TITELVERTEIDIGUNG IN NERVENSCHLACHT: BORUSSIA DÜSSELDORF GEWINNT DAS LIEBHERR TTBL-FINALE



Borussia Düsseldorf hat die Saison in der Tischtennis Bundesliga (TTBL) mit der 32. Deutschen Meisterschaft der Vereinsgeschichte beendet: In einer Nervenschlacht vor 2350 Zuschauern setzte sich der Rekordmeister am Samstag in der Ballsporthalle Frankfurt mit 3:2 gegen den 1. FC Saarbrücken TT durch und revanchierte sich damit für die Final-Niederlage im Pokal zu Beginn des Jahres.

Timo Boll

Timo Boll stellte nach dem Liebherr TTBL-Finale fest: „Wir müssen für jeden Titel brutal hart kämpfen.“ (Foto: BeLa Sportfoto)

Timo Boll brachte es zwischenzeitlich perfekt auf den Punkt: „Wir müssen jetzt alles gewinnen“, sagte der Superstar von Borussia Düsseldorf nach dem dritten Einzel im Liebherr TTBL-Finale und musste anschließend erst einmal tief durchatmen. Bolls Team nämlich stand zu diesem Zeitpunkt mit dem Rücken zur Wand: Mit 1:2 lag Düsseldorf bereits gegen den 1. FC Saarbrücken TT hinten, schlug dann aber doch noch zurück. Am Ende fuhr der Rekordmeister der Tischtennis Bundesliga (TTBL) einen 3:2-Erfolg ein, gewann damit die 32. Deutsche Meisterschaft der Vereinsgeschichte – und feierte wenige Augenblicke später ausgelassen auf dem Center Court.

„Die Konkurrenz wird immer stärker“, sagte Boll, nachdem der Titelgewinn geschafft war. „Wir müssen für jeden Titel brutal hart kämpfen.“ Sein Trainer Danny Heister erklärte: „Es war eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Ich bin sehr, sehr froh, dass wir gewonnen haben. Es war eine echte Mannschaftsleistung. Ich bin unheimlich stolz auf meine Mannschaft.“

Der Geburtstags-Wunsch von Patrick Franziska erfüllt sich nicht

Saarbrücken nämlich verlangte den Düsseldorfern wieder einmal alles ab: Nachdem Anton Källberg die Borussia mit einem 3:1 (11:13, 11:8, 11:6, 11:2) gegen Tomas Polansky in Führung gebracht hatte, schlug der FCS zurück. Zunächst setzte sich Patrick Franziska im Duell der deutschen Nationalspieler mit 3:2 (7:11, 11:9, 11:8, 7:11, 11:7) gegen Dang Qiu durch, dann triumphierte Darko Jorgic nach einer herausragenden Leistung gegen Timo Boll. Immer wieder rissen die Punkte des Saarbrückers die Zuschauer regelrecht von ihren Sitzen, durch Jorgics 3:1 (14:12, 11:6, 8:11, 11:4)-Erfolg war für Saarbrücken die Meisterschaft zum Greifen nah. Und zugleich für Franziska ein besonderer Triumph: Der FCS-Kapitän feierte am Samstag seinen 30. Geburtstag und hatte vorab augenzwinkernd angekündigt, den Geburtstags-Sekt aus dem Meisterpokal trinken zu wollen.

Daraus allerdings wurde nichts, Bolls Teamkollegen nämlich folgten der Anweisung ihres Leaders und gaben kein Spiel mehr ab. Källberg hielt im Spitzeneinzel dem Druck stand, wehrte Franziskas Angriff im ersten Satz ab und sorgte mit seinem 3:1 (13:11, 8:11, 11:4, 11:6) für den Ausgleich. „Anton hat sehr stark gespielt“, anerkannte Franziska anschließend. „Es ist schade, dass ich den ersten Satz nicht klauen konnte, dann wäre es vielleicht knapper geworden.“ Im Doppel hatte die Borussia schließlich alles im Griff – und erlebte dabei einen emotionalen Abschied: Kristian Karlsson, der zur neuen Saison nach sechs Jahren in Düsseldorf zu Hennebont wechselt, kam an der Seite von Qiu zu seinem Abschiedsspiel und sorgte mit dem 3:0 (11:3, 11:8, 11:8) gegen Polansky/Jorgic für die Entscheidung im Titelkampf.

Anton Källberg: „Immer ein Riesenkampf gegen Saarbrücken“

Patrick Franziska

Patrick Franziska feierte am Samstag seinen 30. Geburtstag, der Titel als Geschenk blieb ihm allerdings verwehrt. (Foto: BeLa Sportfoto)

„Wir wussten, dass wir im Doppel vielleicht einen kleinen Vorteil haben“, sagte Düsseldorf-Trainer Heister anschließend, „daher haben wir das Doppel im Wochenverlauf auch noch intensiv trainiert.“ Anton Källberg, der die TTBL-Saison durch seine beiden Erfolge mit einer 31:2-Einzelbilanz beendet, erklärte: „Es ist immer ein Riesenkampf gegen Saarbrücken. Ich bin unheimlich stolz auf die gesamte Mannschaft, diese Leistung abgerufen zu haben.“

Für Saarbrücken platzte derweil die große Hoffnung auf das erste Double der Vereinsgeschichte. Im Januar hatte sich der FCS im Liebherr Pokal-Finale mit 3:1 gegen Düsseldorf durchgesetzt. „Wir haben alles versucht und alles gegeben. Ich kann der Mannschaft keinen Vorwurf machen“, sagte Trainer Wang Zhi. „Wir haben dieses Mal knapp verloren, aber nächstes Jahr greifen wir wieder an.“ Ähnlich formulierte es Franziska, der trotz des Ergebnisses ein positives Saisonfazit zog: „Nach einer Niederlage ist man natürlich nie zufrieden“, erklärte er, „aber wir haben den Pokal gewonnen und standen zum vierten Mal in Folge im Liebherr TTBL-Finale. Wir sind als Verein auf einem richtig guten Weg.“

Beste Stimmung dank 2350 Zuschauern

Ein besonderer Tag war es auch für die ausrichtende Tischtennis Bundesliga GmbH: Zweieinhalb Jahre hatten die Top-Events aufgrund der Covid-19-Pandemie ohne Beisein von Zuschauern stattfinden müssen, am Samstag fieberten die Fans erstmals seit dem Liebherr Pokal-Finale 2019/20 wieder nicht nur zu Hause vor TV und Livestream mit, sondern endlich auch wieder live vor Ort. „Wir freuen uns riesig, dass erstmals seit 2019 wieder die Fans in Frankfurt dabei sein konnten“, sagte TTBL-Geschäftsführer Nico Stehle. Die Zuschauer dankten es mit frenetischem Jubel für die Stars und zahlreichem Erscheinen: 2350 Zuschauer fieberten in der Ballsporthalle mit, wodurch ein rundum gelungenes Comeback nach der Pandemie gefeiert wurde.

Live übertragen wurde das Finale erneut im Free-TV auf SPORT1 sowie im Stream auf Sportdeutschland.TV. „Auch wenn wir die Quoten natürlich noch nicht kennen, können wir schon jetzt sagen, dass das Liebherr TTBL-Finale medial erneut ein riesiger Erfolg war“, erklärte Stehle und verwies neben den beiden Live-Übertragungen auf verschiedene Nachberichte im TV, darunter einen rund sechsminütigen Beitrag in der ARD-Sportschau. „Wir haben heute gesehen, wie schön der Tischtennis-Sport ist.“

Das Liebherr TTBL-Finale in der Übersicht

Borussia Düsseldorf – 1. FC Saarbrücken TT 3:2
Anton Källberg – Tomas Polansky 3:1 (11:13, 11:8, 11:6, 11:2)
Dang Qiu – Patrick Franziska 2:3 (11:7, 9:11, 8:11, 11:7, 7:11)
Timo Boll – Darko Jorgic 1:3 (12:14, 6:11, 11:8, 4:11)
Anton Källberg – Patrick Franziska 3:1 (13:11, 8:11, 11:4, 11:6)
Kristian Karlsson/Dang Qiu – Darko Jorgic/Tomas Polansky 3:0 (11:3, 11:8, 11:8)

Beitragsfoto oben: BeLa Sportfoto