

Lars Hielscher, Post SV Mühlhausen, Liebherr Pokal-Finale, Final Four 2017

Stand mit Mühlhausen im Final Four 2017: Lars Hielscher (Foto: BeLa Sportfoto)

Herr Hielscher, nach 18 Jahren in der Bundesliga beenden Sie im Sommer Ihre Karriere als Tischtennis-Profi. Ist Ihnen dieser Schritt schwer gefallen oder haben Sie gemerkt, dass der richtige Zeitpunkt dafür gekommen ist?

Lars Hielscher: Wahnsinn, dass es tatsächlich 18 Jahre waren. Selbst zählt man gar nicht so mit. Zuletzt habe ich aber tatsächlich das Gefühl gehabt, dass der richtige Zeitpunkt gekommen ist. Wenn ich noch ein Jahr weitergespielt hätte, wäre es immer schwieriger geworden. Nach sehr guten Gespräche und einem tollen Abschluss in Mühlhausen hat der Zeitpunkt einfach gepasst.

Ihr erstes Spiel in der Bundesliga haben Sie in der Saison 1999/2000 für Jülich bestritten. Welche Erinnerungen haben Sie noch an Ihr Debüt in Deutschlands höchster Spielklasse? Wissen Sie noch, wer damals Ihre Gegner waren?

Hielscher: Geir Erlandsen und Thomas Keinath waren damals meine Gegner. Weil schon vor dem Spiel klar war, dass Würzburg einer unserer Hauptkonkurrenten um den Abstieg sein würde, war ich entsprechend nervös. Mein erstes Spiel und gleich ein Heimspiel gegen einen direkten Konkurrenten – am Ende haben wir aber mit 6:3 gewonnen und ich konnte beide Einzel für mich entscheiden. Das war schon ein besonderer Moment.

Bis zuletzt waren Sie für den Post SV Mühlhausen aktiv – ein Verein, der Ihnen sehr ans Herz gewachsen ist. Dass dieses Gefühlt auf Gegenseitigkeit beruht, hat man im letzten Heimspiel gesehen, als Sie offiziell verabschiedet wurden. Wie haben Sie Ihre Zeit dort erlebt?

Hielscher: In Mühlhausen herrscht einfach eine tolle Atmosphäre. Das Vereinsleben wird groß geschrieben und die Fans sind besonders nah dran an der Mannschaft. Selbst bei den Auswärtsspielen des Intercups war der harte Kern immer dabei. Das ist schon sehr speziell. Dazu kommt, dass der Verein immer zu mir gehalten hat – auch in Phasen, in denen ich lange verletzt war. In Mühlhausen wird nicht nur darauf geschaut, wie viele Spiele jemand gewonnen oder verloren hat.

Im Januar stand Mühlhausen etwas überraschend im Finalturnier um den Deutschen Tischtennis-Pokal. Für Ihre letzte Saison sicherlich noch mal ein echter Höhepunkt …

Hielscher: Absolut. Obwohl ich im Vorfeld längere Zeit verletzt war, wollte ich beim Final Four unbedingt spielen. Und wir hatten uns nach dem aufregenden Viertelfinale gegen Fulda viel vorgenommen. Leider konnten wir gegen Saarbrücken nicht das abrufen, was wir eigentlich drauf haben. Trotzdem war die Veranstaltung ein echtes Highlight für mich und die Mannschaft und ein toller Abschluss für mich, da ich zu diesem Zeitpunkt bereits wusste, dass das meine letzte Saison sein würde. Noch einmal die große Bühne!

In den letzten Jahren haben Sie sich akribisch auf die Zeit nach Ihrer aktiven Karriere vorbereitet, haben den Trainerschein gemacht und im Jugendbereich des DTTB bereits als Assistenztrainer gearbeitet. Wie geht es jetzt beruflich weiter für Sie? Greifen Sie auch selbst hin und wieder noch zum Schläger?

Hielscher: Ab dem 1. Juli werde ich im Deutschen Tischtennis-Zentrum in Düsseldorf als Bundesstützpunktrainer arbeiten. Aber natürlich ist auch der sportliche Ehrgeiz noch da, wenngleich sich die Prioritäten etwas verschoben haben und ich sehen muss, wie oft ich noch trainieren kann. Deshalb werde ich in der kommenden Saison für den SV Union Velbert in der 3. Liga spielen und freue mich auf diese Aufgabe. Mit Adrian Dodean habe ich früher schon in Bremen zusammengespielt. Auch kenne ich Karl Walter gut, den ich während meiner Trainerausbildung betreut habe. Ovi (Ovidiu Ionescu) hat von seiner Zeit dort außerdem viel Positives erzählt.

In knapp zwei Wochen finden in Düsseldorf die Tischtennis-Weltmeisterschaften statt. Was trauen Sie den deutschen Startern dort zu? Wer ist für eine Medaille gut?

Hielscher: Unsere beiden Topleute Timo Boll und Dimitrij Ovtcharov haben sicherlich beide das Zeug dazu. Doch natürlich muss alles passen, damit es gegen die starken Chinesen oder auch Japans Jun Mizutani zu einer Medaille reicht.

Herr Hielscher, vielen Dank für das Gespräch!

Beitragsbild oben: BeLa Sportfoto